Schwule Kenianer heiraten, ernten feindselige Reaktionen

Schwule Kenianer heiraten, ernten feindselige Reaktionen
Die so genannte "Homo-Ehe" sorgt in Deutschland für Kontroversen. In Afrika hingegen ist sie beinahe lebensgefährlich. Jetzt hat sich das erste kenianische Männerpaar offiziell getraut, allerdings in London. In ihrer Heimat gibt es deswegen Aufruhr, denn Homosexualität ist in Kenia illegal.

Daniel Chege Gichia (39) und Charles Ngengi (40) versprachen sich auf einem Londoner Standesamt vor gut einer Woche Liebe und Treue - die beiden Männer konnten nur vage ahnen, welche Auswirkungen ihr Eheversprechen in ihrer kenianischen Heimat haben würde. Denn die beiden sind das wohl erste verheiratete Schwulenpaar des ostafrikanischen Landes. Erste Reaktionen auf Medienberichte waren überwiegend feindlich. Die beiden Männer seien eine "Schande für unser Land", ereiferte sich ein Anrufer bei einer Radiostation. In Leserbriefen und Internetforen hieß es, die beiden Männer hätten ihre Familien in Verruf gebracht, gegen Gottes Gebote und die guten Sitten Afrikas verstoßen.

In Gathiru, dem Heimatdorf Daniel Chege Gichias, macht die Familie ein regelrechtes Spießrutenlaufen durch. Zwei seiner Brüder sollen bedroht und aufgefordert worden sein, das Dorf zu verlassen. "Der alte Mann ist nicht mehr derselbe, und die Mutter hat Angst vor Besuchern", erzählte eine Nachbarin der Zeitung "Daily Nation" über das Schicksal der Eltern. Gichia Muchira, ein Onkel, zeigte sich unversöhnlich. "Was der Junge getan hat, hat den Namen der Familie für immer ruiniert", klagte er.

Offene Homosexualität ist illegal

In Kenia ist offene Homosexualität, ähnlich wie in den meisten afrikanischen Staaten, illegal. Zwar wagen sich vor allem in den Großstädten Schwule und Lesben zunehmend aus dem Verborgenen und stehen zu ihrer Sexualität - doch ein Coming Out ist nach wie vor mit Problemen wie dem Bruch von Freundschaften und dem Zerfall der Familie, dem möglichen Verlust des Arbeitsplatzes und sozialer Ächtung verbunden.

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Erst vor wenigen Wochen machte der Fall eines kenianischen Parlamentsabgeordneten Schlagzeilen, der seinen Sohn nach abegeschlossenem Studium vom Flughafen Nairobi abholen wollte. Doch als ihm der frischgebackene Akademiker mit Make-Up, in Frauenkleidung und in Begleitung seines Liebhabers gegenübertrat, verleugnete der Abgeordnete seinen Sohn und floh Medienberichten zufolge. Er musste nicht fürchten, als schlechter und herzloser Vater geächtet zu werden - vielmehr waren ihm Verständnis und Mitgefühl sicher.

Als gottlos, "unafrikanisch und kulturell nicht akzeptabel" lehnte der Anglikanische Erzbischof Eliud Wabukala die Idee legaler homosexueller Gemeinschaften in Kenia ab. "Wir können eine Legalisierung in Kenia nicht zulassen, denn diejenigen, die so etwas eingehen, sind nicht bei klarem Verstand", pflichtete ihm Abdullahi Abdi vom Forum der Muslimischen Führer bei. Selbst dort, wo Homosexuellen nicht offener Hass entgegenschlägt, werden sie als "krank" oder "abnormal" bemitleidet.

Kenia ist kein Einzelfall

Kenia ist kein Einzelfall in Afrika. In Uganda berät das Parlament über einen Gesetzesentwurf, der die "Propagierung" von Homosexualität - und dazu gehört bereits sachliche Information - mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestrafen soll. Das Gesetz ermuntert regelrecht zur Denunzierung Schwuler, Lesben und Bisexueller, soll doch auch zurückgehaltene Information über "abweichende" sexuelle Orientierung strafbar sein. Einige Abgeordnete machen sich gar für die Todesstrafe gegen Homosexuelle stark.

In Südafrika sind zwar homosexuelle Gemeinschaften erlaubt, aber Frauengruppen prangern sexuelle Gewalt gegen lesbische Frauen an, die vergewaltigt werden, um sie "umzupolen". Und im westafrikanischen Gambia sorgte Präsident Yahya Jammeh im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, als er alle Homosexuellen aufforderte, das Land zu verlassen. Andernfalls wolle er ihnen persönlich "den Kopf abschlagen".

dpa