"Dann kann man die Blumen ja auch gleich zum Kompost tragen"

Friedhof mit Grabsteinen

Foto: strathroy/iStockphoto/Getty Images

Laut Herr Pörschmann brauchen Angehörige einen konkreten Ort für ihre Trauer.

"Dann kann man die Blumen ja auch gleich zum Kompost tragen"
Anonyme Grabfelder könnten den klassischen Friedhof nicht ersetzen, sagt der Direktor des Zentralinstitutes und Museums für Sepulkralkultur. Angehörige brauchen einen konkreten Ort für ihre Trauer.

Mehr Baum- und Wiesenbestattungen, mehr anonyme Grabfelder, mehr Feuer- als Erdbestattungen - die Bestattungskultur befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Was bedeutet das für den klassischen Friedhof?

Dirk Pörschmann: Der Friedhof bleibt weiterhin der zentrale Ort, von dem ich weiß, dass da mein Angehöriger liegt. Ich kann diesen Ort relativ einfach erreichen und für meine Trauerarbeit nutzen. Bestattung und Trauer sind die zentralen Funktionen des Friedhofs. Alles was man in den letzten Jahren da hinzugefügt hat - Baumbestattung und ähnliches - das ist nice to have. Aber der Friedhof selbst muss in unser Bewusstsein als ein Ort der Trauer zurückkehren und diese wirklich ermöglichen.

Kann man nicht überall um einen Verstorbenen trauern?

Pörschmann: Viele Menschen unterschätzen heute, wie wichtig ein Ort für die Trauer ist, den ich gestalten oder an dem ich zumindest einfache, rituelle Handlungen durchführen kann. Das erkennt man daran, dass sich Menschen inzwischen anonym im Urnengrab auf einer Wiese bestatten lassen. Gleichzeitig wollen dann deren Angehörige später ihre Blumen nicht an einer zentralen Ablagestelle ablegen, sondern die Blumen müssen dann genau dorthin, wo die Urne liegt. Das ist auch verständlich - sonst könnte ich die Blumen ja auch gleich zum Kompost tragen. Dieses Bedürfnis nach Verortung sehen sie doch auch an den Kreuzen am Straßenrand, wo ein tödlicher Unfall passiert ist. Es geht um den Ort, weil der Ort einen Moment der Beziehung mit dem Verstorbenen ermöglicht. Ich gehe hin, besuche ihn, mache etwas und entferne mich wieder. Das ist eine wichtige Erfahrung, die uns in der Trauerarbeit ins Leben zurückführt.

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Der Denkmal-Retter

Dieter Georg kratzt mit einer Wurzelbürste groben Dreck vom Grabmal-Relief..

Foto: Sandra Schildwächter

Dieter Georg kratzt mit einer Wurzelbürste groben Dreck vom Grabmal-Relief..

Foto: Sandra Schildwächter

Unzählige Male musste Dieter Georg mit der Wurzelbürste schrubben, bis der Grabstein frei von Moosen, Pilzen und Vogelkot war. Jahrzehnte hatte sich niemand um das Grab des 1914 ledig verstorbenen Berthold Schuster gekümmert. Bis Georg den Verfall der denkmalgeschützten Grabstätte auf dem <a href="https://friedhof-frankfurt.de/grabstaetten/grabpatenschaften/">Frankfurter Hauptfriedhof</a> nicht mehr hinnehmen wollte: 2002 schloss der damals 62-Jährige die Patenschaft für das Grab des Bankiers ab. Georg reinigte und sanierte es auf eigene Kosten - in dem Wissen, dass er und seine Ehefrau dort selbst einmal ihre Ruhestätte finden werden. Denn wer Grabpate wird, übernimmt nicht nur die Pflege, sondern erhält auch das Recht, die Ruhestätte nach dem Tod kostenlos zu nutzen. Mit dem vorhandenen Grabstein und dessen Inschrift muss sich der Pate allerdings arrangieren: Der bleibt. An den verstorbenen Grabpaten erinnert in der Regel eine auf dem Beet liegende Namenstafel.

Auf dem Familiengrab der Bankiersfamilie Kessler erinnern drei Kreuze und ein großes Marmorgrabmal an die Verstorbenen. Unter dem schwarzen Kreuz liegt Otto Busch begraben, Hauslehrer der Familie und Bruder des Karrikaturisten Wilhelm Busch.

