TV-Tipp: "Die Toten von Salzburg: Die letzte Reise"

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28. Januar, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Die Toten von Salzburg: Die letzte Reise"
Das Salzbergwerk Hallein und seine Umgebung waren Drehort der Bollywood-Produktion "Salz auf unseren Lippen". Das Drama war derart erfolgreich, dass Hallein prompt zum Ziel einer Vielzahl von Filmfans geworden ist. Der Andrang ist so groß, dass nun ein Themenpark entstehen soll. Wie immer in solchen Fällen gibt es Proteste gegen die unvermeidlichen Eingriffe in die Natur. Der Mord am Leiter des Organisationskomitees in einem Stollen des Bergwerks hat aber selbstredend andere Gründe.

Ganz neu ist diese filmische Form der kulturellen Begegnung nicht: Sat.1 hat bereits 2011 mit der Komödie "Bollywood lässt Alpen glühen" gezeigt, welch’ bizarre Folgen es haben kann, wenn indische Produktionsfirmen mitteleuropäische Bergpanoramen als Schauplatz für ihre knallbunten Liebesdramen nutzen und auf diese Weise einen touristischen Boom auslösen.

In der zwölften Episode der stets sehenswerten ZDF-Reihe "Die Toten von Salzburg" dient das Phänomen aber ohnehin nur als Hintergrund.

Die Geschichte, die sich Drehbuchautor Stefan Brunner ausgedacht hat, ist dennoch besonders: Das Salzbergwerk Hallein und seine Umgebung waren Drehort der Bollywood-Produktion "Salz auf unseren Lippen". Das Drama war derart erfolgreich, dass Hallein prompt zum Ziel einer Vielzahl von Filmfans geworden ist. Der Andrang ist so groß, dass nun ein Themenpark entstehen soll. Wie immer in solchen Fällen gibt es Proteste gegen die unvermeidlichen Eingriffe in die Natur. Der Mord am Leiter des Organisationskomitees in einem Stollen des Bergwerks hat aber selbstredend andere Gründe.

Schon die ersten fünfzehn Minuten sind ein großes Vergnügen, zumal ZDF und ORF die Reihe um eine weitere Hauptdarstellerin bereichert haben; Patricia Aulitzky wird im Vorspann sogar noch vor Michael Fitz und Fanny Krausz genannt. Sie spielt eine ehemalige Zielfahnderin des Wiener BKA, deren Einsätze sie um die halbe Welt geführt haben.

Dass Ludovika Frey, die sich lieber Lu nennen lässt, in die alte Heimat zurückgekehrt ist, liegt an ihrer zunehmend dementen Mutter. Lu stammt aus einer angesehenen Familie, legt aber viel Wert auf größtmögliche Distanz, wie nicht zuletzt ihr historischer Ford Mustang zeigt, mit dem sie prompt bei der ersten Ausfahrt in eine Radarfalle braust; ihren Dienst muss sie daher ohne Führerschein antreten.

Die zweite Einführungsebene gilt dem üblichen Kompetenzgerangel, diesmal jedoch unter gänzlich anderem Vorzeichen, denn sowohl der Traunsteiner Hubert Mur (Fitz) wie auch die Salzburgerin Irene Russmeyer (Krausz) würden den Fall am liebsten abwimmeln: Er, weil er eine Kreuzfahrt in die Karibik gewonnen hat, sie, weil sie für das Casting eines Gershwin-Musicals probt; der Tote liegt exakt auf der unterirdischen Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich. Allerdings führt eine Spur in Murs Gefilde:

Das Mordopfer war Abenteurer und Influencer. Seine Witwe wähnte ihn auf einer Reise nach Costa Rica. In Wirklichkeit war er jedoch nicht auf dem Weg zum Flughafen, sondern Weg in eine Geburtsklinik im Nachbarland, und deshalb müssen gleich zwei Frauen einen doppelten Schock verkraften: Der Mann hat seine angeblichen Abenteuertouren genutzt, um ein Doppelleben zu führen. Für Mur ist der Fall damit gelöst: Mord aus Eifersucht. Zumindest hinsichtlich des Motivs ist der deutsche Kommissar tatsächlich auf der richtigen Spur, aber die Auflösung ist trotzdem überraschend.

Neben der Krimistory und den ausgiebig zu bestaunenden Sehenswürdigkeiten der Bad Dürrnberger Salzwelten lebt "Die letzte Reise" jedoch wie stets vor allem vom Mit- und Gegeneinander der Hauptfiguren. Weil Mur mit der Kollegin Russmeyer nie Probleme hatte, erweist es sich als ausgezeichnete Idee, das Ensemble um eine neue Reizfigur zu ergänzen. Auf diese Weise knüpft die Reihe an die ersten Filme an, als der Bayer und sein Salzburger Pendant Palfinger regelmäßig um die Deutungshoheit rangen.

Während sich die Majorin mit der Inspektorin auf Anhieb bestens versteht, kommt sie mit dem kauzigen Kollegen überhaupt nicht klar, zumal beide ähnlich dickköpfig sind: Sie hält ihn für einen kriminalistischen Amateur, er bezeichnet sie als "Beißzange"; das verspricht einige Heiterkeiten für die nächsten Filme.
Auf dieser Ebene tummeln sich diesmal vor allem Hofrat Seywald (Erwin Steinhauer) und sein Mann (Michael Schönborn): René hat dem Kripochef zu dessen Leidwesen ein Seminar zum Stressabbau aufgenötigt, glücklicherweise just in Dürrnberg; die Tat kommt daher gerade recht.

Russmeyers Hinweis aufs Training für das Musical lässt Seywald ohnehin nicht gelten: "Mord geht immer vor Kultur"; sogar in Salzburg. Trotzdem hat die Inspektorin Russmeyer einige eindrucksvolle Gesangsauftritte in den Räumen der Rechtsmedizin. Das Personal ist begeistert, schließlich herrscht hier sonst immer Totenstille. Regie führte wie stets Erhard Riedlsperger, der gemeinsam mit Kai Longolius (Bildgestaltung) für einige eindrucksvolle Aufnahmen gesorgt hat; schon allein der Kameraflug zum Auftakt in die Tiefen des Bergwerks ist spektakulär.