Wenn Lena Odenthal irgendwann in Rente geht, wird Ulrike Folkerts, Jahrgang 1989, ihr gesamtes bisheriges Berufsleben eine "Tatort"-Kommissarin gespielt haben.
Als die Krimis aus Ludwigshafen im Herbst 1989 starteten, stand die Mauer noch. Die demnächst pensionierten Kollegen aus München (seit 1991) sind beinahe ebenso lang dabei, die Herren aus Köln (seit 1997) nähern sich gleichfalls der Pensionsgrenze. Derartige Laufbahnen wird es in Zukunft nicht mehr geben, die Fluktuation beim Sonntagskrimi ist schon seit geraumer Zeit enorm: Mittlerweile nutzen viele den "Tatort" als Karrieresprungbrett.
Für Corinna Harfouch gilt das selbstverständlich nicht; die gebürtige Thüringerin ist zum Teil mehrfach mit sämtlichen wichtigen deutschen Film- und Fernsehpreisen ausgezeichnet worden. Dass sie den Berliner "Tatort" nach gerade mal drei Jahren und fünf Filmen (einer davon ein Zweiteiler) bereits wieder verlässt, hat in erster Linie Altersgründe: Harfouch ist Jahrgang 1954.
Zum Abschied hat ihr der RBB ein Präsent bereitet, das einer echten Herausforderung gleichkommt: für die Hauptdarstellerin, weil die Dreharbeiten vermutlich ziemlich strapaziös waren, und fürs Publikum, weil sich der Film dahinschleppt, als wäre er selbst reif für die Rente. Dabei beginnt die Geschichte durchaus interessant, zumal der Schauplatz, das Gelände rund um den Teufelsberg, ohnehin faszinierend ist.
Dort hat sich ein Obdachloser eine provisorische Behausung gebaut. Schutz bot sie ihm allerdings nicht, zumindest nicht gegen natürliche Bedrohungen: Allem Anschein nach ist der Mann das Opfer eines Wolfsangriffs geworden. Tatsächlich hat eine Frau beim Spaziergang mit ihren Hunden schon eine Woche zuvor eine Wölfin gesichtet. Das Tier stammt aus einem nahen Naturschutzgebiet und ist offenbar auf der Suche nach einem neuen Revier. Die Gegend wird umgehend zum titelgebenden Gefahrengebiet erklärt.
Nach Krimi klingt das erst mal nicht, aber die eigentliche Geschichte beginnt auch erst, als Susanne Bonard, die sowieso schon die ganze Zeit ungewohnt gereizt ist, Robert Karow (Mark Waschke) mit einer spontanen Entscheidung verblüfft: Sie hat überhaupt keine Lust auf Abschiedsstimmung im Büro, drückt dem entrüsteten Kollegen Ausweis und Dienstmarke in die Hand und schließt sich einer Frau an, die gerade mit einem Kunden eine Trekking-Tour durch die Gegend macht.
Nun ändert der Film komplett sein Vorzeichen, denn zumindest der Handlungsstrang mit Harfouch wandelt sich zum Selbstfindungs-Trip. Die Survival-Spezialistin, von Anne Ratte-Polle wie eine indigene Figur verkörpert, hat zunächst überhaupt keine Lust, die Polizistin mitzunehmen, zumal sie nicht genug Proviant für eine zweite Person dabei hat.
Nach und nach verschafft sich die ehemalige Akademiedozentin aber doch einen gewissen Respekt. Zum Krimi wird diese Ebene erst wieder, als Bonard am Tomahawk der Aussteigerin Blutspuren entdeckt. Derweil hat sich bei der Obduktion des Waldbewohners rausgestellt, dass ihm die Bisswunden posthum zugefügt wurden; Todesursache war ein Schlag auf den Hinterkopf.
Während die Kollegin im Grunewald vom erfolgreichen Fischfang mit einem selbstgebastelten Speer bis hin zum Bad im spätherbstlich kalten Waldsee immerhin ein paar kleine Aufregungen erlebt, die von Mira Thiel (Buch und Regie) jedoch äußerst entspannt inszeniert worden sind, stürzt sich Karow in ein sexuelles Abenteuer, das angesichts der vergleichsweise expliziten Darstellung zumindest den konservativen Teil des Publikums befremden dürfte.
Sonderlich professionell ist das Verhalten des Kommissars ohnehin nicht, schließlich hat sich das Objekt seiner Begierde in unmittelbarer Tatortnähe aufgehalten. Die vorübergehende Amour fou wirkt zudem wie ein Vorwand: Noah (Nils Kahnwald) ist ein sogenannter Prepper.
Der Mann lebt in einem unterirdischen Bunker und hat genug Vorräte gehortet, um ein Jahr lang ohne jeden Kontakt zur Außenwelt existieren zu können. Mit dem Bau solcher Refugien verdient er seinen Lebensunterhalt. Außerdem hat er für Seinesgleichen eine Stiftung gegründet, die sinnigerweise den Namen "Arche" trägt.
Thiels letzte Regiearbeit war ebenfalls ein "Tatort" aus Berlin. "Am Tag der wandernden Seelen" (2024), der zweite Fall für das Duo Karow/Bonard, erzählte eine grausige Geschichte und war um Längen besser als "Gefahrengebiet".
Die Bildgestaltung (hier wie dort: Moritz Anton) ist allerdings erneut beeindruckend. Die Nebelbilder vom Teufelsberg betonen die mystische Atmosphäre des Waldgebiets; ansonsten passt der alles andere als farbenfrohe Look des Films perfekt zur tristen Geschichte.



