Christliche Nationalisten in den USA wollen das Land stärker nach konservativ-christlichen Vorstellungen ausrichten und beten für eine "Nation unter Gott". Die westfälische Präses Ruck-Schröder sieht darin einen Missbrauch des Glaubens. "Ich bin in tiefer Sorge, wie Gebet und Glaube missbraucht werden, um gegen Menschen- und Freiheitsrechte zu agitieren und nationalen Egoismus zu befeuern", erklärt die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld.
Sie verweist auf eine Großveranstaltung der vom Weißen Haus geschaffenen Organisation "Freedom 250" im Mai mit konservativen Politikern und evangelikalen Predigern, bei der ein "nationaler Gebetstag" ausgerufen wurde, damit die USA wieder eine christliche "Nation unter Gott" werden.
Es sei eine "Verirrung, 'christliche Werte' und 'die Verteidigung christlicher Kultur' zu benutzen, um Mitmenschen auszugrenzen". Solche Tendenzen keimten auch in Deutschland und seinen Nachbarländern auf, warnte die 60-jährige Protestantin. "Dem widersprechen wir!"
Gründungsväter tief im Christentum verankert
Ruck-Schröder würdigt zugleich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776. Erstmals sei in einem staatlichen Gründungsdokument der "großartige Gedanke" formuliert worden, "dass der Mensch als Mensch unveräußerliche Rechte besitzt".
Kerngedanke der Erklärung sei, "dass alle Menschen von ihrem Schöpfer gleich erschaffen und mit unveräußerlichen Rechten begabt worden sind, wozu vor allem Leben, Freiheit und das Streben nach Glück zählen". Die Gründungsväter der USA seien tief im Christentum verankert gewesen.
Beeindruckt zeigt sich die westfälische Präses vom Engagement der US-Partnerkirche United Church of Christ (UCC), die mit ihrem Einsatz für Gerechtigkeit und den Schutz von Minderheiten zu einem Hoffnungsort der US-Gesellschaft werde.
Als Beispiel nennt sie den Einsatz von UCC-Gemeinden gegen unmenschliche Praktiken der US-Einwanderungsbehörde ICE: "Durch ihren juristischen und seelsorglichen Widerstand gegen ICE-Deportationen verteidigen sie die Gottebenbildlichkeit von Migranten und Migrantinnen."




