Ist der Frühling nicht mehr weit?

Der Murmeltierbetreuer A.J. Dereume hält Punxsutawney Phil, das wettervorhersagende Murmeltier, in die Höhe.
Barry Reeger/FR171704 AP/AP/dpa
Der Murmeltierbetreuer A.J. Dereume hält Punxsutawney Phil, das wettervorhersagende Murmeltier, während der 139. Feier des Murmeltiertags in Gobbler's Knob in Punxsutawney, Pennsylvania.
Murmeltiertag und Maria Lichtmess
Ist der Frühling nicht mehr weit?
Ein Meinungsbeitrag
Am 2. Februar sagt in den USA ein Murmeltier den Frühling voraus. Ein Brauch aus "Maria Lichtmess". Pfarrer i. R. Jeffrey Myers fragt sich an diesem Tag, wann auch politisch wieder Frühling wird. Wenn Frieden wächst, Respekt zurückkehrt und Hoffnung neu zu blühen beginnt.

Der Frühling lässt sich auf verschiedene Arten bestimmen: astronomisch, meteorologisch oder phänologisch. Doch jedes Jahr am 2. Februar entscheidet, zumindest der Legende nach, ein Murmeltier, wann mit dem Frühling zu rechnen ist. In den USA ist es "Punxsutawney Phil" aus Pennsylvania, der an diesem Tag aus seinem Bau steigt und mit seinem Verhalten angeblich das Wetter der nächsten Wochen vorhersagt.

Aber der ersehnte Frühlingsbeginn hat mehr Dimensionen als Bauernregeln oder Kalenderdaten. Der wahre Frühling, nach dem ich mich sehne, zeigt sich nicht allein im Blühen der Schneeglöckchen oder im Gesang der Vögel am frühen Morgen. Er wird sich erst dann ankündigen, wenn das Morden auf den Straßen von Minneapolis endet und Protestierende in Teheran nicht mehr gewaltsam niedergeschlagen werden. Wenn die Waffen im Krieg Russlands gegen die Ukraine schweigen und die politische Kultur in den USA wieder von Anstand und Respekt geprägt ist. Wenn Jüdinnen und Juden ohne Angst auf die Straße gehen können und Kinder in Gaza einer helleren Zukunft entgegenblicken.

Frühling wird sein, wenn unsere Gesellschaft nicht länger in Habende und Nicht-Habende gespalten bleibt – und jede und jeder im Gesicht der anderen einen Bruder, eine Freundin erkennt. Erst dann wird es wirklich Frühling.

Murmeltiertag und Maria Lichtmess

Der 2. Februar ist ein besonderer Tag, an dem sich religiöse und volkstümliche Traditionen begegnen. In der christlichen Überlieferung markiert "Maria Lichtmess", vierzig Tage nach Weihnachten, den Abschluss der weihnachtlichen Feste. Der volkstümliche Name verweist auf den früheren Brauch, an diesem Tag die Kerzen für das kommende Jahr segnen zu lassen. Sie sollten in dunklen Zeiten Licht spenden oder als "Wetterkerzen" Schutz vor Unwettern bringen. Das Licht steht dabei symbolisch für Jesus Christus, das Licht der Welt.

Pfarrer Jeffrey Myers vor dem Kirchenfenster in der evangelischen Alten Nikolaikirche in Frankfurt am Main.

Der Frühling steht vor der Tür!

Nach altem Volksglauben gilt der 2. Februar zudem als "Lostag", an dem sich das Wetter der kommenden Wochen ablesen lässt. Entsprechend lauten einige Bauernregeln: "Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit." Oder: "Ist’s zu Lichtmess mild und rein, wird’s ein langer Winter sein."

Die Tradition mit dem Murmeltier brachten deutsche Einwanderer nach Amerika, wo sich aus ihr der "Groundhog Day", der Murmeltiertag, entwickelte. Weil es dort keine Dachse gab, die ursprünglich in Deutschland als Wetterpropheten galten, übertrug man die Rolle dem Waldmurmeltier. Nach der Legende verlässt das Tier am 2. Februar seinen Bau. Sieht es seinen Schatten, erschrickt es und zieht sich für weitere sechs Wochen zurück, der Winter dauert also an. Bleibt der Schatten aus, wagt es sich hinaus, und der Frühling steht kurz bevor. "Schlechtes Wetter" am Murmeltiertag bedeutet also gutes Wetter in Aussicht.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt übrigens für Frankfurt am Main am Montag (2. Februar) starke Bewölkung und Niederschlag voraus. Und wenn man entsprechend der Murmeltier-Tradition Glauben schenkt, bedeutet dies: Der Frühling steht vor der Tür!

So treffen sich an diesem Datum heidnische, volkstümliche und christliche Vorstellungen. Vielleicht liegt gerade darin eine gewisse Weisheit: Der Wunsch nach Licht, Wärme und Erneuerung ist universal und nicht auf Jahreszeiten beschränkt.

"Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist vorbei und dahin. Die Blumen sind hervorgekommen im Lande, der Lenz ist herbeigekommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserm Lande."
(Hoheslied 2,11–12)