Das Weihnachtswunder auf Glas gemalt

© epd-Nord/Rainer Cordes

Das Weihnachtsfenster im Schweriner Dom strahlt eine besinnliche Ruhe aus. Mit einer Prise Erstaunen.

Das Weihnachtswunder auf Glas gemalt
Das große Weihnachtsfenster des Schweriner Doms besticht durch die Art der Malerei, die Bildkomposition und den Kontrast von hell und schummerig. 1848 führte Ernst Gillmeister das Fenster nach einem Entwurf von Hofmaler Gaston Lenthe aus.

Das Weihnachtsfenster des Schweriner Doms strahlt Ruhe und Andacht aus, aber auch ein wenig Erstaunen: Ein Neugeborenes liegt nackt auf einem weißen Tuch, das über das Stroh in der Futterkrippe im Stall gelegt wurde. Drei Männer sitzen rechts und links daneben, zwei haben andächtig die Hände gefaltet. Einer scheint die Augen aufzureißen, als könne er nicht begreifen, was er sieht. Es wirkt so, als würden die Gesichter der Männer von dem Licht, das von dem Baby ausgeht, erleuchtet. Licht geht auch von der Mutter des Kindes aus und vom Engel, der über der Szenerie schwebt.

Das gotisierende Buntglasfenster in der südlichen Turmseitenhalle stellt die biblische Geschichte von der Geburt Jesu Christi dar, die jedes Jahr zu Weihnachten im Mittelpunkt der christlichen Verkündigung steht. In mehrfacher Hinsicht ist dieses Schweriner Domfenster jedoch etwas Besonderes: "In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur neun Kirchenfenster, auf denen die Weihnachtsgeschichte dargestellt wird", sagt der emeritierte Pastor und Restaurierungsberater für Kirchenfenster Reinhard Kuhl aus Weitenhagen (bei Greifswald).

Zwei Meter breit, neuneinhalb Meter hoch

Durch die ungewöhnliche Bildkomposition würden zwei Ereignisse zu einem gleichzeitigen Geschehen verschmelzen: Die Anbetung des Christuskindes im Stall und die Verkündigung des Engels an die Hirten, sagt Kuhl. Und: Das Dom-Weihnachtsfenster ist ziemlich groß - zwei Meter breit und 9,50 Meter hoch, schätzt er. Ursprünglich war es allerdings kleiner, nur 4,50 bis fünf Meter hoch, erklärt der evangelische Theologe. Und es befand sich seit 1848 zunächst an einer anderen Stelle im Dom - über dem westlichen Turmportal.

Um der Feier des 600. Jubiläums der Weihe des (romanischen) Doms im Juni 1848 besonderen Glanz zu verleihen, sei in der bis dahin zur Lagerung von Baumaterialien genutzten Turmkapelle eine Taufkapelle eingerichtet worden, berichtet der Leiter des Schweriner Stadtarchivs, Bernd Kasten. Hierfür sei ein neues Fenster angefertigt worden, das dem Zweck der Kapelle entsprechend die Geburt Christi und die Anbetung durch die Hirten zeigt. Das Geld für das Fenster wurde laut Kasten durch Spenden der Schweriner Einwohner, der großherzoglichen Familie und einen Zuschuss der Dombaukasse aufgebracht.

Vergrößerung hat Licht verändert

Der Entwurf für das Weihnachtsfenster stammt vom Schweriner Hofmaler Gaston Lenthe (1805-1860), das Fenster selbst vom Glasmaler Ernst Gillmeister (1817-1887). Wegen des 1888 begonnenen Neubaus des Domturms musste es von seinem Platz über dem Turmportal entfernt werden. "Es wurde vergrößert, oben und unten mit Ornamentik und Architekturwerk ergänzt und 1893 in der Westwand der südlichen Turmnebenhalle eingebaut, wo es bis heute seinen Platz hat", so Bernd Kasten.

Durch die Umsetzung und die Erweiterung sei das Fenster nachträglich in einen neuen Sinnzusammenhang gestellt worden, sagt Reinhard Kuhl. "Das Fenster wurde zum Erinnerungszeichen für den Turmneubau, gestiftet durch den Grafen Bernstorff." Durch die Vergrößerung habe sich die Lichtsituation um das Fenster herum verändert. Der besondere Charme, die geheimnisvolle Anmutung des einst sehr viel kleineren Fensters sei dadurch weitgehend verloren gegangen.

"Bild lebt von mystischem Kontrast"

Dennoch scheint das Weihnachtsfenster immer noch seine Liebhaber zu finden. "Ich gucke mir das gern an", sagt Glasermeisterin Luise Brügemann aus Schönfeld Mühle (bei Gadebusch). Die Schmelzfarbenmalerei sei technisch sehr schön. Die Farben leuchteten sehr, wenn die Sonne drauf scheint.

Und die Kunsthistorikerin Ingrid Möller "fand es ein sehr gelungenes Bild", berichtet Bernd Kasten. 1998 habe sie im "Mecklenburg-Magazin" geschrieben: "Überhaupt lebt das Bild vom mystischen Kontrast des Hellen inmitten nächtlicher Schummerigkeit."

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