Katholikentag setzt auf Dialog

Türme des Kiliansdoms, an denen zwei große Banner zum Katholikentag hängen.
epd-bild/Daniel Peter
Am 13. Mai 2026 startet der Katholikentag in Würzburg.
Debatten in Krisenzeiten
Katholikentag setzt auf Dialog
Demokratie stärken, Frieden suchen, Schöpfung bewahren: Der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg will vom 13. bis 17. Mai ein Forum für Debatten in Krisenzeiten sein. Erwartet werden mehrere zehntausend Teilnehmende.

"Hab Mut, steh auf!" Die biblische Erzählung von der Heilung des Bartimäus liefert das Leitwort für den 104. Deutschen Katholikentag vom 13. bis 17. Mai in Würzburg. Jesus lässt den blinden Bettler zu sich rufen und schenkt ihm das Augenlicht. Die Aufforderung aus dem Markusevangelium (Mk 10,49) versteht die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, ausdrücklich auch politisch: Der Katholikentag wolle Menschen Mut machen, ihrem Glauben zu folgen und die Menschenwürde zu verteidigen, sagte sie. Man stelle sich gegen Hass und Hetze, die das gesellschaftliche Klima vergifteten.

Eröffnet wird der Katholikentag am Mittwochabend in der Würzburger Innenstadt. Erwartet werden dort Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne), der Würzburger Bischof Franz Jung und ZdK-Präsidentin Stetter-Karp. Am Freitag will sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unter dem Titel "Gemeinsam Zukunft gestalten" den Fragen junger Menschen stellen.

Insgesamt bietet der Katholikentag nach Angaben der Veranstalter rund 900 Veranstaltungen - vom großen Live-Konzert bis zum vertraulichen Gespräch in kleiner Runde. Das Christentreffen konzentriert sich vor allem in der Innenstadt auf die drei großen Säulen "Geistliches - Kulturelles - Politisches". Der Katholikentag soll dazu ermutigen, nach Wegen für eine zukunftsfähige Gesellschaft und Kirche zu suchen, angesichts von Krieg, Klimawandel, sozialer Spaltung sowie Vertrauenskrisen in Politik und Kirche. Dazu werden bis zu 30.000 Teilnehmende erwartet.

Rolle der Zivilgesellschaft

Ein Schwerpunkt des Treffens liegt auf Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Steinmeier spricht bei einem Podium unter dem Titel "Wir sind die Demokratie" über die Rolle der Zivilgesellschaft und des Ehrenamts. Weitere Veranstaltungen befassen sich mit Fake News, politischer Angst und Demokratiebildung. Die Vereinnahmung christlicher Motive durch rechte Ideologien soll in einem Podium mit der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, kritisch beleuchtet werden.
Zu den Gästen aus der Politik gehören neben Steinmeier, Merz und Söder unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD), Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), Bodo Ramelow (Linke), Ricarda Lang (Grüne) sowie Manfred Weber (CSU). Erwartet wird auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer.

Kirchenpolitisch stehen Ökumene, Synodalität und Missbrauchsaufarbeitung im Mittelpunkt. Ökumenischer Gast ist die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs. Zum Synodalen Weg in der katholischen Kirche diskutieren Stetter-Karp und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer. Die Missbrauchskrise wird in mehreren Formaten aufgegriffen, darunter ein Podium zur Frage, ob Kirche Aufarbeitung leisten kann oder staatliche Intervention braucht.

Der Schlussgottesdienst findet am Sonntag auf dem Residenzplatz statt. Alle zwei Jahre veranstaltet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einen Katholikentag in einem anderen Bistum; traditionell wechselt man sich mit den evangelischen Kirchentagen ab. Der 103. Katholikentag fand 2024 in Erfurt statt, der nächste Katholikentag ist für 2028 in Paderborn geplant. Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist vom 5. bis 9. Mai 2027 in Düsseldorf zu Gast.