Brrreiset den Herrn!

Brrreiset den Herrn!

Schon lange haben wir in diesem Blog nichts mehr über das Abendmahl geschrieben. Dabei gibt es darüber noch so vieles zu berichten. Besonders eine Form des Abendmahls haben wir noch gar nicht ausführlich gewürdigt.

Aber fangen wir von vorne an. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Bakterium. Oder sagen wir besser, eine ganze Bakterienfamilie. Sie sitzen auf der Lippe eines Abendmahlsgastes, bereit, sofort jemand Neues zu infizieren, sobald Sie nur hinüberkommen. Husten? Lieber nicht. Flugangst. Und wer weiß, ob Sie das Ziel auch wirklich erreichen. Es geht schließlich auch viel besser! Ein kleines Bad im Alkohol – ach wo, der macht uns gar nichts aus, desinfizieren? Nein, das gibt es bei uns nicht, wir sind immun! - ein weiterer Schluck der nächststehenden Person, und schon sind Sie in deren Magen angelangt. Nun müssen Sie nur noch die Magensäure überstehen, dann können Sie in einem neuen Körper die frohe grippale Botschaft verbreiten.

Leider, leider gibt es nun aber Menschen, die aus unerfindlichen Gründen etwas gegen diese Weiterverbreitung der für Bakterien doch ach so wichtigen Grippe haben. Die haben sich etwas ganz Gemeines einfallen lassen: Einzelkelche. Lauter kleine Becher oder Gläschen. Jede und jeder bekommt ein eigenes, mit ein bisschen Wein drin. Schlecht für die Bakterienfamilie, gut für die Gesundheit – zumindest die gefühlte.

Als Abendmahlsgast sollten Sie allerdings einige wichtige Grundregeln beachten, die gar nicht so leicht einzuhalten sind. Denn von vielen anderen Veranstaltungen ist man es gewohnt, sich mit diesen kleinen Gläschen erst einmal zuzuprosten, bevor man sie auf einen Zug austrinkt. Das wird in der Abendmahlsgemeinschaft allerdings im allgemeinen weniger gern gesehen. Auch die üblichen Geräusche nach dem „Kurzen“ – „aaahhh“ oder „brrrr“ und ähnliches – haben an dieser Stelle zu unterbleiben. (Pro-Tipp: Sollte Ihnen doch aus lauter Gewohnheit ein Aaahhh entschlüft sein, schließen Sie es mit einem beherzten „men“ ab. Aus „brrr“ können Sie im Notfall ein „Brrreiset den Herrn“ machen.) Auch auf die Bestellung eines weiteren Glases sollten Sie besser verzichten.

Schwierig haben es auch die „Tunker“ (siehe dort), denn sie bekommen ihre Oblate möglicherweise gar nicht in das kleine Glas hinein – andererseits müssten sie ja auch nicht tunken, denn der Ansteckungsgefahr wird ja auf andere Weise abgeholfen.

Manche Theologen weisen darauf hin, dass es in den Einsetzungsworten aber hieß: „Nahm er den Kelch“ und nicht „nahm er die Kelche“. Doch ich denke, Gott ist da wohl nicht so kleinlich. Wenn es denn unsere Freude am Abendmahl steigert, dass wir nicht weiter über unsere oben erwähnte Bakterienfamilie nachdenken müssen, sondern uns beim Einzelkelch ganz auf die Abendmahlsfeier konzentrieren können – warum nicht? So können die Einzelkelche von großem Nutzen sein.Daher: Es möge nützen! Oder auf Lateinisch: Prosit! 

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