Umfrage: Jeder dritte Urlauber sucht kirchliche Angebote

 Krchliche Veranstaltungen wie Andachten sind im Urlaub sehr gefragt.

© epd-bild/Friedrich Stark

Der ökumenische Kirchen-Strandkorb der evangelischen und katholischen Kirche steht am Strand der ostfriesischen Insel Spiekeroog. Für die Urlauber werden kirchliche Veranstaltungen wie Andachten angeboten.

Umfrage: Jeder dritte Urlauber sucht kirchliche Angebote
Offene Kirchen, Freiluftgottesdienste und Orgelkonzerte sind für Touristen offenbar wichtige Angebote. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Deutschen haben in ihrem jüngsten Urlaub kirchlich organisierte Angebote genutzt, teilte der Kirchenkreis Dithmarschen am Dienstag mit.

Er verwies auf eine bundesweite Umfrage, die die Fachhochschule Westküste in Kooperation mit dem Kirchenkreis  unter 1.000 Deutschen zwischen 16 und 75 Jahren im September 2019 durchgeführt hat. Die Entschleunigung im Urlaub ("Slow Tourism") spielt demnach eine immer wichtigere Rolle. Knapp 45 Prozent der Befragten war es wichtig, dass es im Urlaub deutlich langsamer zugeht als im Alltag. Im Jahr 2012 waren es noch 30 Prozent.

In der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen nutzte sogar mehr als die Hälfte die Ferien zur Entschleunigung. Urlauber mit Interesse an kirchennahen Angeboten sind zum Großteil 44 Jahre alt und jünger. "Der Slow-Trend wächst weiter", sagte Professor Christian Antz von der Fachhochschule Westküste. Deutschland liege für Kurzurlaube, Tagesreisen und nachhaltige Mobilitätsformen wie Fahrrad fahren und Wandern schon seit Jahren im Trend. Antz vermutet, dass der Slow-Trend sich künftig weiter verstetigt.

Daran können auch die Kirchen mit ihren spirituellen Angeboten und Traditionen partizipieren. "Wir haben als Kirche eine Menge zu bieten", sagte der Leiter der Fachstelle Kirche und Tourismus der Nordkirche, Ulrich Schmidt. Beispiele sind "Atempausen am Meer", historische Seefahrerfriedhöfe und Bibelgärten. Viele Gemeinden an Nord- und Ostsee haben sich bereits mit der Urlauberseelsorge  auf Gäste eingestellt.

Bildergalerie

Zur Vorbereitung auf den Klosterurlaub: Diese Klostertypen gibt es

Kloster Maulbronn

Foto: epd-bild/Gustavo Alabiso

Kloster Maulbronn

Foto: epd-bild/Gustavo Alabiso

<p>Das <a href=" https://www.kloster-maulbronn.de/start/">Kloster Maulbronn</a> in Baden-Württemberg wurde Mitte des 12. Jahrhunderts von Zisterzienser-Mönchen gegründet. Mit der Reformation ging die Zeit der Mönche in der riesigen Klosterstadt jedoch zu ende. 1556 wurde in den ehemaligen Klostermauern dann eine evangelische Klosterschule eröffnet, auf der unter anderem Schriftsteller wie Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse die Schulbank drückten.</p>

Seit 1993 ist das Kloster Maulbronn, das als die am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen gilt, UNESCO-Weltkulturerbe. Rund 230.000 Menschen besuchen Maulbronn jedes Jahr. Deswegen gehört die Anlage in die Kategorie "Kloster als Sehenswürdigkeit".

Kloster Frauenwörth

Foto: Credit: aerial-photos.com/Alamy

<p>Die <a href="https://www.frauenwoerth.de/">Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth</a> im Chiemsee wurde der Überlieferung nach bereits um das Jahr 772 von Bayernherzog Tassilo III. gegründet. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Abtei im Zuge der Säkularisation aufgelöst, 1901 aber wurde das katholische Kloster erneut zur Abtei erhoben. Die Abtei Frauenwörth hat einen eigenen Klosterladen, bietet in einem Seminarhaus Kurse und Seminare sowie eine Reihe von Zimmern in verschiedenen Kategorien an.
Die Abtei an sich sieht sich selbst ausdrücklich nicht als Hotel an, nimmt aber gerne Gäste für Stille Tage der Besinnung und Einkehr an. Geistliche Gespräche mit einer der Schwestern sind für diejenigen, die dieses Angebot wahrnehmen, durchaus möglich.</p>
Bezeichnend für ein sogenanntes "Seminar-Kloster" ist laut <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a> die Tatsache, dass sie ihre Räumlichkeiten als Bildungsstätte für spirituelle und nicht-spirituelle Angebote nutzen und einen professionellen Tagungs- und Hotelbetrieb anbieten, der häufig mit Hilfe Außenstehender betrieben wird.

