Kirche wird zum Kino

Kino in Kirche

© epd-bild/Christian Schaefer

Die Kirchengemeinde der evangelischen Kirche im nordhessischen Witzenhausen-Hundelshausen und das örtliche Capitol-Kino haben den Kirchenraum für ein Jahr in ein Kino umfunktioniert.

Kirche wird zum Kino
Eine vorübergehend ausgeräumte Kirche muss nicht leerstehen: Sie ist gerade in Corona-Zeiten ein perfekter Kinosaal. In Nordhessen hat die Idee gezündet und einen ganzen Ort aktiviert.
30.07.2020
Jens Bayer-Gimm
epd

Was macht man aus einer leergeräumten Kirche? Die Evangelische Kirchengemeinde Hundelshausen im nordhessischen Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) hat beschlossen: ein Kino. Aus der neugotischen Kirche mit 250 bis 300 Plätzen sind wegen einer Sanierung alle Bänke entfernt worden. Das leere Kirchenschiff soll nun mindestens bis Mai 2021 für Filmvorführungen genutzt werden, wie Pfarrer Christian Schäfer sagt. Etliche Vereinsmitglieder im Ort haben als Freiwillige den Umbau gestemmt. Am 28. August soll die Kinokirche öffnen.

Die Idee sei im Gespräch mit dem Geschäftsführer des örtlichen preisgekrönten Programmkinos Capitol, Wolfgang Würker, entstanden, berichtet Schäfer. Seit Ostern gebe es wegen Corona einen Baustopp bis nächstes Jahr, dann stehe die Sanierung des Innenraums an. Dass es in der Zwischenzeit eine neue Nutzung der Kirche gibt, sei das Verdienst vieler Helfer: Ein ehemaliges Kino in Marburg habe 120 Kinosessel geschenkt, das örtliche Umzugsunternehmen habe sie unentgeltlich abgeholt. Ein Dutzend Freiwillige habe in drei Tagen die Kirche geputzt.

Der örtliche Palettenhändler hat den Unterbau für die Sessel gespendet und die Volksbank noch Geld. Pappe zum Verdunkeln der Kirchenfenster werde ebenfalls eine örtliche Firma spenden, sagt Schäfer. Die Leinwand und der Projektor kommen vom Capitol-Kino. Auch eine Theke werde es im Eingangsbereich geben. "Die Freiwilligen haben Unmengen von Stunden gerackert", lobt der Pfarrer. Die Kinokirche sei ein Projekt für ganz viele im Ort geworden. "Es verbindet, und es tut gut, in der Corona-Zeit etwas Gutes zu tun."

Bildergalerie

Wo leere Gotteshäuser neu zum Leben erwachen

Alte Kapelle wird zum modernen Apartment

Foto: Cornbread Works

Alte Kapelle wird zum modernen Apartment

Foto: Cornbread Works

Das niederländische Architekturbüro "Zecc Architecten" verwandelte in Utrecht eine alte katholische Kapelle in ein modernes Apartment. Dabei blieb der bauliche Charakter der kleinen Kirche erhalten. Zusätzliche Dachfenster machen den Raum heller und die Glasmalerei wirkt stimmungsvoll. Hinter dem ursprünglichen Altar wurde ein mondrianähnliches Fenster eingebaut. Der Balkon, auf dem die Orgel stand, wurde erweitert. Ehemalige Kirchenbänke stehen nun im Essbereich. Aus einzelnen Bänken wurde auch der Tisch gezimmert. Das Schlafzimmer des Apartments ist bewusst dunkler gehalten. Weitere Informationen unter <a href="http://www.zecc.nl/nl/Projecten/project/1/Woonkapel-Utrecht">www.zecc.nl</a>

Brauerei

Foto: Rene Mattes/hemis.fr/laif

Haarlem war einst eine der wichtigsten Brauereistädte der Niederlande. Heute sind in der ehemaligen Jacobskirche im Raaks-Quartier in Haarlem eine Brauerei, ein Grand Café und ein Restaurant untergebracht. Eine Bierprobe ist möglich. Mehr Informationen unter <a href="http://www.jopenkerk.nl/haarlem/de/">www.jopenkerk.nl</a>

