Rüstungsbranche als Job-Option für VW-Beschäftigte?

in Flugabwehrsystem Boxer Skyranger 30 des Rüstungsunternehmens Rheinmetall
dpa/Sebastian Gollnow
Die Rüstungsindustrie wird von vielen VW-Mitarbeitern im Raum Wolfsburg als ein Teil der Lösung des aktuellen Stellenabbaus gesehen.
Seelsorger zu Volkswagen-Krise
Rüstungsbranche als Job-Option für VW-Beschäftigte?
Hauskredite, Abfindungen und neue Jobs: Die VW-Krise verändert den Blick vieler Beschäftigter auf ihre Zukunft. In Wolfsburg wird dabei auch über Arbeit in der Rüstungsindustrie diskutiert, berichtet der evangelische Pastor für Industrieseelsorge, Stephan Eimterbäumer.

Angesichts der bundesweiten Sparpläne von Volkswagen sieht der evangelische Pastor für Industrieseelsorge, Stephan Eimterbäumer, die Stimmung am Stammsitz des Automobilbauers belastet. "Viele Beschäftigte sehen die aktuelle VW-Krise für das Unternehmen als ernster an, als die vielen anderen Krisen, die man in den Jahrzehnten schon gemeistert hat", sagt der Beauftragte für Arbeit und Wirtschaft des Wolfsburger Kirchenkreises dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Entsprechend werde die Rüstungsindustrie von vielen im Raum Wolfsburg als ein Teil der Lösung des aktuellen Stellenabbaus gesehen. Für manche Mitarbeiter sei der Einstieg in die Rüstungsproduktion auch eine Frage des Gewissens, ob sie ihre praktische und geistige Arbeit einem Rüstungsgut widmen wollten, sagt der Theologe.

"Dabei habe ich die Überlegung gehört, dass die Fertigung militärischer Transportfahrzeuge als ethisch besser und weniger problematisch bewertet wird, als die Produktion von Waffen." Einige Mitarbeiter hätten bereits Stellen beim Rüstungskonzern Rheinmetall in Unterlüß angenommen, was sie als Pendler gut erreichen könnten.

Immobilien-Kredite verursachen Sorgen

Derzeit sei nicht festzustellen, dass es wegen der aktuellen Krise verstärkt Seelsorge-Anfragen von Berufstätigen gebe, sagt Eimterbäumer, der die Beauftragung im Sommer dieses Jahres übernommen hatte. Die Beschäftigten reagierten je nach Alter, Arbeitsbereich und Persönlichkeit sehr unterschiedlich auf die Pläne des Konzerns. "Manche aus dem mittleren Alter haben Angst, weil sie einen hohen Hauskredit aufgenommen haben."

"Viele Beschäftigte sehen die aktuelle VW-Krise für das Unternehmen als ernster an, als die vielen anderen Krisen, die man in den Jahrzehnten schon gemeistert hat", erklärt er evangelische Pastor für Industrieseelsorge, Stephan Eimterbäumer.

Jüngere suchten nach neuen Stellen, andere verdrängten das Problem. Viele Ältere fühlten sich nicht betroffen, weil der Ruhestand in Reichweite sei, manche hätten eine Abfindung angenommen und Stellen andernorts gesucht. "Die Beschäftigten von Zulieferern und Ingenieurdienstleistern hat die Krise schon früher und stärker betroffen."

Für die Menschen in der Region wünsche er sich möglichst neue Perspektiven, unterstreicht Eimterbäumer. "Wenn Volkswagen kleiner wird, braucht es neue Industriearbeitsplätze in Niedersachsen." Das werde in anderen Branchen wie der Medizintechnik sein, in denen das vorhandene technische Können gefragt sei: "Dazu ist Innovation nötig."