Kloster Arenberg

Foto: epd-bild/Lothar Stein

<p>Das <a href="https://kloster-arenberg.de/">Kloster Arenberg</a> in Rheinland-Pfalz wurde gegen Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet. Dort leben derzeit 65 katholische Schwestern der heiligen Katharina von Siena im Orden des heiligen Dominikus. "Erholen, begegnen, heilen" lautet das Konzept von Kloster Arenberg, das neben einem Geistlichen- auch ein umfangreiches Seminar-, Fitness- und Wellnessangebot bietet.</p>
Der Fokus der sogenannten "Wellness-Klöster" liege auf den gesundheitlichen Aspekten und nicht auf religiösen oder spirituellen, so <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a>. Als eine große Herausforderung der "Wellness-Klöster" sieht sie den Spagat zwischen Authentizität und Attraktivität für die Besucher. "Wellness-Klöster" eignen sich ihrer Einschätzung zufolge besonders für Menschen, die sich zeitgleich um ihre körperliche und um ihre geistige Gesundheit kümmern möchten.

Kloster Wennigsen

Foto: CC BY-SA 3.0/Wikipedia

<p>Das <a href="http://www.kloster-wennigsen.de/">Kloster Wennigsen</a> gehört zu den fünf Calenberger Klöstern in der Region Hannover, die von der <a href="https://www.klosterkammer.de/">Klosterkammer Hannover</a> betreut werden. Die noch erhaltenen Gebäude entstanden in der Barockzeit, die Geschichte des Klosters reicht jedoch deutlich weiter zurück: im 13. Jahrhundert wurde es als Stift für Augustiner-Chorfrauen gegründet. Mit der Reformation erfolgte der Übergang zu einem evangelischen Damenstift – noch heute lebt dort eine von der hannoverschen Landekirche anerkannte geistliche Frauengemeinschaft. Sie öffnen ihre Zimmer für Gäste, die sich selbst versorgen und selbstbestimmt zur Ruhe kommen möchten – bieten ihnen aber auch zweimal am Tag die Teilnahme an der Meditations- und Gebetszeit an.</p>
<a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a> zufolge bieten alternative Klöster ihren Besuchern ein kleines seelsorgerisches Programm sowie einige ausgewählte Kurse oder Veranstaltungen zu religiösen Themen. Die Verpflegung muss entweder komplett selbst übernommen werden oder aber zumindest zu großen Teilen. Gemeinsame Gottesdienste, Gebet und Gespräche sind bei diesem Typus willkommen.

Kloster Sonnenhof

Foto: Kloster Sonnenhof

<p>Das <a href="http://www.sonnenhof-grandchamp.org/">Kloster Sonnenhof – Haus der Stille</a> im schweizerischen Kanton Baselland wird von den Schwestern von Grandchamp bewohnt. Die Kommunität Grandchamp ist eine Gemeinschaft von Schwestern, die aus unterschiedlichen Kirchen und verschiedenen Ländern kommen. Sie wurde in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegründet.</p>
Die Schwestern empfangen Mitglieder anderer Gemeinschaften sowie Frauen und Männer, die für einige Tage in der Stille innehalten und sich erneuern möchten. Eine Schwester begleitet jeden Einzelgast. Sie führt in das Leben der Kommunität ein, in die Stundengebete, in die gemeinsam mit den Schwestern im Schweigen eingenommenen Mahlzeiten. Das alles kennzeichnet <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a> zufolge ein traditionelles Kloster: gemeinsame Gebete und Gespräche, die Öffnung des Ordens gegenüber den Gästen und das geistige Angebot oft ohne Erwerbsabsicht.

