Reformationssynode: Zuhören und vor Ort vernetzen

Deutschland spricht 2019
Reformationssynode: Zuhören und vor Ort vernetzen
Das Kirchengebäude als Heimatsymbol, Bürokratie abbauen oder herausfinden, was die Menschen vor Ort brauchen. Das waren nur einige der Themen, die rund 350 Protestanten am Samstag auf einer grenzüberschreitenden Reformationssynode diskutiert und bearbeitet haben. Die Grundidee war, neue Impulse für Kirche und Gesellschaft zu entdecken.

Grenzüberschreitend war die Synode aber vor allem, weil sie Menschen aus den evangelischen Kirchenkreisen Saar-Ost sowie Saar-West und den Dekanaten Homburg und Zweibrücken zusammenbrachte - also Saarländer und Pfälzer. Aus Frankreich seien "leider nur eine Handvoll Synodale gekommen", berichtete der Superintendent des Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer. Aus Luxemburg habe niemand den Weg nach Saarbrücken geschafft.

Dennoch haben die 350 anwesenden Synodalen auf dem Gelände der Universität des Saarlandes Themen besprochen, die die Gemeinden, Kirchenkreise, Dekanate und auch Landeskirchen weiter beschäftigen werden. Dabei habe sich vor allem der Kontakt mit einzelnen Menschen vor Ort als wichtiges Ergebnis herausgestellt, betonte der Superintendent. Aber auch sonst böten sich einige Ideen auch für die ökumenische Zusammenarbeit mit katholischen Gemeinden an - denn die Probleme und Herausforderungen sind ähnlich.

"Kirchen sind keine Serviceagentur"

Der Theologe Steffen Schramm beschreibt sie so: "Uns erwarten nach einem langen Wachstum ein langer Rückgang an Mitgliedern, Personal und Finanzkraft." Deswegen müsse sich die Kirche vor Ort in den Gemeinden spezialisieren. "Die Kirche muss sich verabschieden von dem Anspruch, eine fast staatliche Institution mit flächendeckendem Angebot zu sein", sagte der Leiter des Instituts für kirchliche Fortbildung in Landau. Vielmehr gehe es darum, exemplarisch und symbolisch vor Ort zu handeln.

Die Gemeinden müssten entscheiden, was für ein Auftrag am jeweiligen Ort der wichtigste sei, betonte Schramm. Dafür müssten sie herausfinden, was die Menschen dort benötigten. Als Beispiel nannte er eine Gemeinde, in der viele ältere Menschen alleine in großen Häusern lebten. Auf Initiative der Kirchengemeinde hätten sich die Menschen mit der Idee auseinandergesetzt, einmal in der Woche zusammen zu essen. Mittlerweile laufe das Projekt seit mehreren Jahren, betonte der Theologe.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) betonte in ihrem Grußwort, dass die Mitgliedschaft in einer Kirche heutzutage nicht mehr selbstverständlich sei. "Die Zeiten in denen man evangelisch oder katholisch war, weil das immer so war, sind vorbei", sagte sie. Die deutsche Gesellschaft habe sich bequem mit dem Glauben eingerichtet, sagte die CDU-Politikerin. In der Not sei er da, aber im Alltag "fühlen wir uns wenig behindert von ihm".

Der Journalist Reinhard Bingener erklärte, dass die Kirche oft als Nichtregierungsorganisation gesehen würde. Es sei wichtig, deutlich zu machen, dass die Kirche nicht eine reine Serviceagentur sei, betonte der Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Eines der großen Probleme seien die Finanzen. So habe die Kirche beispielsweise "zu viele Gebäude". Andererseits seien diese ein "hohes symbolisches Kapital". Wenn eine große Zahl von Kirchengebäuden nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck genutzt würden, fehle ein großer symbolischer Pfeiler, auf den sich die Kirche als wahrnehmbare Institution stütze.

Die Marburger Theologie-Professorin Ulrike Wagner-Rau warb für eine stärkere Vernetzung mit gesellschaftlichen Akteuren. Mit Blick auf Pfarrer sprach sie sich für theologisch kompetente Gesprächspartner als Sprachhelfer für den Glauben aus. So wollten die Menschen nicht hören, wie sie glauben sollten, sondern wie sie ihren Glauben besser ausdrücken könnten.

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