Lisa Rienermannn
Mitgefühl
Macht Religion mitfühlend?
Die Empörung war groß, als Elon Musk 2025 sagte: "Die fundamentale Schwäche westlicher Zivilisation ist Empathie." Der reichste Mensch der Welt redete im Podcast von Joe Rogan unter anderem über Migration. In diesem Zusammenhang steht Musks Empathiekritik: Zu viel Empathie führe dazu, dass zu viele Menschen aufgenommen würden. Das wiederum führe zum Auseinanderbrechen der Gesellschaft. Deshalb sei zu viel Empathie "gesellschaftlicher Selbstmord" – wie Musk sagt.
Die These, dass Empathie einer Gesellschaft schade, ist alt. Man findet sie zum Beispiel beim Philosophen Friedrich Nietzsche. Sie wird aber bis heute nicht selten vertreten. Auch Autoren, die sich explizit als christlich verstehen, sehen das so und versteigen sich zur Zuspitzung: Empathie sei eine Sünde. Religion macht also nicht zwangsläufig empathischer, sie kann im Gegenteil auch Empathielosigkeit propagieren.