Foto: Sandra Schildwächter

<p>Inzwischen hat der 78-Jährige die Patenschaft für zwölf Gräber übernommen. "Ich habe mich auf Marmorgrabmale spezialisiert", erklärt er. Neben der Grabpflege ist es für ihn aber genauso wichtig, zu wissen, wer die Person ist, die in dem Grab beerdigt wurde. Die Patenschaft für die Grabstätte der Frankfurter Bankiersfamilie Kessler hat der Rentner übernommen, weil er Fan von dem "Max und Moritz"-Erfinder Wilhelm Busch ist.</p>
Dem Karikaturisten und Dichter wurde zu Lebzeiten eine Romanze mit der Ehefrau von Herrn Kessler nachgesagt. "Platonische Liebe", meint Georg. Busch und Frau Kessler hatten sich ihm zufolge über den Bruder von Wilhelm, Otto Busch, kennengelernt. Dieser war bei der wohlhabenden Familie als Hauslehrer beschäftigt. Otto Busch wurde nach seinem Tod mit auf dem Grab der Kesslers bestattet - das schwarze Kreuz erinnert an ihn.

Dieter Georg zeigt auf das große Marmorgrabmal auf der Familiengrabstätte der Kesslers. Zwei Engel recken sich zum Relief des früh verstorbenen Sohn der Kesslers empor.

Foto: Sandra Schildwächter

Auf dem Kessler-Grab ist es der Grabstein des erstgeborenen Sohnes, der aus Marmor gefertigt ist. "Wenn man sich das Grab anschaut, sieht man, wie sehr die Familie getrauert haben muss", ist Georg überzeugt. Der Familienerbe Hugo Kessler starb 1905 im Alter von 20 Jahren. Warum, wusste Georg lange Zeit nicht. Die Antwort fand er bei Recherchen im Archiv der damaligen "Frankfurter Zeitung". In einer etwa hundert Jahre alten Ausgabe las Georg, dass Hugo Kessler im Main ertrunken war, nachdem sein Boot kenterte.

Mit seinem gelben Fahrrad fährt Georg um eine Kurve auf dem Friedhof. Seine Tasche mit dem Buch über seine Patenschaftsgräber trägt er auf dem Rücken, den Haltegriff des Eimers mit der Wurzelbürste hat er um den Fahrradlenker gehängt.

Foto: Sandra Schildwächter

Dieter Georg kennt fast jeden Winkel auf dem 70 Hektar großen Hauptfriedhof. Wenn er von Patengrab zu Patengrab radelt, grüßen ihn die Friedhofsgärtner. Der 78-Jährige wohnt nur fünf Minuten zu Fuß vom Friedhof entfernt. Bei gutem Wetter verbringt er bis zu sechs Stunden pro Woche bei "seinen" Gräbern. Radfahren ist auf dem Friedhof in der Regel nicht gestattet. Georg hat von der Friedhofsverwaltung allerdings eine Sondergenehmigung erhalten. "Ich bin nicht mehr gut zu Fuß unterwegs", erklärt er.

Der 78-Jährige lächelt in die Kamera. Er hat eine Halbglatze, Fältchen um die Augen und trägt ein kariertes Hemd.

Foto: Sandra Schildwächter

Mit zwölf Patengräbern hat er die Wahl der Qual. Trotzdem habe er nie daran gezweifelt, dass sein erstes Patengrab seine letzte Ruhestätte wird, erzählt er. "Meine Frau hat es ausgewählt. Der Stil ist einfach wunderschön." Auch habe er in das Grab die meiste Arbeit investiert: an dessen Sanierung feilte Georg fast einen ganzen Sommer lang. Sich zu Lebzeiten schon um sein eigenes Grab zu kümmern, stört den Rentner nicht. "Es ist ein beruhigendes Gefühl, weil ich auch etwas dafür getan habe." Auf seinen eigenen Tod bereite er sich mit den Grabpatenschaften allerdings nicht vor, betont er. "Ich sehe das als reine Natur und Historie. Ich recherchiere."

Georg hat auf Fotos den Zustand seiner Patengräber dokumentiert. Auf dem Foto zeigt er ein Bild eines Marmorengels, der vor der Patenschaft mit Grünbelag übersät war. Nach seiner Reingung ist der Marmor fast ganz sauber.

