Zunehmende Gewalt gegen Christen und Muslime in Indien beklagt

Christen in Indien

Foto: dpa/Sanjeev Gupta

Eine Nonne betet an Allerheiligen auf einem Friedhof in Bhopal in Indien.

Menschenrechtler beklagen eine Zunahme der Gewalt gegen Christen und Muslime durch Hindu-Nationalisten in Indien.

Nach 703 religiös motivierten Gewaltausbrüchen im Jahr 2016 habe es im vergangenen Jahr 822 solcher offiziell registrierten Zwischenfälle gegeben, teilte die Gesellschaft für bedrohte Völker am Mittwoch in Göttingen mit. Dabei seien 111 Menschen getötet und 2.384 verletzt worden. Indische Nichtregierungsorganisationen hätten 736 "regelrechte Hassverbrechen" gegen Christen gezählt.

Die Gewalt gegen Christen halte auch 2018 an, sagte der Direktor der Menschenrechtsorganisation, Ulrich Delius. So sei der Pastor Gideon Perisyaswamy am 20. Januar 2018 in seiner Kirche im Bundesstaat Tamil Nadu erhängt aufgefunden worden. Er habe zuvor Todesdrohungen von Hindu-Nationalisten erhalten, die aber von der Polizei ignoriert worden seien. Sein Körper habe Folterspuren aufgewiesen.

Selbst Schulen unter kirchlicher Leitung seien nicht sicher. So sei Schulen von Hindu-Nationalisten Gewalt angedroht worden, sollten sie das Weihnachtsfest mit ihren Schülern feiern. Auch Muslime litten massiv unter Drohungen. "Hindu-Extremisten gehen immer dreister gegen religiöse Minderheiten vor", sagte Delius. Indiens hindu-nationalistische Regierung distanziere sich nur halbherzig von der Gewalt, die Politiker der Regierungspartei anheizten.