Tommie Smith erhält Dresdner Friedenspreis

Tommie Smith

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Läufer Tommie Smith, der bei den Olympischen Sommerspielen in Mexiko über 200 Meter Gold und Bronze erkämpft hatte, nutzte die Siegerehrung am Abend des 16.10.1968, um mit geballter Faus für die Farbigenbewegung "Black Power" zu demonstrieren.

Die Faust in den Himmel gestreckt, den Blick zu Boden: Die politische Geste des Sprint-Olympiasiegers Tommie Smith ging 1968 um die Welt. Fast 50 Jahre später erhält der heutige US-Bürgerrechtsaktivist den Dresdner Friedenspreis.

Die stille Geste des Protests hat Geschichte geschrieben: Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko hält der afroamerikanische Weltklassesprinter Tommie Smith auf den Siegerpodest seine in einen schwarzen Handschuh gehüllte Faust in den Himmel. Ebenso tut es der Drittplatzierte John Carlos. Die beiden Sprinter setzen auf großer Bühne ein Zeichen gegen Rassismus und bezahlen dafür mit ihrer Karriere.

Für seine öffentliche Demonstration gegen Rassendiskriminierung und sein Engagement für die Bürgerrechte in den USA bis heute ist der frühere Weltklassesprinter Tommie Smith am Sonntag mit dem Dresdner Friedenspreis geehrt worden. Der 73-Jährige nahm die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Semperoper entgegen.

Olympiasieger Tommie Smith spricht in der Semperoper zum Dresdner Friedenspreis.
"Der Kampf kann nur gewonnen werden, wenn man sich beteiligt", sagte Smith sichtlich bewegt während der Preisverleihung. Zuvor war der US-Bürgerrechtsaktivist und Pazifist vom Dresdner Publikum mit Standing Ovations begrüßt worden. "Wir kämpfen, weil wir an die Wahrheit glauben. Ich glaube, dass wir gewinnen", betonte der Olympiasieger von 1968. Und er glaube fest daran, dass "ein Überwinden der Zustände möglich ist", sagte er mit Blick auf anhaltende Rassenkonflikte in den USA.

In seiner Laudatio würdigte der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff den Preisträger als "Vorbild an Kühnheit und Mut" sowie für seine außergewöhnliche Zivilcourage. Smith habe der Welt ein Symbol vorgehalten, "an dem sie nicht vorbeikonnte", sagte Wallraff. Mit dramatischen Folgen habe er gerechnet, fürchtete sogar, bei der Siegerehrung erschossen zu werden. Smith erhielt nach der Aktion Morddrohungen.

Es brauche Menschen wie Smith, die den Mut und die Klugheit hätten, derartige Zeichen zu setzen. Seine Geste sei "hochpolitische Aktionskunst", sagte Wallraff, der sich seit Jahrzehnten gegen Rassismus einsetzt. Zugleich forderte der Journalist ein unbedingtes Engagement gegen Rassismus in Deutschland.

Der US-amerikanische Läufer Tommie Smith.
"Wir dürfen uns mit den hiesigen Zuständen nicht abfinden", sagte Wallraff. Die Zahl rassistischer Vorfälle steige auch in Deutschland an. Der Journalist kritisierte "Hasstiraden" wie sie etwa in den sozialen Netzwerken und auf öffentlichen Versammlungen von AfD-Abgeordneten geäußert würden.

Smith hatte bei den Olympischen Spielen im Oktober 1968 den 200-Meter-Lauf in Rekordzeit von 19,78 Sekunden für sich entschieden. Seine Geste bei der Siegerehrung stand unter dem Eindruck des Mordes an Bürgerrechtler Martin Luther King in den USA nur wenige Monate zuvor. Sie galt als Symbol der Black-Power-Bewegung, die sich gegen die Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung richtete. Smith wurde damit zum Anti-Diskriminierungs-Vorbild bis in die Gegenwart.

Der Ausnahmeathlet war damals 24 Jahre alt und hatte bereits zwölf Weltrekorde aufgestellt. Nach der Protestaktion durfte er allerdings nie wieder an einem Wettkampf antreten. Die Aktion gilt als eine der größten öffentlichen politischen Gesten in der jüngeren Sportgeschichte.



Den Internationale Friedenspreis "Dresden-Preis" übergab in diesem Jahr der Berliner Fußballmanager Paul Keuter. Als Mitglied der Hertha-Geschäftsleitung hatte er 2017 eine Solidarisierungsgeste auf dem Fußballrasen initiiert. Nach dem Vorbild des US-Football-Spielers Colin Kaepernick knieten die Fußballer von Hertha BSC vor dem Spiel nieder. Kaepernick hatte sich 2016 aus Protest gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner beim Abspielen der Nationalhymne niedergekniet. "Tommie Smith muss Inspiration für uns alle sein", sagte Keuter bei der Preisübergabe, "seine Geste wird uns in die Zukunft begleiten".

Der "Dresden-Preis" wird seit 2010 vergeben, in diesem Jahr zum neunten Mal. Gestiftet wird die Auszeichnung von der Klaus Tschira Stiftung. Bisherige Preisträger sind unter anderen der letzte Präsident der Sowjetunion, Michael Gorbatschow, sowie der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim. Im vergangenen Jahr erhielt der Bürgermeister des italienischen Flüchtlingsdorfes Riace, Domenico Lucano, die Auszeichnung.