Foto: Sandra Schildwächter

<p>Der Vor- und Nachher-Effekt der Patengräber ist enorm. Seit 1997 haben rund 300 von 1.100 künstlerisch und historisch wertvollen Grabmälern auf dem Hauptfriedhof einen Paten gefunden. Für diese Gräber bestand kein Nutzungsrecht mehr: Angehörige wollten sich nicht um die Gräber kümmern oder es gab keine Verwandten mehr. Die Gräber fallen dann in die Verantwortung der Stadt Frankfurt. Die verfügt nach eigenen Angaben pro Jahr über sieben Millionen Euro für Ausgaben im Bereich des "grünpolitischen Wertes". Das Budget ist allerdings für die denkmalgeschützten Grabmäler sowie die Pflege ausgewiesener Grünflächen und Kriegsgräber gedacht.</p>
Bei der Instandhaltung der potenziellen Patengräber könne es zunächst nur um die Sicherstellung der Verkehrssicherheit gehen, erklärt die Stadt. Weitere Maßnahmen würden lediglich vereinzelt vorgenommen. Einige Gräber auf dem Hauptfriedhof sind allerdings in einem so schlechten Zustand, dass Patenschaften ausgeschlossen sind. Aber Paten aufgepasst: Rund 500 Gräber suchen noch jemanden, der sie pflegt - welche das sind, ist an einem blauen Schild auf den Gräbern zu erkennen. Paten brauchen Zeit, rät Georg. "Jeder entscheidet aber selbst, wie viel Mühe er investiert."

Der Marmorengel thront auf einem Grabstein. Die weiße Figur geht leicht in die Hocke, hat den Kopf gebeugt und streckt die Hand aus.

Foto: Sandra Schildwächter

Eines seiner Patengräber hat Georg seinem Sohn geschenkt: über dessen Grabstein ragt ein hockender Marmorengel. Dieser wacht über den Kunstschreiner Peter Friedrich Ditmar, der unter anderem Möbel für die jüdische Familie Rothschild und das britische Königshaus fertigte. Mit der Wurzelbürste an den Engelsflügel schrubbt allerdings Georg senior: Der Sohn des gebürtigen Frankfurters wohnt bei Offenbach.

"Über den Sternen wohnt der Friede" steht auf der Rückseite des Grabsteins eingraviert. Es folgt ein Gedicht "Wer hier ruhet, fraget nicht. Dir ist's ein fremder Ton. Die mich lieben finden mich Auch ohne Namen schon."

Foto: Sandra Schildwächter

"Wer hier ruhet, fraget nicht. Dir ist's ein fremder Ton. Die mich lieben, finden mich auch ohne Namen schon", steht eingraviert in dem Grabstein. Dass hier die zwei Ehemänner von Auguste liegen, wissen allerdings nur Kenner. Die vollständigen Namen der Männer fehlen auf dem Grabstein. "Mit Absicht", erklärt Georg. "Das Grab ohne Namen zeugt von einer tiefen Liebe, die zu der Zeit aber nicht ganz toleriert wurde." Auguste verliebte sich - erst kurz nachdem ihr Mann verstorben war - erneut. Sie heiratete Jakob, einen Tuchhändler aus dem Hunsrück. Ihre beiden Männer ruhen gemeinsam in einem Grab.

Vor einer der alten Friedhofsmauern steht eine Jesus-Figur. Grüne Pflanzen verdecken fast die Inschrift des Grabsteins.

Foto: Sandra Schildwächter

Hoch ragt die Jesus-Figur über die Friedhofsmauern. Sie wacht über das Grab der Familie Meuser, einer Frankfurter Dynastie von Geschäftsleuten. "Die Meusers waren sehr katholisch. Die Frau hat den Jesus zum Tod ihres Mannes anfertigen lassen", weiß Georg. Ihn selbst stimme die imposante Figur andächtig. Allerdings ärgert er sich auch bei dem Anblick seines Patengrabs. Denn der etwa zwei Meter hohen Figur fehlen drei Finger an ihrer ausgestreckten Hand. Vandalen haben nachts auf dem Friedhof mehrere Gräber geschändet, sagt Georg. Der Jesus-Figur hätten sie die Finger abgeschlagen.