Kloster Hegne

© Haus St. Elisabeth

<p>Im <a href="https://www.kloster-hegne.de/kloster.html">Kloster Hegne </a> am Bodensee lebt die katholische "Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz". Der bauliche Kern des Klosters ist das aus dem 16. Jahrhundert stammende Schloss Hegne, das die Gemeinschaft im Jahr 1892 erwarb. Neben der Möglichkeit, bis zu drei stille Tage im Haus Hildegard zu verbringen, betreibt das Kloster Hegne auch das professionelle <a href="https://www.st-elisabeth-hegne.de/hotel_st_elisabeth.html ">Tagungs- und Ferienhotel St. Elisabeth</a>.</p> Dieser Teil des Klosters Hegne entspricht der Definition, die <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Aline Sommer</a> für <a href="https://www.st-elisabeth-hegne.de/hotel-st-elisabeth.html">Hotelkloster</a> festgelegt hat: St. Elisabeth bietet modern ausgestattete Zimmer mit Fernsehen in vier Preiskategorien und Tagungsräume verschiedener Größe. Ein Jahresprogramm bietet ein breites Spektrum spiritueller und kultureller Angebote, Möglichkeiten der Begleitung und Beratung und Angebote, das Kloster zu erleben. Zugleich ist Kloster Hegne als Verehrungsort der seligen Ulrika Nisch Pilgerstätte und seit Jahrzehnten Ziel ungezählter Pilgerinnen und Pilger.
Klöster dieser Art haben sich professionell auf den modernen Tourismus eingestellt und sind Sommer zufolge auch für Menschen interessant, die sich noch nicht zu sehr auf den Klosteralltag einlassen möchten.

Communität Christusbruderschaft

Foto: epd-bild/Michael McKee

<p>Die <a href="https://christusbruderschaft.de/de/direct/">evangelische Communität Christusbruderschaft </a> wurde 1949 gegründet und zog noch im gleichen Jahr ins oberfränkische Selbitz. In der Communität leben die Schwestern und Brüder nach alten Mönchsregeln: Armut, Keuschheit und Gehorsam. Neben dem regulären Angebot gibt es auch noch spezielle Angebote für alle, die länger und enger in und mit der Gemeinschaft zusammenleben wollen: "Atem-holen" für Mitarbeiter der evangelischen Landeskirche Bayern, "Kloster auf Zeit" und "Experiment: Leben teilen".</p>
Diese Möglichkeit wirklich Teil des Klosteralltags zu werden, macht die Kommunität zu einem ursprünglichen Kloster nach <a href="https://www.spiritueller-tourismus.de/wp-content/uploads/2014/10/Sommer-Aline-SpirituellerTourismus.pdf">Sommers</a> Definition. Es wird erwartet, dass sich die Besucher in dieser Zeit auf den Klosteralltag einlassen, mitleben und auch mitarbeiten. In ursprünglichen Klöstern sind Aufenthalte von mehreren Wochen oder sogar Monaten möglich.

Kloster Loccum

Foto: epd-bild/Jens Schulze

<p>Das <a href=" http://www.kloster-loccum.de/"> Kloster Loccum </a> in Niedersachsen wurde 1163 von Zisterzienser-Mönchen gegründet und wechselte um das Jahr 1600 zum evangelisch-lutherischen Glauben. Bis heute gehört es offiziell zum Orden der Zisterzienser und zur "Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland". Seit etwa 300 Jahren dient es als Predigerseminar für angehende Pastorinnen und Pastoren der hannoverschen Landeskirche. </p>
Dadurch, dass das Kloster Loccum am <a href="http://www.loccum-volkenroda.de/der-weg/">Pilgerweg Loccum-Volkenroda </a> liegt, kann man es als Kloster am Pilgerweg kategorisieren.

Das Potenzial sei aber noch nicht ausgeschöpft, hieß es. Die Umfrage ergab, dass viele Informationen über Angebote der Kirchengemeinden die Urlauber nicht erreichen. Internet und Social Media sind zwar wichtige Informationskanäle. Die meisten Urlauber aber möchten die Informationen vor Ort erhalten. Am liebsten in analoger Form, durch Flyer und Plakate.

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Die Pastorinnen Ellen und Stefanie Radtke sehen in ihrem Youtube-Kanal "Anders Amen" eine neue Form von Gemeinde. Sie betrachten das Angebot als "Pionier-Projekt" für die gesamte Kirche.