Fundraising: Trotz Corona-Krise zum neuen Kirchendach

Schwarze Dachziegel

© Dynamoland/iStockphoto/Getty Images

Durch die Spenden-Kampagne "Gemeinsam zum Dach" schaffte es die Gemeinde nahe Mainz trotz der Corona-Krise zum neuen Kirchendach.

Fundraising: Trotz Corona-Krise zum neuen Kirchendach
Viele Vereine und Organisationen zögern in der Coronavirus-Krise, größere Projekte anzustoßen und dafür Spenden zu sammeln. Eine Kirchengemeinde aus Rheinland-Pfalz hat es trotz Pandemie gewagt - mit erstaunlichen Ergebnissen.
28.12.2020
Karsten Packeiser
epd

Das Verdikt der Gutachter fiel so eindeutig wie niederschmetternd aus: Die Schäden im maroden Dach der evangelischen Dorfkirche von Dexheim waren so gravierenden, dass es komplett erneuert werden musste. Kosten von rund einer halben Million Euro wurden für die erforderliche Sanierung veranschlagt, einen Eigenanteil von 100.000 Euro sollte die Kirchengemeinde selbst aufbringen. Schnell hatte sich in dem kleinen Winzerort südlich von Mainz ein Fundraising-Team gebildet, das eine große Spenden-Kampagne "Gemeinsam zum Dach" starten wollte. Stattdessen begann die Pandemie, und alle Ideen schienen hinfällig.

Bereits das große Frühlingsfest zum Auftakt der Aktion habe abgesagt werden müssen, erzählt Pfarrer Gerhard Fitting. "Wir standen eigentlich vor dem Aus." Doch schnell fassten die Verantwortlichen wieder Mut. Mit Weinbergsanhängern fuhren die Helfer durch das Dorf und verkauften Kirchenwein. Später, als die Corona-Maßnahmen im Frühjahr gelockert wurden, stellten die Dorfbewohner sich zu den Lieferterminen Tische und Stühle vor die Haustüren und konnten zumindest auf Distanz ihren Nachbarn zuprosten.

Stabile Spendenbereitschaft trotz Pandemie

Die Einschränkungen der Corona-Krise stellen für viele ehrenamtliche Initiativen eine riesige Herausforderung dar. Denn viele Aktionen mit oft jahrzehntelanger Tradition waren im besonderen Jahr 2020 nicht mehr möglich. Dies betraf beispielsweise auch so große Kampagnen wie die "Aktion Tagwerk", bei der in den vergangenen Jahren Schüler aus der gesamten Bundesrepublik einen Tag lang zugunsten von Gleichaltrigen in Afrika jobbten. In der Pandemie gab es kaum Arbeitsgelegenheiten und nur wenige Schulen, die bereit waren, sich zu beteiligen. Andererseits gab es aber keinen Abbruch bei der Spendenbereitschaft der Deutschen.

Eine stabile Spendenbereitschaft für bereits begonnene Projekte verzeichnet auch die hessen-nassauische Landeskirche. Zwar rechnen die Verantwortlichen bei noch nicht beschlossenen größeren Projekten wie Orgel-Neubauten durchaus mit zeitlichen Verzögerungen aufgrund der Krise. Fundraising-Referentin Katrin Lindow-Schröder empfiehlt aber, bereits angeschobene Kampagnen in der Pandemie keineswegs zu stoppen. "Diese Vorhaben jetzt nicht mehr voranzutreiben, wäre auch irritierend für alle, die schon vor der Pandemie dafür gespendet haben", rät sie. "Hinzu kommt, dass die allermeisten Spenden von Menschen kommen, die sich bereits im Rentenalter befinden und somit durch Corona keine wirtschaftlichen Einbußen haben."

Herzensangelegenheit des gesamten Ortes

In der 1.500-Seelen-Ortschaft Dexheim hatte sich die Kirchengemeinde vom Vorstand des örtlichen Sportvereins inspirieren lassen, der wenige Jahre zuvor innerhalb kurzer Zeit eine sechsstellige Summe für einen Kunstrasen-Sportplatz sammeln konnte. Bis Anfang November war das Helferteam der "Gemeinsam zum Dach"-Kampagne unermüdlich im Einsatz: Es organisierte eine Orchideenmesse, Secco-Lounges in den Weinbergen, ein Outdoor-Kino, eine Lesung mit der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann und noch viele weitere Aktionen - alles jeweils mit aufwendigen Hygienekonzepten und in Abstimmung mit dem Ordnungsamt.

Die Bilanz - gut 110.000 Euro für das Kirchendach - kann sich sehen lassen. Aber Pfarrer Fitting freut sich noch über etwas anderes: "Die Kirche hat einen völlig neuen Zugang zum Dorf gefunden." Das Dach sei durch die vielen Aktionen mitten in der Pandemie von einem Anliegen der kleinen Kirchengemeinde zur Herzensangelegenheit des gesamten Ortes geworden. Und neu zugezogene Familien aus einem Neubaugebiet seien ganz überwältigt von der Dorfgemeinschaft: "Jetzt fragen die Leute schon, ob wir das nächstes Jahr wieder machen."