Dieter Georg umfasst das etwa zwei Meter hohe Kreuz auf dem Grab des Zappel-Philipp Urbilds von Fabricus. Auf dem Grab erinnern zwei weitere ähnliche Kreuze und ein kleineres an die Verstorbenen.

Foto: Sandra Schildwächter

<p>Wenn Dieter Georg über das Grab von Philipp Julius von Fabricius spricht, leuchten seine Augen. Auch wenn es nicht das Grab ist, wo er seine letzte Ruhe finden möchte, ist es gewiss sein liebstes. Der auf dem Grab bestattete Arzt von Fabricius ist das Urbild des "Zappel-Philipps" aus dem Bilderbuch-Klassiker "Der Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann. </p>Dass der 1911 verstorbene von Fabricius das Urbild ist, entdeckte Georg nahezu zufällig: von Fabricius machte zu Lebzeiten nicht öffentlich, dass er das Urbild des Zappel-Philipps war. In einem Dokument verriet er allerdings sein Geheimnis. Das wichtige Detail blieb lange Zeit unentdeckt - bis Georg 2009 im <a href="https://www.struwwelpeter-museum.de/">"Struwwelpeter"-Museum</a> recherchierte: "Als ich die Verbindung herausgefunden hatte, war ich überwältigt."

Dieter Georg fährt auf seinem gelben Rad den Friedhofsweg entlang. Die Sonne scheint auf seinen Rücken.

Foto: Sandra Schildwächter

Zwanzig Minuten lief Georg als Jugendlicher vom Haus seiner Eltern zu dem seiner Freundin. Der kürzeste Gehweg führte direkt über den Hauptfriedhof. Heute ist Georg seit 58 Jahren mit seinem Mädchen verheiratet. Das Ziel seiner Radfahrten ist seit seinem Ruhestand meist der Friedhof. "Ich musste mir nie überlegen, was ich mit meiner Zeit anfange", sagt er lachend. "Wenn ich anfange über ein Grab zu forschen, ist es so, als würde ich in eine andere Welt eintauchen." Zu vielen Grabstätten hat Georg eine Geschichte, den Namen des Grabpaten oder historische Informationen parat. Ob er ein dreizehntes Patengrab sucht? Nein, sagt er bestimmt. Doch bei manchen Gräbern scheint es ihm allerdings in den Fingern zu jucken. Beim Spaziergang über den Friedhof kann er sich ein "ach, das hätte ich auch gerne" nicht immer verkneifen.

Viele Menschen wollen ihren Angehörigen aber die Grabpflege ersparen. Oft wohnen die Angehörigen auch weit weg.

Pörschmann: In Zukunft wird es wichtig sein, Formen der Grabpflege zu finden, bei denen Angehörige etwas machen dürfen, aber nicht machen müssen. Im Moment haben wir hauptsächlich ja nur zwei Varianten: Du musst alles selber machen beziehungsweise in Auftrag geben. Oder, die zweite Variante, bei Gemeinschaftsgräbern oder anonymen Bestattungen, da darf ich gar nichts machen. Aber eigentlich wäre es ja sinnvoll, wenn man in den ersten Jahren der Trauer die Option hat, etwas zu machen, und man danach zufrieden ist, wenn da nur ein Stück Wiese wäre. Es wird darum gehen Handlungen am Grab von der reinen Grabpflege zu unterscheiden und dafür Angebote zu machen.

Sterben kann auch ganz schön teuer sein. Ist der klassische Friedhof ökonomisch ein Auslaufmodell?

Pörschmann: Wir müssen tatsächlich auch über neue Finanzierungsmodelle nachdenken. Ein Besuch in der Staatsoper wird aus allgemeinen Steuermitteln hochsubventioniert, aber wer wird da eigentlich unterstützt, welche soziale Schicht ist das? Der Friedhof dagegen muss sich immer von allein, also durch Gebühren tragen. Was aus verschiedenen Gründen heute oft nicht mehr funktioniert. Wollen wir das wirklich? Der Friedhof stellt eine andere Form der Kultur dar, nämlich der Bestattungs- und Trauerkultur, und diese haben können existenzielle Bedeutung für das Leben haben.

Also steuerfinanzierte Bestattungen?

