Der elektrische Mönch – jetzt in echt

Ein humanoider Roboter (vorne) und buddhistische Mönche beten im Jogye-Tempel
Lee Jin-man/AP/dpa
Robotik und Glauben
Der elektrische Mönch – jetzt in echt
Ein Roboter hat buddhistische Gelübde abgelegt – und jetzt?

Erinnern Sie sich noch an den Segensroboter „BlessU-2“? Was war das für eine Aufregung damals! Dabei stellte diese Installation ja „nur“ auf sehr intelligente Weise die Frage: Was ist eigentlich Segen? Denn letztendlich unterschied sich der – von Menschen gesprochene – Segen des Roboters ja nur im „Wiedergabegerät“ von dem bei, sagen wir, einem Fernsehgottesdienst. Nur dass dieses Gerät halt Arme hatte, die bei einem Fernseher jetzt eher nicht zur Grundausstattung gehören.

In den letzten Jahren hat sich im Bereich der Technik doch so einiges getan. Da war es nur noch eine Frage der Zeit, bis nun tatsächlich ein Roboter in einem Kloster auftrat – und sein eigenes Mönchsgelübde ablegte.

Geschehen ist das in einem buddhistischen Kloster in Seoul. Gabi („Buddhas Gnade“), so heißt der Mönch, äh, Roboter, nein, Robotermönch, trat vor und legte seine übergroß geformten Hände im Gebet zusammen.

Die Mönche gaben dem Roboter fünf Gelübde mit auf den Weg: Leben achten und nicht verletzen, keine anderen Roboter oder Gegenstände beschädigen, den Menschen folgen und ihnen nicht widersprechen, nicht täuschen – und bitte energiesparend glauben. Selbst das Nicht-Überladen des Akkus wurde zur spirituellen Disziplin.

Dabei waren die Worte, die Gabi sprach, vorher aufgenommen worden und ein Mönch drückte gewissermaßen auf einer Fernbedienung auf die richtigen Knöpfe. Ganz so weit her ist es also noch nicht mit dem künstlichen Glauben. Gabi kann nicht einmal selbständig lernen, er ist ein recht rudimentärer Roboter. Trotzdem soll er bei einer Prozession bei einem großen Fest mitlaufen.

Doch gerade im Buddhismus ist die Vorstellung vom eigenen „Ich“ sowieso etwas fließender, als wir das aus dem Christentum kennen. Wenn Glaube vor allem aus korrekt ausgeführter spiritueller Praxis besteht, aus Ritualen, Gebeten und Regeln, dann könnte ein Roboter das möglicherweise tatsächlich lernen.

Im Christentum würde die Frage vermutlich anders gestellt. Hier geht es stark um Beziehung, Gewissen, Liebe, Schuld und letztlich auch um die Frage: Wer bin ich vor Gott?

Und dann wird dieser Roboter plötzlich mehr als eine interessante PR-Aktion. Dann führt er uns zu ganz tiefgehenden Fragen: Was ist eigentlich Glauben? Ist es „nur“ gelebte Praxis? Würden wir es eigentlich merken, wenn unsere eigene Frömmigkeit nur noch automatisiert geschieht? Könnte vielleicht sogar der „elektrische Mönch“ aus dem Roman „Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“ von Douglas Adams das Glauben für uns übernehmen, so wie eine Spülmaschine auch Aufgaben übernimmt?

Oder braucht es für den Glauben eine persönliche Beziehung? Eine Vorstellung vom eigenen „Ich“, um glauben zu können?

Data, der Androide aus Star Trek, hat durch alle Folgen der Serie hindurch genau mit dieser Frage gerungen: Was macht ein menschliches Wesen aus? Bin ich als Roboter ein Objekt, das jemand anderem gehört? Oder eine eigene Persönlichkeit mit eigenen Rechten? Zum Glauben hat er, soweit ich weiß, aber nie gefunden.

Die Sache mit dem Leben nach dem Tod hat Gabi übrigens schon auf sehr buddhistische Weise gelöst.

Als einige Tage nach der Zeremonie ein Besucher nach ihm fragte, war er nicht mehr da. Der Orden hatte ihn nur für einen einzigen Tag vom Hersteller ausgeliehen.

Nun führt er vermutlich irgendwo anders ein neues Roboterleben – ohne Erinnerung an das vorherige.

Wiedergeburt auf Roboterart.

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