Erntedankfest divers

Erntedankfest divers

Erntedankfest feiern die meisten Gemeinden heute. Mittlerweile hat sich, so hörte ich, ja auch die evangelische Kirche der katholischen Regelung „erster Sonntag im Oktober“ angeschlossen; bis vor ein paar Jahren war die Regelung wesentlich komplizierter, ungefähr „der erste Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond im Herbst, aber frühestens am Michaelistag und nur wenn da nicht der Pfarrer Geburtstag hat. Oder seine Schwiegermutter.“. Was dazu führte, dass evangelische Gemeinden manchmal schon am 30. September Erntedankfest feierten – und Pfarrer, die nicht so genau aufpassten und einfach nur in ihren weltlichen Kalender schauten, ziemlich plötzlich ein Erntedankfest vorzubereiten hatten. Nun also: Erster Sonntag im Oktober.

Mit meinem katholischen Kollegen fuhr ich diese Woche durch ganz Schweinfurt, um die Plakate für unsere Schweinfurter Nacht der Offenen Kirchen wieder einzusammeln. Dabei entwickelte er eine zunächst seltsam anmutende Obsession: Er schaute in alle Kirchen-Schaukästen, wann die jeweilige Gemeinde wohl Erntedankfest feierte. Und brachte Erstaunliches zutage: Die einen feierten schon letzte Woche. Die meisten natürlich heute, am ersten Sonntag im Oktober. Eine Gemeinde aber auch sowohl heute als nächste Woche. Interessant.

In meiner Heimatgemeinde Gochsheim bestimmt allerdings nicht der Vollmond den Erntedankfesttermin, sondern der Heimat- und Volkstrachtenverein, der nun schon seit über 50 Jahren das Erntedankfest als zweitgrößtes Fest des Ortes ausrichtet (das größte ist das Friedensfest mit Kirchweih, das immerhin schon seit dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs gefeiert wird). Und weil ein Jubiläum anstand – 60 Jahre Trachtenverein – wurde der Termin kurzerhand um eine Woche nach vorne verlegt, damit auch die benachbarten Vereine mitfeiern können, die in unserer Gegend an Erntedankfest schwer im Einsatz sind.

Denn: Was andernorts der Faschingsumzug, das ist bei uns Erntedank. So ungefähr jedenfalls. Zunächst am Morgen der große Erntedankgottesdienst. Dann ein Empfang im Rathaus mit Grußworten und allem Drum und Dran. Und dann endlich, um 13 Uhr (die Grußworte können also zum Glück nicht sehr lang sein!): Der große Umzug mit Kapellen, Fußgruppen und schön geschmückten Wagen, meist mit vielen Blumen, aber auch mit Äpfeln, Kürbissen, alles, was die Ernte eben so hergibt. Wirklich sehenswert. Anschließend gibt's auf dem Dorfplatz, dem „Plan“, eine Aufführung alter Tänze in fränkischer Tracht, danach Musik und Tanz bei Federweißem und Zwiebelplootz (Zwiebelkuchen) bis spät in den Abend.

Ich finde: Eine würdige Art, die Ernte zu feiern und auch den Dank auszudrücken dafür, dass es uns so gut geht. Allen, die heute Erntedank feiern, wünsche ich ein schönes, gelungenes Fest. Wie auch immer es aussieht.

Da ich in diesem Jahr leider keine Fotos machen konnte, hier ein paar Eindrücke vom Erntedankumzug 2009.

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