Pörschmann: Es geht darum, den Friedhof als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen. Friedhöfe sind nicht nur Orte der persönlichen Trauer, sie sind auch Erholungsorte für die Menschen, die in einem stark verdichteten, urbanisierten Raum leben. Und sie sind Rückzugsort für viele Tiere und Pflanzen, die in der normalen Stadtlandschaft immer mehr verschwinden. Man muss auch über diese anderen Funktionen reden, um dem Friedhof wieder Wertschätzung entgegenzubringen. Diese sekundären Funktionen sollten durch öffentliche Gelder ermöglicht werden.

Müssen Friedhöfe technisch aufgerüstet werden, um zukunftsfähig zu sein? Mit QR-Codes an den Grabsteinen zum Beispiel?

Pörschmann: Das ist nicht wesentlich, aber es ist auch keine schlechte Entwicklung. Wenn man dadurch die Möglichkeit hat, zu Lebzeiten zum Beispiel einen Film zu machen, in dem der Mensch von seinem Leben erzählt. Da wäre es ja relativ einfach für einen Friedhof, einen Webserver zu haben, auf dem die digitalen Erinnerungen der Verstorbenen abgelegt werden können. Und man hätte dann mehr als die Lebensdaten der Verstorbenen auf dem Grabstein, sondern auf einmal könnten Besucher über das Smartphone auf audiovisuelle Erinnerungen zugreifen. Wichtiger aber ist: Wir müssen - bildlich gesprochen - die Friedhofsmauern absenken. Und den Friedhof als lebendigen Ort der Trauer wieder in unseren Städten verankern und sie nicht weit entfernt in den Wäldern verorten.

Wie könnte das aussehen?

Pörschmann: Das kann durch vieles gelingen. Ein schönes Beispiel ist der Spielplatz auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe. Der ist zweigeteilt und mit einer Brücke verbunden. Auf der einen Seite kann man alles benutzen, damit spielen - dann geht man über die Brücke rüber und auf der anderen Seite ist die Schaukel festgestellt, der Sandkasten ist mit Beton aufgefüllt, die Rutsche hat eine Gummimatte - man kann also nicht mehr rutschen. Das ist eine ziemlich eindrückliche Erfahrung für Kinder, die mit Tod in ihrer Familie konfrontiert sind. Aber auch für alle anderen. Und es ist auch ein gutes Bild für die Funktion von Friedhöfen: Man kann hingehen, innehalten, trauern und dann wieder auf die andere Seite wechseln, sich also wieder vom Tod entfernen und dem Leben zuwenden. So etwas würde ich mir mehr wünschen. Auch Friedhof-Cafés, Konzerte oder kleine Theateraufführungen sind eine gute Möglichkeit, den Friedhof wieder im Bewusstsein der Lebenden zu verankern. Es geht darum, eine positive Beziehung zu dem Ort aufzubauen, der mein Bestattungsort werden könnte. Da gibt es sicher noch viel zu tun!

Wie sieht es mit Joggern oder Fahrradfahrern oder Inlineskatern auf dem Friedhof aus?

Pörschmann: Da habe ich keine Probleme. Friedhöfe bieten sich geradezu dafür an, dass Kinder hier in einer autofreien Umgebung Fahrradfahren lernen.

Welche Grenzen sehen Sie da?

Pörschmann: Ein Friedhof ist ganz sicher kein Fußball- oder Grillplatz. Auch wenn es hier zukünftig noch viel mehr freie Rasenflächen geben sollte. Aber ob jemand mit dem Fahrrad über die Wege fährt oder mit den Inlineskates oder joggt, da vertrau ich auf das Feingefühl der Einzelnen: Ich muss ja nicht ausgerechnet an einer Bestattungsfeier vorbeijoggen. Da sollte man den Menschen und ihrem Pietätsgefühl viel mehr vertrauen und nicht nur auf Verordnungen oder Verbotsschilder setzen. Auch Kinder haben da in der Regel ein gutes Einfühlungsvermögen.

Kinder unter zehn Jahren dürfen aus Haftungsgründen oft nur in Begleitung von Erwachsenen auf Friedhöfe.

Pörschmann: Das ist doch ein großer Quatsch. Ich weiß gar nicht, was das soll. Kinder sind ja nicht diejenigen, die auf Friedhöfen irgendetwas stehlen oder kaputt machen würden. Wenn, dann sind es doch Erwachsene, die Blumen oder metallhaltige Gegenstände klauen.

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