Steinmeier machte Kirchen-Rückgabe zur Voraussetzung für Moskau-Reise

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Die für kommende Woche geplante Russland-Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist nur durch die anstehende Rückgabe der Moskauer Kathedrale St. Peter und Paul an die evangelisch-lutherische Kirche möglich geworden.

Aus dem Bundespräsidialamt hieß es am Donnerstag in Berlin, die Eigentumsübertragung sei nicht nur Anlass, sondern Voraussetzung für eine Reise des deutschen Staatsoberhauptes zum jetzigen Zeitpunkt gewesen. Steinmeier reist anlässlich der Kirchenrückgabe in der kommenden Woche von Mittwoch bis Donnerstag in die russische Hauptstadt.

Dort wird er auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen. Es gehe darum auszuloten, ob Russland über die Rückgabe der Kirche hinaus nach Jahren der Abgrenzung und des Vertrauensverlusts bereit sei, wieder Vertrauen aufzubauen. Steinmeier gehe nüchtern und ohne Illusionen in das Gespräch, hieß es. Von einer Normalisierung der seit der Annexion der Krim schlechten Beziehungen zu Russland sei man weit entfernt.

Als letzter Bundespräsident war Christian Wulff 2010 in Russland. Steinmeiers Vorgänger Joachim Gauck stattete in seiner Amtszeit dem Land keinen Besuch ab und sparte in Reden nicht mit Kritik an Russland. Steinmeier will bei seinem gut eintägigen Besuch auch den ehemaligen sowjetischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow und die Menschenrechtsorganisation Memorial treffen. Steinmeiers Reise gilt als Arbeits-, nicht als Staatsbesuch.

Kirche wurde 1938 enteignet

Steinmeier hatte sich nach Angaben des Bundespräsidialamtes bereits in seiner Zeit als Außenminister für die Rückgabe der Kathedrale St. Peter und Paul eingesetzt. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, der Steinmeier auf der Reise begleiten wird, hatte den Wunsch demnach im Januar dieses Jahres in einem offiziellen Schreiben an Putin gerichtet.

Die heutige Hauptkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands (ELKR) wurde 1938 enteignet. 2008 wurde die Nutzung wieder an die evangelische Kirche übertragen, die Kathedrale blieb aber in Staatsbesitz. Die Rückgabe hatten die EKD und Steinmeier anlässlich des 500. Reformationsjubiläums in diesem Jahr angeregt. Es ist die erste Rückgabe einer Kirche seit den Enteignungen unter kommunistischer Herrschaft. Zur ELKR, dem Dachorgan für zwei evangelisch-lutherische Kirchen in Russland, gehören nach Angaben der EKD rund 19.000 eingetragene erwachsene Mitglieder.

Die Protestanten sind neben der orthodoxen Mehrheitskirche eine Minderheit in dem Land. Die lutherischen Gemeinden haben Wurzeln in Deutschland und sind bis heute oftmals deutschsprachig.