Sinnfluencer Niesner sieht Kirchräume für Unterricht gut geeignet

Jörg Niesner

© Marc Hunold

Der hessische Pfarrers Jörg Niesner ist dafür, in der Corona-Pandemie Kirchenräume für Unterricht oder zum mobilen Arbeiten zu nutzen.

Sinnfluencer Niesner sieht Kirchräume für Unterricht gut geeignet
Kirchenräume könnten nach Ansicht des hessischen Pfarrers Jörg Niesner in der Corona-Pandemie gut für Unterricht oder zum mobilen Arbeiten genutzt werden. Kirchen seien seit Jahrhunderten auch außerschulische Lernorte, sagte Niesner, der auch Mitglied des Sinnfluencer-Netzwerks yeet ist.
12.02.2021
epd
Franziska Hein und evangelisch.de

In Kirchen könnten Schüler:innen etwa im Religions- oder Geschichtsunterricht am historischen Ort lernen. Er wünsche sich da eine grundsätzliche Offenheit von Kirchengemeinden, Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, Vereinen und Schulen einzugehen, sagte Niesner dem epd. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt hatte vorgeschlagen, dass Kirchen, Kinos und Museen große Räume für Schulunterricht zur Verfügung stellen.

Evangelische und katholische Gemeinden könnten ihre Räume auch anderen Religionsgemeinschaften für Gottesdienste zur Verfügung stellen, sagte Niesner. Er denke etwa an freie christliche Gemeinden, deren Gottesdienste oft unter beengten Bedingungen stattfinden müssten, so der evangelische Theologe und yeet-Influencer. "Wir profitieren von der Religionsfreiheit, das gibt uns aber auch die Verantwortung, sichere Möglichkeiten des Gebets nicht nur für uns zu schaffen." Mehrfach ist es in den vergangenen Monaten zu Corona-Ausbrüchen in freikirchlichen Gemeinden gekommen.

Im Winter gebe es allerdings gerade in der Pandemie Probleme mit dem Heizen. Viele Kirchen könnten ihre Heizanlagen derzeit nicht nutzen, wenn Menschen in der Kirche seien, weil diese die Luft umwälzten und daher das Ansteckungsrisiko erhöhten. Zudem verhinderten die festgeschraubten Kirchenbänke oft eine flexiblere Nutzung der Räume.

Auch jenseits von Corona alternative Nutzungen anstreben

Niesner betonte, dass es für die Kirchengemeinden auch unabhängig von der Corona-Krise wichtig sei, über alternative Nutzungen ihrer Räume nachzudenken. "Wir haben sehr viele Gebäude, die es auch in Zukunft zu unterhalten gilt", sagte er und verwies auf eine Prognose Freiburger Finanzwissenschaftler, wonach sich die Zahl der Kirchenmitglieder ebenso wie die finanziellen Ressourcen bis 2060 in etwa halbieren werden. Wenn in einer Kirche nur an jedem zweiten Sonntag ein Gottesdienst stattfinde, könne man in der Zwischenzeit die Räume beleben - zum Arbeiten, Lernen oder für den Seniorennachmittag. "Auf diese Weise verbindet sich das Leben mit dem Glauben", sagte er.

Kirchengemeinden könnten die Corona-Phase für Investitionen und Innovationen nutzen, sagte Niesner, der Pfarrer im mittelhessischen Laubach ist und als Religionslehrer gearbeitet hat. Kirchen könnten mit Internetanschlüssen ausgestattet werden. So könnten vor allem im städtischen Bereich Kirchen auch zu Co-Working-Spaces werden - mit Kaffeebar und der Möglichkeit, zwischendurch einen Moment innezuhalten.

In der evangelischen Kirche hätten die Gemeinden vor Ort das Hausrecht. Daher müssten Verträge mit Kooperationspartnern geschlossen werden, um die Fragen der Haftung und die Beteiligung an den Kosten zu klären.

Das evangelische Netzwerk yeet

yeet ist das evangelische Contentnetzwerk und unterstützt (christliche) Sinnfluencer:innen, die ihren Glauben, in Form von Sinnfragen, Werten und gesellschaftlichen Fragen, über die Sozialen Medien bei einer Zielgruppe von 14 bis 39 Jahren ins Gespräch bringen. yeet soll dazu beitragen, dass die christliche Botschaft in einer passenden Sprache vermittelt wird. 

Hinter yeet steht eine Redaktion im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH (GEP), die Sinnfluencer:innen in den Sozialen Medien nach Bedarf und Möglichkeit unterstützt. Das Netzwerk entspricht einem Beschluss des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und wurde im Februar 2020 gelauncht.

Mehr zu Coronavirus, Religionsunterricht, yeet
Diakoniechef Ulrich Lilie
In der Debatte um verpflichtende Corona-Impfungen fordert die Diakonie nun auch eine Pflicht für die Allgemeinheit. Sie sei zum Schutz der Verletzlichsten "nun der richtige Weg", erklärte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie in Berlin.
Impfdosis wird aufgezogen
Weil sich ein Theologe als Arzt ausgegeben und Hunderte Corona-Schutzimpfungen vorgenommen und angeordnet haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Traunstein gegen den 50-Jährigen nun Anklage erhoben.