Hotel

Foto: Etienne van Sloun

Die ehemalige Kreuzherrenkirche in Maastricht ist nun ein Hotel mit Rezeption und Glasaufzug. Die Zimmer sind im angrenzenden Kloster untergebracht und die Ausstattung harmoniert mit der gotischen Architektur des Spätmittelalters. Wo einst der Altarraum war, befindet sich die Hotelbar. Mehr Informationen unter <a href="http://www.oostwegelcollection.nl/de/hotels/kruisheren-hotel">www.oostwegelcollection.nl</a>

Schlafzimmer

Foto: Etienne van Sloun

Wo einst gebetet wurde, werden heute in der ehemaligen Kreuzherrenkirche in Maastricht Hotelgäste weicher gebettet als Mönche jemals schliefen.

Skatehalle

Foto: Collin Versteegh

Wo früher Gläubige auf Kirchenbänken saßen und beteten, skaten nun Jugendliche über Rampen und Halfpipes. Das ehemalige Gotteshaus im niederländischen Arnhem wurde kurzerhand zur Skatehalle umgebaut.
Mehr Informationen unter <a href="http://www.skatehalarnhem.nl/">www.skatehalarnhem.nl</a>

Wohnhaus

Foto: Frans Hanswijk

In der katholischen Sankt Jakobuskirche im niederländischen Utrecht gibt es bereits seit 1991 keine Gottesdienste mehr. Bis 2007 wurde die Kirche als Ausstellungsraum für antike Möbel genutzt. Heute bietet die ehemalige Kirche, die vom niederländischen Architekturbüro "Zecc Architecten" umgebaut wurde, viel Raum für ein Wohnloft. Mehr Informationen unter <a href="http://www.zecc.nl/nl/Projecten/project/23/Woonkerk-XL-Utrecht">www.zecc.nl</a>

Martin's Patershof

Foto: PR

Aus der ehemaligen Franziskanerkirche im belgischen Mechelen wurde das schicke Hotel Martin's Patershof. Gespeist wird im sakral wirkenden Ambiente. Mehr Informationen unter <a href="http://www.martinshotels.com/en/hotel/martins-patershof">www.martinshotels.com</a>

Schlafen unterm Kuppeldach

Foto: PR

Heute lässt es sich im Martin's Patershof himmlisch schlafen.

Unter Beachtung der Hygienevorschriften können 60 bis 80 Filmfreunde eine Vorstellung besuchen. Das Programm soll verschiedene Altersgruppen und Milieus ansprechen. So könnten etwa eine Julia-Roberts-Reihe laufen, Bud-Spencer-Filme oder "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", sagt Schäfer. Mit internationalen Studierenden aus Witzenhausen zusammen könne etwa "Madame Mallory und der Duft von Curry" gezeigt werden. Die Filme werden von der Kirchengemeinde und dem Capitol-Kino gemeinsam ausgewählt. Auch Vorführungen zu Familienfesten seien denkbar und Gespräche mit Filmemachern.

"Wir können so Menschen erreichen, die die kirchlichen Angebote gar nicht mehr wahrnehmen, weil sie denken, sie wissen schon, was dort passiert", sagt der Pfarrer. Die Kirche müsse die verschiedenen Milieus ernst nehmen, und sie sollten sich in der Kirche zu Hause fühlen. "In der Kirche und im Kino kann man zusammen lachen und weinen." Alle Reaktionen aus der Kirchengemeinde seien positiv, berichtet Schäfer. Die Kartenpreise gehen an das Capitol-Kino, die Kirche stellt eine Spendenbüchse für die Sanierung auf. Gottesdienste gibt es weiterhin, so den Schulanfangsgottesdienst Mitte August. Auf Kinosesseln natürlich.

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