Käßmann: Kölner Missbrauchsstreit schadet auch evangelischer Kirche

Margot Käßmann zu Kirchenaustritten

©epd-bild/Meike Boeschemeyer

Der Vertrauensverlust in die katholische Kirche und Kirchenaustritte vieler Gläubiger schaden nach Ansicht der Theologin Margot Käßmann auch der evangelischen Kirche in Deutschland: "Da differenzieren viele nicht mehr." (Archivbild)

Käßmann: Kölner Missbrauchsstreit schadet auch evangelischer Kirche
Die Verzögerungen bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln und das Verhalten des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki schaden nach Ansicht der Theologin Margot Käßmann auch der evangelischen Kirche in Deutschland.

"Leider muss ich sagen, er schadet der Kirche insgesamt", sagte die frühere EKD-Ratsvorsitzende und ehemalige Hannoveraner Landesbischöfin im Podcast "Die Wochentester" von "Kölner Stadt-Anzeiger" und "RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND)" (Freitag). Der Vertrauensverlust treffe auch die evangelische Kirche.

 

"Ich weiß gar nicht, wie dieser Vertrauensverlust wieder gutzumachen ist", sagte Käßmann. "Das wird ungeheuer schwierig sein." Dieser Missbrauchsskandal sei "bitter", nicht nur für die römisch-katholische Kirche und für "viele wackere Katholikinnen und Katholiken, die ich kenne", sondern auch für die Protestanten, erklärte die Theologin. Auch früher seien schon Menschen wegen Äußerungen des Papstes aus der evangelischen Kirche ausgetreten. "Da differenzieren viele nicht mehr."

Die Kirche habe immer ein hohes Vertrauen besessen, wenn ihr Kinder und Jugendliche anvertraut wurden, sagte die 62-jährige Theologin. Deshalb tue es jetzt all denen weh, "die sich seit Jahren abmühen in Kindergottesdiensten und Jugendfreizeiten", wenn sie angesichts der Missbrauchsfälle feststellen müssten: "Dieses Vertrauen wurde furchtbar missbraucht."

Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki steht seit Monaten in der Kritik, weil er ein Gutachten zu Missbrauch durch Kleriker im Erzbistum beharrlich unter Verschluss hält und stattdessen ein neues Gutachten in Auftrag gegeben hat, das am 18. März vorgestellt werden soll. Woelki wurde seither mehrfach öffentlich zum Rücktritt aufgefordert. Zuletzt gestand er Fehler im Umgang mit der Veröffentlichung ein.

 

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