Handyverbot an Schulen: jetzt auch in Rheinland-Pfalz

Hände greifen zu Smartphons
epd-bild/Heike Lyding
In der Pause ist das Smartphone checken eine beliebte Beschäftigung bei Schülern und Schülerinnen.
Reden statt Swipen
Handyverbot an Schulen: jetzt auch in Rheinland-Pfalz
In Hessen besteht es bereits seit einem Schuljahr, in Rheinland-Pfalz soll es zum zweiten Halbjahr des neuen Schuljahrs kommen: Ein Handyverbot an Schulen. Die persönliche Unterhaltung forme soziale Kompetenz, sagt die Bildungsministerin.

Im kommenden Schuljahr wird es an Schulen in Rheinland-Pfalz ein Verbot privater Handys bis zur 10. Klassenstufe geben. Die Umsetzung werde zum 1. Februar 2027 angestrebt, sagte Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) am Donnerstag in Mainz. Zuvor müsse es noch Abstimmungen in der Regierungskoalition und organisatorische Anpassungen geben. Schülerinnen und Schüler dürften dann digitale Endgeräte auch in den Pausen oder am Nachmittag nicht nutzen. Ausnahmen werde es für medizinische Erfordernisse geben.

Selbst ein ausgeschaltetes Handy in der Tasche verringere die Aufmerksamkeit im Unterricht, sagte die Ministerin. "Wir entheben die Schülerinnen und Schüler des Drucks, immer online und erreichbar zu sein." Eiling-Hütig hob hervor: "Soziale Teilhabe habe ich, wenn ich mich mit anderen Schülern unterhalte. Das formt soziale Kompetenz. Das kann kein Algorithmus ersetzen."

Die Abschaffung unangekündigter Tests an Schulen durch Eiling-Hütigs Amtsvorgänger Sven Teuber (SPD) vor einem Jahr bleibt vorerst bestehen. "Wir werden zunächst nichts daran ändern, sondern die Prüfungskultur insgesamt zügig überarbeiten", sagte Eiling-Hütig. Es gehe darum zu prüfen, welche Instrumente Lehrkräfte zur Leistungsprüfung brauchen. Die Lehrkräfte sollten entscheiden können, welches Prüfungsformat für welchen Schüler geeignet ist: Das könne die Erstellung eines Podcasts sein, eines Referats oder ein Test. "Manche Schüler können besser reden, andere besser schreiben. Sie sollen weniger Angst haben und kontinuierlich lernen."

Mit dem neuen Schuljahr trete der Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung in Kraft, der auf Freiwilligkeit beruhe, sagte die Ministerin. "Es gibt keine Verpflichtung zum Ganztagsunterricht." Auch das Ganztagsangebot werde von ausgebildeten Lehrkräften gestellt. 13 weitere Schulen vergrößerten im kommenden Schuljahr die Zahl der Ganztagsschulen. Damit machten 86 Prozent der allgemeinbildenden Schulen und mehr als 90 Prozent der Grundschulen im Land im neuen Schuljahr Ganztagsangebote.

Die im Sommer von der neuen CDU/SPD-Koalition angekündigte Einrichtung von Sonderklassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse, sogenannte "Kompassklassen", geschieht nicht auf die Schnelle. Die Einführung müsse gut vorbereitet sein, sagte Eiling-Hütig. Zu Schuljahresbeginn könne noch kein landesweiter Zeitpunkt genannt werden. Ende Juli war die Einrichtung einer einzelnen Kompassklasse mit maximal 20 Schülerinnen und Schülern in Ludwigshafen angekündigt worden. Auch die von der Koalition angekündigte Sprachstandserhebung eineinhalb Jahre vor Schuleintritt werde erst für ein Schulgesetz vorbereitet. Der Umgang mit den Konsequenzen werde noch diskutiert, sagte Eiling-Hütig.

Zum neuen Schuljahr steigt nach Angaben der Ministerin die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz um 2.900 auf 552.400. Besetzt worden seien 225 zusätzliche Lehrerstellen, so dass jetzt 45.500 Lehrkräfte im Dienst seien. 191 Lehrerstellen seien noch nicht besetzt, wobei 90 Stellen für Berufsanfänger im zweiten Schulhalbjahr offengehalten würden. "Besonders in den MINT-Fächern (Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik) brauchen wir immer Lehrkräfte", sagte Eiling-Hütig.