Geistliche gegen ICE

Eine Rauchwolke neben Demonstranten
TNS via ZUMA Press Wire/Renee Jones Schneider
Am 13.01.2026 kommt es in der Nähe der Park Avenue United Methodist Church in Minneapolis zu einer chaotischen Szene zwischen Dutzenden von Demonstranten und ICE-Agenten, nur zwei Blocks von dem Ort entfernt, an dem Renee Good am 7. Januar getötet wurde. (Archivbild)
US-Ausländerbehörde in Minneapolis
Geistliche gegen ICE
Hunderte Geistlicher verschiedener Religionen und Denominationen stellen sich gegen die Aktionen der US-Ausländerbehörde in Minneapolis

Gerade erst haben wir davon erzählt, wie Gemeinden in Minneapolis den Menschen zu Hilfe kommen, die sich angesichts des Vorgehens der US-Ausländerbehörde ICE nicht mal mehr zum Einkaufen auf die Straße trauen.

Inzwischen haben sich aus dem ganzen Land Hunderte von Geistlichen auf den Weg gemacht, um für Menschlichkeit zu demonstrieren. Allein mindestens einhundert Rabbis und leitende jüdische Geistliche sind eingetroffen; insgesamt sind es wohl über 600 Personen, die in ihrer jeweiligen geistlichen Tracht auf die Straße gehen und sich auch dem ganztägigen Generalstreik am 23. Januar anschlossen. Sie beobachten die Aktionen von ICE und stehen denen bei, die bedroht werden. Bei den großen Demonstrationen am Freitag wurden etliche von ihnen verhaftet - die Zahlen gehen auseinander, zwischen "ein paar Dutzend" (New York Times) und einhundert (MPR News auf Facebook). 

Sie benutzen Trillerpfeifen, sie beten, sie tragen Plakate. Und sind vor allem einfach sichtbar da. Auf der Straße. Besonders prominent: Bischöfin Mariann Budde, die mit ihrer kritischen Predigt zur Amtseinführung von Präsident Donald Trump vor einem Jahr großes Aufsehen erregte. Doch die Beteiligung geht quer durch die Konfessionen und schließt auch die jüdischen Rabbis und muslimische Geistliche mit ein.

Bei einer Pressekonferenz legten sie theologische Gründe für ihren Widerstand dar. Das Motto der Veranstaltung: “Do justice. Love Kindness. Abolish ICE”. Schafft Gerechtigkeit. Liebt die Freundlichkeit. Schafft ICE ab.

Rev. Joshua Shawnee von einer „Inclusive Catholic Church“ in Tulsa, Oklahoma, wird im Bericht zitiert: „Du kannst nur eine gewisse Zeit gegen ICE predigen, bis Gott dich dazu auffordert, auf die Straße zu gehen.“ Rabbi Diane Tracht fühlt sich an den Holocaust erinnert. “Was haben wir aus dem Holocaust gelernt? Wir müssen aufstehen und Widerstand leisten. Wenn ich das jetzt nicht tue, dann sollte ich mich selbst nicht Rabbi nennen und kann nicht stolz darauf sein, Jüdin zu sein.“

Und Rev. DeWayne Davis, ein örtlicher Geistlicher, fügt hinzu: Die Regierung habe einen Fehler gemacht, als sie sich Minneapolis ausgesucht habe, den Ort, an dem George Floyd 2020 durch einen Polizisten getötet wurde. Minneapolis sei geübt im Organisieren von Widerstand, auch unterstützt durch die christlichen Gemeinden vor Ort.

„Wir verstehen die Bedeutung des Glaubens: Wir sind alle verbunden. Wir gehören zusammen. Wir sind Teil eines Volkes, eines menschlichen Körpers, der nach dem Bild eines liebenden und schönen Gottes geschaffen ist, der möchte, dass alle Kinder Gottes frei sind.“

Was würden wir tun? Auf welcher Seite würde ich stehen? Es gehört viel Mut dazu, sich gegen eine derart massiv auftretende, bewaffnete Truppe zu stellen. Ich hoffe und bete für die Kolleg:innen dort vor Ort. Ich hoffe und bete, dass es bei uns in Deutschland nie zu solchen Szenen kommen wird. Ich hoffe und bete aber auch, dass ich dann zu denen gehören würde, die auf die Straße gehen und protestieren. Dafür, dass alle Menschen, alle Kinder Gottes, menschenwürdig behandelt werden.

Hinweis: 

Das ZDF berichtete am Wochenende (24./25.01.2026) über tödliche Schüsse auf einen 37-jährigen Krankenpfleger bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis. Die Eltern des Opfers, Alex Pretti, sprechen von "abscheulichen Lügen" und werfen den Einsatzkräften vor, ihren Sohn ohne legitimen Grund getötet zu haben. Das US-Heimatschutzministerium stellt den Vorfall als Notwehr dar, doch veröffentlichte Videos von der Szene zeigen ein gewaltvolles Vorgehen gegen protestierende Zivilisten.

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