Gottesdienste & Gespräch- Religion als Thema in der CSD-Saison

CSD-Gottesdienste 2022, CSD-Saison 2022
Bild zeigt Inneres der Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin-Schöneberg - der Altar ist mit Regenbogenfahne geschmückt zum Eröffnungsgottesdienst Lesbisch-Schwules Stadtfest (2015)

Rainer Hörmann

Archiv-Blick in die Zwölf-Apostel-Kirche, wo in diesem Jahr das Lesbisch-Schwule Stadtfest nach zwei Jahren Corona-Pause wieder mit einem Gottesdienst eröffnet werden wird.

Gottesdienste & Gespräch- Religion als Thema in der CSD-Saison
Landauf, landab begleiten zahlreiche queere Gottesdienste die CSD-Feste. In Berlin ist "Religion & Spiritualität" sogar einer der Schwerpunkte im Juli. Ein Blog-Beitrag voller Infos und Termine.

Im Herbst letzten Jahres überraschte der neue Vorstand des Berlin CSD e.V. mit der Ankündigung, das Thema Religion in der queeren Community zu "vertiefen" und "die bereits gute Zusammenarbeit mit Religionsvertreter*innen" fortzuführen.

Im langen Forderungskatalog finden sich denn auch drei Spiegelstriche zu Glaube und Spiritualität. So werden Einrichtungen und Vertreter*innen der Religionen aufgefordert, "ihren Glauben sowie freie sexuelle Identität, Geschlecht, Geschlechtsidentität und geschlechterspezifische Regelungen vereinbar zu gestalten". Auch wird das Anliegen von "Out in Church" unterstützt, dass "LGBTQIA*-Personen in der Kirche, ohne Angst, offen leben und arbeiten können sollten".

Ein Blick auf das Programm macht deutlich, dass "Religion" nahezu ausschließlich die drei Buchreligionen meint. Zur Rolle von "Spiritualität" als dem weitläufigeren Begriff, von dem sich in einer Stadt mit einer konfessionslosen Mehrheit vielleicht auch mehr Menschen angesprochen gefühlt hätten, ließ sich im Programm dagegen wenig finden. 

Aber auch wenn die Hauptstadt in diesem Jahr klotzt, sollte die Bedeutung, Tradition und Vielzahl von Angeboten und Gottesdiensten zur Pride-Saison bundesweit nicht unterschätzt werden.

Veranstaltungen zum Thema "Religion" beim Berliner CSD (Auswahl):

Auf der Parade: Bei der CSD-Parade wird die Evangelische Kirche in Berlin wieder mit einem eigenen Paradewagen dabei sein, er ist zugleich der offizielle Wagen zum Thema "Religion und Spiritualität".

Auf dem Stadtfest / Eröffnungsgottesdienst: Am vorangehenden Wochenende, 16./17. Juli 2022, findet man die EKBO auf dem Lesbisch-Schwulen Stadtfest rund um den Nollendorfplatz: "Am Pavillon in der Fuggerstraße informiert eine bunt gemischte Truppe aus Pfarrer*innen, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen über kirchliche Angebote." Schon freitags, 15. Juli, 19:30 Uhr, wird das Stadtfest mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Zwölf-Apostel-Kirche im Bezirk Schöneberg eröffnet (Link).

Diskussion: Zur Diskussion im Rahmenprogramm des Berliner Pride Monats lädt der Evangelische Kirchenkreis Berlin Stadtmitte zu einem internationalen Panel "Religion and LGBT*" mit queeren Aktivist*innen aus mehr als sieben Ländern und mit verschiedenen Religionen. Am 21. Juli 2022 um 18 Uhr in der Heilig Kreuz Kirche, Zossener Str. 65 (Link).

CSD-Gottesdienst: Auch wird es wieder einen Gottesdienst in multireligiöser Gastfreundschaft geben. Rabbiner David Mitchell, London, hält die Predigt. Superintendent Bertold Höcker leitet den Gottesdienst. Am Freitag, 22. Juli 2022, um 18 Uhr in der St. Marienkirche, Karl-Liebknecht-Straße 8 (Link).

