Mit einer XXL-Regenbogenfahne durch Ulm

Längste Regenbogenfahne
epd-bild/Pride Ulm/Neu-Ulm e.V.
Der "offizielle Auftritt" der XXL-Regenbogenfahne soll erstmals am 20. Juni beim CSD in Ulm sein. Ein 25 Meter langes Teilstück der Fahne (Foto) wurde bereits am 13. Juni beim CSD in Augsburg gezeigt.
Vielfalt & Solidarität bei CSD
Mit einer XXL-Regenbogenfahne durch Ulm
Im Juni wird in vielen Städten der Christopher Street Day gefeiert. Der Tag soll an die Rechte queerer Menschen erinnern. Bekanntestes Symbol ist die Regenbogenfahne, die 1978 in San Francisco entworfen wurde.

100 Meter lang und 4,2 Meter breit ist die nach Veranstalterangaben größte Regenbogenfahne Deutschlands. Als unübersehbares Symbol für Vielfalt, Solidarität und Menschenrechte soll sie erstmals am Samstag (20. Juni) beim "Christopher Street Day" vom bayerischen Neu-Ulm ins benachbarte baden-württembergische Ulm getragen werden, sagt Alexandra Kriebisch vom Verein Pride Ulm.Neu-Ulm dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die durch Crowdfunding finanzierten Stoffe in Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett seien in einer Mitmachaktion zusammengenäht worden. Das diesjährige Motto "Von Ufer bis Ufer - Wir halten zusammen" solle eine Brücke nicht nur über die Donau schlagen, sondern auch darüber hinaus, als ein Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Grußworte sind unter anderem vom evangelischen Dekan des Ulmer Münsters, Torsten Krannich, geplant.

Für Krannich ist es wichtig, dass die Kirche beim Christopher-Street-Day dabei ist. Die Kirche habe eine unrühmliche Geschichte im Umgang mit queeren Menschen und deren gesellschaftlicher Ausgrenzung, sagt Krannich dem epd. Dieser Verantwortung müsse sie sich stellen. Es gehe darum, "Gesicht zu zeigen" und zu sagen: "Wir unterstützen eure Lebensweise".

Regenbogenfahne 1978 in San Francisco gestaltet

Die Regenbogenfahne, auch "LGBT+ Pride Flag" genannt, ist ein Symbol der LGBTQIA+-Bewegung. Sie hat meist sechs Farben. Dort ist der rote Streifen wie beim natürlichen Regenbogen oben und symbolisiert das Leben. Dann folgen Orange (Gesundheit), Gelb (Sonnenlicht), Grün (Natur), Blau (Harmonie) und Violett (Geist). Gestaltet wurde die Fahne vom Künstler Gilbert Baker 1978 in San Francisco zunächst noch mit zwei weiteren Farbstreifen: Pink (Sexualität) sowie Türkis (Kunst).

Weil ein grelles Pink damals nicht industriell herstellbar war, wurde der Streifen weggelassen und ein Jahr später auch der türkisfarbene. 2017 ergänzte der Grafikdesigner Daniel Quasar ein Dreieck auf der linken Seite in Braun und Schwarz für marginalisierte Communities sowie Hellblau, Rosa und Weiß für die Trans-Pride Bewegung. Erweitert wird dies manchmal noch durch ein gelbes Dreieck mit violettfarbenem Ring als Symbol für intersexuelle Menschen.

Erste Regenbogenfahnen bereits vor 500 Jahren

Die Geschichte der symbolträchtigen Fahnen ist jedoch viel älter. Die ersten Regenbogenfahnen tauchten bereits vor 500 Jahren auf. Im Bauernkrieg 1525 führte der Theologe Thomas Müntzer bewaffnete Bauern an. Als Zeichen ihres Bundes mit Gott und als Symbol ihres Aufstandes trugen sie eine weiße Fahne mit einem Regenbogen.

1913 hatte der US-amerikanische Geistliche James William van Kirk anlässlich des Weltfriedenskongresses eine "World Peace Flag" (Friedensflagge) kreiert mit Regenbogenstreifen, Sternen und einem Globus. Seit 1961 verwendet die Friedensbewegung die Fahne mit dem weißen Schriftzug "Pace" für Frieden. Dabei sind die sieben Farben von Violett (oben) nach Rot angeordnet, stehen also in Bezug auf den natürlichen Regenbogen kopfüber.

Symbol für Hoffnung, Frieden und Vielfalt

Seit Jahrtausenden sind Menschen von dem atmosphärisch-optischen Himmelsphänomen fasziniert. Der Regenbogen gilt als Symbol für Hoffnung, Frieden und Vielfalt. Er spielt eine wichtige Rolle in Mythologien und verschiedenen Religionen, als Verbindung zwischen Erde und Himmel, Menschen und Göttern. Im alten Orient galt er als Zeichen des Sieges nach einem Streit zwischen den Göttern.

In der Bibel ist der Regenbogen ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen. "Meinen Bogen setze ich in die Wolken, und er ist das Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde", heißt es im ersten Buch Mose.

Das symbolhafte Himmelsphänomen entsteht, wenn bei Regen die Sonne scheint. Dabei werden die sogenannten Spektralfarben sichtbar, am Himmel zeigt sich ein farbiger halbrunder Bogen. Die Außenseite des kreisförmigen Lichtbandes - und damit der größte Bogen - ist Rot, der kleinste Violett.
Am besten lassen sich Regenbögen beobachten, wenn man nach einem kurzen Regen die Sonne im Rücken hat. Je tiefer sie steht, desto größer erscheint der Regenbogen.