Ärztin Hänel: Paragraf "219a muss endlich abgeschafft werden"

Ärztin Hänel: Paragraf "219a muss endlich abgeschafft werden"
Rund 400 Menschen sind am Samstag in Gießen für eine Streichung des Strafrechtsparagrafen 219a auf die Straße gegangen. "219a muss endlich abgeschafft werden, das sieht auch die Mehrheit in der Politik so, aber sie handelt nicht danach", sagte die Gießener Ärztin Kristina Hänel auf einer Kundgebung.

Es gebe keinen Grund, den Frauen Informationen über Schwangerschaftsabbrüche vorzuenthalten, betonte Hänel. "Wir Frauen wissen sehr gut, ob wir Mutter werden wollen oder nicht, wie lange unsere Kräfte reichen." Hänel forderte einen sicheren Zugang zu den Informationen, Zugang zu Verhütungsmitteln und ein Recht auf "reproduktive Selbstbestimmung".

Debatte über den Paragrafen hält an

Die Allgemeinmedizinerin ist auf Grundlage des Paragrafen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Sie hatte auf der Internetseite ihrer Praxis darüber informiert, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Hänels Verurteilung entfachte vor mehr als einem Jahr eine breite Debatte über den Paragrafen 219a.

Die Bundesregierung will demnächst den Entwurf konkretisieren, wie der Paragraf künftig geändert werden soll. Nach monatelangen Verhandlungen hatte die große Koalition im Dezember einen Kompromissvorschlag vorgestellt. Danach sollen künftig staatliche Stellen damit beauftragt werden, Informationen darüber zur Verfügung zu stellen, welche Ärzte und medizinischen Einrichtungen Abtreibungen vornehmen.



"Sicher ist, dass meine Homepage weiter strafbar bleibt", sagte Hänel. Täglich meldeten sich in ihrer Praxis Frauen, die in anderen Arztpraxen und Beratungsstellen nicht entsprechend aufgeklärt wurden. Sie hätten Anrufe in Kliniken hinter sich, bei denen sie beschimpft worden seien.

Frauenrechte stärken

In der ärztlichen Ausbildung würden Schwangerschaftsabbrüche nicht thematisiert, kritisierte die Medizinerin. Im vergangenen Jahr hätten vier Ärzte in ihrer Praxis hospitiert mit dem Ziel, später Abbrüche vornehmen zu können. Während ihrer Rede trug Hänel einen Kleiderbügel mit sich, "als Warnung", sagte sie: "Wir wollen nicht, dass Frauen wieder zu Kleiderbügeln greifen müssen." Frauen hätten ein Anrecht auf Würde, freie Arztwahl und die "Unversehrtheit ihres Körpers, auch und gerade beim Schwangerschaftsabbruch".

In rund 30 Städten demonstrierten am Samstag Menschen für eine ersatzlose Streichung des Paragrafen 219a. Die Gießener Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Mein Körper, meine Entscheidung", "Weg mit 219a" oder "Frauen vertrauen".

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