Nordkirche auf steinigem Weg in die Zukunft

Nordkirche auf steinigem Weg in die Zukunft
Landessynode rechnet mit erheblich weniger Kirchensteuereinnahmen
Die Synode der evangelischen Nordkirche hat sich zum Abschluss ihrer dreitägigen Tagung in Lübeck-Travemünde mit Fragen der Digitalisierung beschäftigt.

Es werde nach Lösungen gesucht, um Synodentagungen künftig auch digital veranstalten zu können, sagte Synoden-Präses Ulrike Hillmann am Sonnabend. Diese Form könne jedoch nur eine Ergänzung zu den regulären Zusammenkünften der 156 Kirchenparlamentarier sein, betonte sie. Vorstellbar sei, eine der drei jährlichen Tagungen in digitaler Form abzuhalten.

Bereits am Freitag hatte sich die Synode mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Höhe der Kirchensteuern beschäftigt. So werden nach Angaben des Nordkirchen-Finanzexperten Malte Schlünz für den laufenden Haushalt 2020 66 Millionen weniger Kirchensteuern erwartet, als im Haushaltsplan vorgesehen sind. Das seien 12,3 Prozent weniger. Insgesamt würden Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 470 Millionen Euro erwartet. Nötige Prozesse zur Umstrukturierung in der Nordkirche müssten jetzt eingeleitet werden, so Schlünz. "Der weitere Weg wird steinig, uneben und mit mächtiger Steigung verlaufen." 

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt hatte in ihrem Bericht gesagt, die zunehmenden Kirchenaustritte machten sie "traurig". 33.336 Menschen traten 2019 aus der Nordkirche aus, 2018 waren es 27.834. Im Jahr 2019 hatte die Nordkirche 1.939.750 Mitglieder und damit 49.580 weniger als im Jahr zuvor. Ein Grund für die Austritte könnte laut Kühnbaum-Schmidt das derzeitige Kirchensteuermodell sein.

"100 Jahre nach Einführung des Modells sollten wir es vielleicht ändern, wenn es eher Probleme hervorruft als löst", sagte sie und schlug eine repräsentative Umfrage unter Kirchenmitgliedern und Ausgetretenen zu Alternativen vor. Beispielsweise könnte sich die Landesbischöfin ein Kultursteuermodell nach italienischem Vorbild vorstellen.

Kühnbaum-Schmidt verteidigte den Beschluss der Nordkirche, die Archiv-Außenstelle der Nordkirche in Greifswald nicht wie geplant ins künftige Pommersche Archivzentrum in Greifswald einzugliedern. Diese Entscheidung habe zu innerkirchlichen wie öffentlichen Diskussionen und zu Kritik im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, ebenso im Pommerschen Kirchenkreis und zu offenen Briefen an die Kirchenleitung geführt.

Deshalb habe sie zu eine größere Gesprächsrunde mit allen Beteiligten eingeladen, so die Landesbischöfin, "auch wenn ein grundlegender Beschluss erfolgt ist". Doch ein Beschluss sei "eben nicht nur ein Schluss, sondern immer auch ein Anfang für das, was dem Beschluss an konkreter Umsetzung folgt."

Weiteres Schwerpunktthema ihres Berichts war die Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt in der Kirche. Kühnbaum-Schmidt berichtete außerdem, dass das Amt für Öffentlichkeitsdienst (AfÖ) der Nordkirche mit Sitz in Hamburg und die Nordkirchen-Stabsstelle Presse und Kommunikation in einem unselbstständigen Werk zusammengefasst werden sollen.

Für die Gottesdienste zu Weihnachten prognostizierte die Landesbischöfin trotz aller Einschränkungen durch Corona viele kreative Angebote, an denen bereits viele Haupt- und Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden arbeiteten. In erster Linie werden die Gottesdienste draußen auf öffentlichen Plätzen stattfinden, vielleicht auf dem Marktplatz in Stralsund oder auf dem Kiez von St. Pauli. "Lasst euch überraschen und seid gespannt auf Neues", forderte sie auf.

Die nächste Tagung der Nordkirchen-Synode soll vom 19. bis 21. November 2020 stattfinden.

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