GayChurch: Das Rahmenprogramm wird auch deutlich durch die GayChurch geprägt, eine Gottesdienstgemeinschaft, die sich "in der Tradition der unabhängigen Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR, die dort in den 1980er Jahren in der Evangelischen Kirche entstanden war", sieht (Link zur Facebook-Seite). Es werden mehrer Gottesdienste angeboten, aber auch ein Panel "Homophobie ist Sünde - Gott will deine Emanzipation" am 19. Juli 2022 um 20 Uhr in der Apostelkirche in Schöneberg (Link).

Online-Diskussion: Wer es nicht nach Berlin schafft, kann online in einem Zoom-Meeting an der interreligiösen Podiumsdiskussion "Queer und gläubig" teilnehmen, die u.a. der Frage nachgeht, wie sich queere jüdische, muslimische und christliche Menschen gegenseitig empowern können. Am 14 Juli 2022 um 20 Uhr (Link).

Und für alle, die sich vorstellen können, dass eine Welt außerhalb Berlins existiert, gibt es hier eine Auswahl an CSD-Gottesdiensten anderswo:

MAINZ: Ökumenischer CSD-Gottesdienst am Mittwoch, 29. Juni 2022 um 19 Uhr in der Christuskirche, Kaiserstraße 56. Am Gottesdienst wirkt auch "kreuz&queer"-Bloggerin Kerstin Söderblom mit. (Link zu Facebook-Seite)

KÖLN: Ökumenischer Gottesdienst zum CSD am Samstag, 2. Juli 2022, um 18 Uhr in der Antoniterkirche, Schildergasse 57. Mit Pfarrer Markus Herzberg, Pastor Olaf Sion (alt-kath.), Pfarrer Bernd Mönkebüscher (röm.-kath.) und der Bordkapelle der StattGarde Colonia Ahoj. (Link)

KÖLN: CSD-Gottesdienst des MCC Köln am Sonntag, 3. Juli 2022, 10-11 Uhr, im Gemeindezentrum, Gremberger Straße 68 (Hinterhof). Der Gottesdienst ist dem Widerstand gegen Queerfeindlichkeit gewidmet. (Link)

KIEL: Gottesdienst zum CSD am Sonntag, 10. Juli 2022. Mehr steht noch nicht fest, aber einen Link gibt es schon.

ROSTOCK: Andacht & Segen am Vorabend des Christopher-Street-Days am Freitag, 15. Juli 2022, 17 Uhr, in der Marienkirche, Bei der Marienkirche 1. (Link)

LEIPZIG: Ökumenisches Friedensgebet zum CSD am Freitag, 15. Juli 2022, 18-19 Uhr, in der Reformierten Kirche, Tröndlinring 7. Organisiert vom Stammtisch Queer & Glauben. (Link)

FRANKFURT AM MAIN: Gottesdienst der Projektgemeinde zum CSD am 16. Juli 2022, 18-19 Uhr, in der Gethsemanekirche, Eckenheimer Landstraße 90. Gottesdienst mit Masken in der Kirche oder zugleich online. (Link)

MÜNCHEN: Ökumenischer Gottesdienst der Kirche St. Lucas zum CSD am Samstag, 16. Juli 2022 um 10 Uhr. Findet in der katholischen Kirche St. Paul, St.-Pauls-Platz 11, statt! (Link)

HAMBURG: Gottesdienst "In Abigails Fußstapfen" am Donnerstag, 4. August 2022, 19 Uhr in der St. Georgskirche, St. Georgskirchhof 19. Gestaltung: Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Lesben und Kirche (LuK) Hamburg. (Link zur Terminseite vom Hamburg Pride)

Alle Angaben ohne Gewähr! Die Gottesdienste finden in der Verantwortung der jeweiligen Veranstalter statt.

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