Diakonie: Bundesfreiwilligendienst zu bürokratisch organisiert

Marc Philipp war nach Angaben der badischen Diakonie der erste Bundesfreiwillige in Deutschland.

© epd-bild / Gustavo Alabiso

Marc Philipp begann in der Nacht zum 1. Juli 2011 in dem Klinikum der Diakonie Baden-Württemberg seinen Dienst als erster Bundesfreiwilliger in Deutschland. Der Bundesfreiwilligendienst für alle Altersklassen begeht sein 10 jähriges Jubiläum.

Diakonie: Bundesfreiwilligendienst zu bürokratisch organisiert
Zum zehnten Jahrestag (1.7.) des Starts des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) haben kirchliche Wohlfahrtsverbände Reformen für den Einsatz von Ehrenamtlern angemahnt. Der BFD habe zwar die Freiwilligendienste bundesweit gestärkt, sei allerdings nach wie vor zu bürokratisch organisiert, heißt es in einer am Montag von der Diakonie und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) veröffentlichten Mitteilung.

Seit dem Start 2011 haben rund 45.000 Freiwillige einen Dienst in der Diakonie oder der evangelischen Jugend absolviert. Vor zehn Jahren wurden Wehrpflicht und Zivildienst ausgesetzt, zugleich wurde mit dem BFD ein neues Angebot für Menschen jeden Alters eingeführt. Die Evangelischen Freiwilligendienste sind im BFD der größte zivilgesellschaftliche Anbieter. Insgesamt zählten die BFD-Träger bisher rund 400.000 Ehrenamtler.

 

Maria Loheide, Vorständin der Diakonie Deutschland, betonte, man müsse die richtigen Anreize und Rahmenbedingungen schaffen, damit eine Entscheidung für ein freiwilliges soziales Jahr möglich werde. Sie lobte, dass durch den BFD die bestehenden Jugendfreiwilligendienste um ein generationenoffenes Angebot ergänzt wurden. Doch der BFD "folgt nach wie vor der verstaubten Verwaltungslogik des ehemaligen Zivildienstes und ist viel zu bürokratisch aufgebaut. Das macht es deutlich schwerer, kurzfristig und flexibel Freiwillige an Einsatzstellen zu vermitteln", betonte Loheide.

Auch die politische Bildung kann nach Ansicht des aej-Generalsekretärs Michael Peters deutlich optimiert werden. Anstelle der Verpflichtung, an fünftägigen bildungspolitischen Seminaren der Bildungszentren des Bundes teilzunehmen, sollten diese Seminare in die Bildungsarbeit der Träger integriert werden. "Der verpflichtende Besuch einer staatlichen Institution für politische Bildung ist nicht mehr zeitgemäß", betonte Loheide. Seminartage sollten in Eigenregie der Träger angeboten werden. Das habe sich beim Freiwilligen Sozialen Jahr und Freiwilligen Ökologischen Jahr seit Jahrzehnten bewährt.

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