Christenpflicht: Den Verfolgten zur Seite stehen

Glenn Little macht ein Foto von einer Weihnachtskrippe, die als ICE-Gefängnis dargestellt ist und vor der Oak Lawn United Methodist Church in Dallas ausgestellt ist.
LM Otero/AP/dpa
Ein Mann macht imm Dezember 2025 ein Foto von einer Weihnachtskrippe, die als ICE-Gefängnis dargestellt ist und vor der Oak Lawn United Methodist Church in Dallas ausgestellt ist.
USA
Christenpflicht: Den Verfolgten zur Seite stehen
In Minneapolis, aber auch andernorts, wo die Ausländerbehörde ICE gewalttätig gegen (vermutete) Ausländer vorgeht, regt sich Widerstand in den Kirchen.

Das Vorgehen der US-amerikanischen Ausländerbehörde ICE gegen vermutete Ausländer erschreckt viele Menschen weltweit. Der Tod von Renee Nicole Good, die von einem ICE-Vertreter erschossen wurde, hat für viel Aufsehen gesorgt.

Was für uns hier weit weg ist, ist derzeit in Minneapolis und an anderen Orten jedoch Alltag: Viele, die nicht ganz eindeutig „weiß“ aussehen, trauen sich gar nicht mehr aus dem Haus, unabhängig davon, ob sie US-Bürger:innen sind, gültige Papiere besitzen oder eben nicht. Auch die Schulen in Minneapolis schlossen zeitweise oder wechselten auf Online-Unterricht.

Das lässt natürlich auch die Kirchen in den USA nicht kalt. Sie merken nicht nur am deutlich zurückgegangenen Gottesdienstbesuch, dass die Menschen Angst haben, auf die Straße zu gehen. Selbst in laufenden Gottesdiensten haben ICE-Vertreter offenbar schon Festnahmen durchgeführt – das alte Konzept der „sanctuary churches“, grob vergleichbar mit dem Kirchenasyl, interessiert die ICE-Leute nicht. Viele christliche Gemeinden haben sich zusammengetan, um gegen dieses Vorgehen zu klagen.

Es ist fast wie in Corona-Zeiten: Die Leute bleiben zu Hause, trauen sich nicht mehr auf die Straße oder zum Einkaufen. Was können christliche Gemeinden da tun?

Ganz klar: Da sein für alle, die lieber daheim bleiben. Einkaufen, was nötig ist, und es nach Hause bringen. Viele christliche Gemeinschaften helfen jeweils auf ihre Art. Besonders die spanischsprachige Iglesia Dios Habla Hoy (DHH) in Minneapolis hat sich hier offenbar zu einer Art Zentrale für Hilfslieferungen entwickelt. Schon im Dezember, als die ersten ICE-Angehörigen auftraten, hatten sie damit begonnen. Am 8. Dezember schrieb die Gemeinde auf Facebook (auf Spanisch):

Liebe Familie,
wir wissen, dass die aktuelle Situation es vielen erschwert hat, das Haus zu verlassen oder ihre Grundbedürfnisse zu decken. Als Kirche möchten wir Ihnen nahe sein und Ihnen die Liebe Christi auf praktische Weise zeigen.
Wenn Sie derzeit Lebensmittel nach Hause geliefert bekommen möchten, sind wir für Sie da.
Registrieren Sie sich unter diesem Link. Wir koordinieren gerne die Lieferung.

Du bist nicht allein. Wir beten für dich und dein Zuhause.
„Mein Gott wird euch alles geben, was ihr braucht, gemäß seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.“ – Philipper 4:19

Über 2000 Menschen haben sich gemeldet, um zu helfen. Über 12.000 Pakete wurden mittlerweile gepackt. Derzeit sind es etwa 1.300 Pakete jeden Tag, die jeweils von 400 Freiwilligen gepackt und ausgeliefert werden. Sogar die örtliche Polizei hat bereits bei der Auslieferung geholfen.

Pastor Sergio Amezcua sagt: „Unsere Immigranten-Community geht durch die Hölle. Das ist nicht das Amerika, das wir kennen. Wir werden weitermachen, solange es nötig ist.“

Mitten in der größten Not sind Christ:innen da. Nicht nur für ihre Glaubensgeschwister, sondern für die ganze Gemeinschaft. So, finde ich, soll Kirche sein. Was können wir für die Gesellschaft tun? Wie können wir denen helfen, die in Not sind?

Ein kleiner Lichtblick mitten in einer extrem belastenden Situation. Hoffen wir, dass diese Art der Hilfe bald nicht mehr benötigt wird.

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