Bibel-Plakate gegen AfD: So lief die Aktion

Kollage einiger Fotos von  Bibel - und Wahlplakaten
Evang. Kirchenkreis Halle-Saalkreis
Die Plakat-Aktion "Wir wählen…" des Evangelischen Kirchenkreises Halle-Saalkreis im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsens-Anhalt 2026.
Plakataktion zur Landtagswahl
Bibel-Plakate gegen AfD: So lief die Aktion
Mit Bibelzitaten Wahlwerbeflächen besetzen und der AfD den Platz nehmen: Der Kirchenkreis Halle-Saalkreis hat vor der Wahl ein mutiges Zeichen gesetzt. Öffentlichkeitsbeauftragter Torsten Bau zieht im Interview Bilanz und verrät, wie die Aktion "Wir wählen..." nun unter neuem Motto weitergeht.

evangelisch.de: Sie haben Werbeflächen im Straßenraum mit Bibelstellen belegt, auch um zu verhindern, dass dort AfD-Plakate hängen. Wie kam die Aktion "Wir wählen…" in der kircheninternen und öffentlichen Wahrnehmung an?

Torsten Bau: Die Resonanz war überraschend positiv. Es gab nur vereinzelt Kritik. Einige Gemeindeglieder empfanden die Aktion als lächerlich oder zu binnenkirchlich, vor allem wegen der bloßen Nennung von Bibelstellen. Doch die überwiegende Mehrzahl der Rückmeldungen war ermutigend: "Ach, ihr wart das! Wirklich klasse!" Insgesamt scheint die Idee also gut angekommen zu sein.

Gab es Ärger beim Plakatehängen? Gab es Kommentare in den Sozialen Netzwerken?

Bau: Das Aufhängen der Plakate verlief weitgehend reibungslos. Nur in Einzelfällen wurden Plakate im Nachhinein abgerissen. Auch in den sozialen Medien (Instagram und Facebook) blieb der Ton trotz hoher Reichweiten (teilweise fünfstellige Zugriffszahlen) überraschend respektvoll. Anfeindungen wie "Würde Gott es zulassen, dass so ein Dreck in seinem Namen veranstaltet wird?" blieben glücklicherweise die Ausnahme. Eine inhaltliche Auseinandersetzung fand kaum statt; wenn, dann beschränkte sie sich auf Allgemeinplätze wie "Die Kirche hat sich rauszuhalten".

Torsten Bau
Öffentlichkeitsbeauftragter im Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalkreis.

Ist ihre Idee, mit den Plakaten Plätze zu "belegen", um verstärkt zur Wahl aufzurufen und der AfD nicht so viel Werberaum zu geben, aufgegangen?

Bau: Ja, das Ziel wurde weitestgehend erreicht. An den Orten, an denen wir plakatiert haben, waren weiniger andere Wahlplakate zu finden. Die Strategie, durch Präsenz die eigene Botschaft zu stärken und gleichzeitig unerwünschten Positionen weniger Sichtbarkeit zu geben, hat also funktioniert.  

Wie kann Kirche weiterhin niedrigschwellig politisch sein?

Bau: Vorab: Auch wenn uns bewusst war, dass unsere Aktion eine politische Dimension hatte, so war es nicht unser Ziel politisch aktiv zu werden. Wir wollten zur Reflektion des eigenen (Wahl-)Handelns einladen. Was trägt dich? Welche Werte sollte dein:e Abgeordnete:r mit dir teilen? Und bei welcher Partei findest du hierbei die größte Schnittmenge? 

Das Plakat "Geduld" - mit Bibelvers aus dem Römer 5, Vers 1–5, der beschreibt, wie der Glaube an Jesus Christus Frieden mit Gott, neuen Halt in schwierigen Zeiten und die Gewissheit von Gottes Liebe schenkt.

Darauf aufbauend sieht unsere Kirche ihre Aufgabe künftig noch mehr darin, Räume für Austausch und gegenseitige Wahrnehmung zu öffnen. Wir verfügen über logistische, methodische und personelle Ressourcen, um die Bedürfnisse, Hoffnungen und auch Ängste der Menschen besprechbar zu machen. Zudem genießen wir als Kirche immer noch einen großen Vertrauensvorschuss, den uns viele zivilgesellschaftliche Akteure zuschreiben. Diesen sollten wir nutzen, um auch in der hiesigen Minderheitensituation unsere Themen und Werte gut in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen. Formate wie die "Verständigungsorte" oder "Dazusetzen & Mitreden" sind erste Ansätze, die es weiterzuentwickeln gilt.

Was erwarten Sie und Ihre kirchlichen Haupt- und Ehrenamtler:innen nach der Wahl für Konsequenzen, sollte die AfD erfolgreich sein, und wie wollen Sie dem begegnen?

Bau: Ich bin zuversichtlich, dass wir als christliche Gemeinschaft reflektiert und besonnen auf die kommenden Herausforderungen reagieren werden. Größere Sorgen bereitet uns jedoch, dass es für kleinere zivilgesellschaftliche und kulturell engagierte Akteure zunehmend schwieriger wird, ihren Beitrag zur Meinungsvielfalt zu leisten. Das schwächt unsere Demokratie.

Als Kirche sehen wir uns daher in der Pflicht, diese Initiativen stärker zu begleiten, etwa durch die Bereitstellung von Räumen, Logistik oder anderen Ressourcen. Gleichzeitig bieten sich hier Chancen, gegenseitige Barrieren abzubauen, voneinander zu lernen und neue Projekte oder Kooperationen zu initiieren.

Sie zeigen auf Ihrer Website auch Videos über Bibelstellen zu Liebe, Achtung , Barmherzigkeit, Vielfalt und vielen anderen. Das sind mutige Bekenntnisse zum Glauben. Wie wird Ihr Kirchenkreis nach der Landtagswahl diese Werte weiterhin vertreten?

Bau: Die Kampagne des Kirchenkreises wird voraussichtlich fortgesetzt. Allerdings mit einem neuen Fokus: Statt "Wir wählen…" wird es unter dem Motto "Wir stehen für…" weitergehen. Damit wollen wir ein Zeichen setzen. Auch in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen bleibt die Kirche der Region in ihrer Haltung stabil und sichtbar.