Bischöfe: Haltung zeigen gegen Demokratiefeindlichkeit

Symbolbild, weiße Taube.

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Symbolbild, weiße Taube.

Bischöfe: Haltung zeigen gegen Demokratiefeindlichkeit
Evangelische Bischöfe haben an Pfingsten zu einer klaren Haltung gegen Demokratiefeindlichkeit und Populismus aufgerufen. Derzeit werde die Demokratie als Grundlage des Gemeinwesens infrage gestellt und untergraben, sagte der Berliner Bischof Markus Dröge am Sonntag im Pfingstgottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Er forderte dazu auf, sich Lügen und politisch-ideologischen Tatsachenverdrehungen entgegenzustellen. Mehrere Bischöfe mahnten ein neues Miteinander in der Gesellschaft an. Die Kirche könne dafür ein Beispiel geben, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

In Zeiten, in denen die Lüge in das öffentliche Leben eindringe, sei es besonders wichtig, Haltung zu zeigen, sagte der evangelische Bischof Dröge vor dem Hintergrund rechtspopulistischer und radikaler Strömungen. Menschen müssten für das, was sie sagen, auch Verantwortung übernehmen. 

"Pfingsten ist eine Frage der Haltung", betonte er. Die innere Haltung motiviere auch das eigene Handeln. Deshalb sollten sich Menschen klarmachen, welcher Geist sie leite und aus welchem Geist heraus sie leben.  Nach biblischen Erzählungen hat Gott den Christen an Pfingsten seinen  Geist geschenkt, was mit Sturmbrausen und Feuerzungen beschrieben wird. 

Der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad appellierte die Europäer, gegen Populismus und Nationalismus zusammenzustehen. Der "Pfingstgeist gegenseitiger Achtung" könne Menschen unterschiedlicher Nationen und Kulturen friedlich zusammenbringen, sagte Schad in Speyer. Der Heilige Geist, der die Jünger Jesu in der biblischen Geschichte befähigte, in anderen Sprachen zu sprechen und andere Sprachen zu verstehen, sei auch heute notwendig. Statt auf Abschottung und Ausgrenzung zulasten Schwächerer setzten Christinnen und Christen auf ein Miteinander in Vielfalt.


Die Kirche sollte nach Auffassung von Kardinal Reinhard Marx ein Beispiel für einmütiges Miteinander sein. Es sei "der synodale Weg", der die Kirche "neu in ein Pfingsten hinein" führe, sagte der Erzbischof von München und Freising in seiner Pfingstpredigt im Münchner Liebfrauendom: "Wir wollen aufeinander hören mit Respekt und die Sorgen des anderen hören." 

Marx räumte selbstkritisch ein, dass die Kommunikation auch in der Kirche oft nicht gelinge. Er sei nicht immer glücklich über die Kommunikation der Kirche, auch über sich selbst nicht, sagte er und forderte eine Rückbesinnung der Kirche auf das Pfingstfest als "Fest der gelungenen Kommunikation". Miteinander reden und einander verstehen zu können, seien zwei der großen menschlichen Gaben.

Respekt und Verständnis füreinander forderte auch der Aachener katholische Bischof Helmut Dieser. In Gesellschaft und Politik deutschlandweit und in anderen westlichen Staaten könne man derzeit beobachten, dass es niemandem gut tue, wenn man aneinander vorbeirede, sagte Dieser im Aachener Dom. Pfingsten verkünde die unfassbare Verheißung: "Gott schafft Verständigung. In unser Reden will Gottes Geist hineinbrausen."

July: Mehr Dialog für gegenseitiges Verstehen

Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July mahnte einen ernsthafteren Dialog an. Menschen sollten sich stärker als bisher der Anstrengung stellen, sich mit anderen und ihren Überzeugungen auseinanderzusetzen, erklärte er in seiner Pfingstbotschaft. Der Heilige Geist  habe zu biblischen Zeiten in Jerusalem gegenseitiges Verstehen gebracht. Das sei heute neu nötig.

Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das drittgrößte christliche Fest. Es wird 50 Tage nach Ostern gefeiert und gilt wegen der Ausgießung des Heiligen Geistes als Geburtstag der Kirche wie auch als Symbol für Neubeginn.

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