Steinmeier wirbt für mehr Offenheit für andere Meinungen

Steinmeier wirbt für mehr Offenheit für andere Meinungen
Bei einer Veranstaltung zum "Tag der offenen Gesellschaft" in Berlin rief der Bundespräsident dazu auf, stärker mit Andersdenkenden ins Gespräch zu kommen. In Dortmund warben Kirchentagsvertreter für einen modernen Heimatbegriff.

Zum "Tag der offenen Gesellschaft" hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bürger dazu aufgerufen, insbesondere mit Menschen stärker ins Gespräch zu kommen, die andere Meinungen vertreten. "Nur wenn wir das in der ganzen Gesellschaft wieder lernen, kann Demokratie funktionieren", sagte Steinmeier, der anlässlich der Aktion am Samstag eine Veranstaltung im Berliner Wedding besuchte. Es müsse gelingen, dass trotz unterschiedlicher Meinungen gemeinsame Lösungen gefunden werden, sagte das Staatsoberhaupt.

Moderner Begriff von Heimat

Steinmeier beklagte, dass auch in einer offenen Gesellschaft wie in der Bundesrepublik sich Menschen selbst "abschließen", nicht mit denen redeten, die eine andere Herkunft haben oder in einer anderen sozialen Situation leben. Wenn man sich nur in den eigenen Facebook-Gruppen bewege oder allein dem einen Influencer folge, wüchsen Vorurteile, sagte Steinmeier.

In Dortmund warben Kirchentagsvertreter zum "Tag der offenen Gesellschaft" für einen modernen Begriff von Heimat. Kirchentagspräsident Hans Leyendecker sagte, der Begriff Heimat sollte in enger Verbindung mit Halt und Orientierung stehen. "Heimat" sei keinesfalls ein "Begriff von gestern", sondern habe hohe Aktualität. Das zeige sich auch an den gesellschaftlichen Debatten über Integration.

Fragen nach Identität und Herkunft

Wenn junge Migranten in der zweiten oder dritten Generation erklären, dass Deutschland für sie keine Heimat sei, dann müsse darüber ein öffentlicher Diskurs erfolgen, betonte Leyendecker. Die Generalsekretärin des Kirchentags, Julia Helmke, hob hervor, dass das Wort Heimat ein sehr schlechtes Image habe. Die Ursache liege in der deutschen Vergangenheit, da die Nationalsozialisten diesen Begriff zweckentfremdet hätten. Dabei gehe es um Fragen nach der eigenen Identität und Herkunft. Der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag findet von Mittwoch bis Sonntag in Dortmund.


Zum "Tag der offenen Gesellschaft" rief die dahinter stehende Initiative in diesem Jahr zum dritten Mal Bürger dazu auf, in ihrem Umfeld Tafeln einzurichten, an denen Menschen mit verschiedenen Hintergründen, Meinungen und Interessen miteinander ins Gespräch kommen können. Nach Angaben der Initiative wurden in diesem Jahr bundesweit rund 700 Tafeln angemeldet, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Die Aktion wird von zahlreichen Organisationen unterstützt, zum Beispiel der Diakonie, "Fridays for Future", "Pulse of Europe", dem Zentralrat der Muslime oder Amnesty International. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Veranstalter mehr als 25.000 Menschen an den Tischen zusammen. Die Initiative "Offene Gesellschaft" hat sich zum Ziel gesetzt, vor dem Hintergrund zunehmender Polarisierung und Hetze in der Gesellschaft den von der Demokratie Überzeugten eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen.