Expertin: Regulierung von Leihmutterschaft ändert nichts

Frau mit Kind sitzt auf der Treppe
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Für Expertin Amina Nolte müsse die Gesellschaft die Frage beantworten, wie sich die Bedingungen so verbessern ließen, dass Menschen Kinder bekommen, wenn sie sie bekommen können.
Mit Kinderwunsch ins Ausland
Expertin: Regulierung von Leihmutterschaft ändert nichts
Auch wenn Leihmutterschaft in Deutschland in engen Grenzen erlaubt würde, würden weiterhin Menschen die Angebote im Ausland nutzen, sagt eine Expertin für reproduktive Gerechtigkeit. Dort sei es vor allem günstiger.

Eine Regulierung von Leihmutterschaft in Deutschland verhindert nach Meinung der Expertin für reproduktive Gerechtigkeit, Amina Nolte, nicht das Erfüllen des Kinderwunsches im Ausland. "Eine Regulierung oder sogar Legalisierung in Deutschland würde nicht dazu beitragen, dass Menschen nicht mehr ins Ausland gehen", sagte Amina Nolte, Referentin für reproduktive Gerechtigkeit im Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Denn im Ausland werde Leihmutterschaft weiterhin günstiger angeboten, und Kinderwunsch-Eltern könnten andere Leistungen in Anspruch nehmen, die in Deutschland nicht erlaubt würden.

Als Beispiel nannte Nolte die USA. Dort sei Leihschwangerschaft in vielen Bundesstaaten legal. "Trotzdem gehen einige Menschen aus den USA nach Mexiko, Kolumbien, Georgien oder neuerdings auch nach Ghana - schlicht wegen der Kosten", sagte Nolte, die seit Langem gemeinsam mit anderen Expertinnen zu dem Thema forscht.

Globaler Reproduktionsmarkt

Der Leihmutterschaftsmarkt sei eingebettet in einen globalen Reproduktionsmarkt. Es sei daher schwierig, das Marktgeschehen genau zu beziffern. "Wenn wir den gesamten Reproduktionsmarkt angucken, wird geschätzt, dass er 2026 bei rund 26 Milliarden Dollar liegt und bis 2030 mit einer Wachstumsrate von fast 25 Prozent stark auf 200 Milliarden Euro ansteigen soll."

Die Ukraine habe im Jahr 2022 allein mit Leihschwangerschaften für Menschen aus dem Ausland einen Jahresumsatz von rund 1,5 Milliarden Dollar erzielt, sagte Nolte. Der Markt sei angebotsgetrieben. Agenturen und Kliniken schauten ganz gezielt nach schwächer regulierten Standorten und danach, welche Angebote sie ausbauen könnten.

Für deutsche Kinderwunscheltern sei die Ukraine trotz des Krieges nach wie vor ein sehr wichtiges Ziel. Auch Georgien sei ein zentrales Land, denn dort gebe es keine starke Regulierung. Beispielsweise könnten dort auch Alleinstehende eine Leihschwangerschaft beauftragen. "In Ghana finden sich derzeit die marktgünstigsten Angebote. Hier kostet eine Leihschwangerschaft zwischen 50.000 und 60.000 Euro", sagte Nolte.

Nolte: Je mehr Geld, desto mehr Rechtssicherheit

Nolte betonte: "Je mehr Geld zur Verfügung steht, desto mehr Rechtssicherheit kann man sich kaufen." In Kalifornien sei beispielsweise über Verträge das meiste sehr gut geregelt. Zugunsten der Leihschwangeren sind die Bedingungen dort eigentlich gut. "Das ist in Georgien und Ghana anders. In Georgien arbeiten oft Frauen aus Kirgistan oder Aserbaidschan als Leihmütter, die gezielt in armen oder prekären Lebenssituationen angeworben werden. In Ghana sind die Leihschwangeren oft in Compounds untergebracht. Sie dürfen ihre Familie nicht sehen und werden stark reguliert, was Ernährung, Bewegung oder Sexualität angeht."

 

Die Expertin zeigte sich unzufrieden mit der bisherigen Debatte, denn eigentlich müsse die Gesellschaft die Frage beantworten, wie sich die Bedingungen so verbessern ließen, dass Menschen Kinder bekommen, wenn sie sie bekommen können - "und nicht erst mit 40 oder 42, wenn die biologischen Grenzen eine Rolle spielen". Denn Menschen schöben ihren Kinderwunsch aufgrund sozialer Bedingungen auf. "Es gibt kein Klima, in dem Menschen mit Mitte 20 sagen: 'Ich habe Lust auf ein Kind.' Das Thema Leihmutterschaft steht für mich am Ende dieser Debatte - und nicht am Anfang."