In Erinnerung an die Selbsttötung von Pfarrer Oskar Brüsewitz vor 50 Jahren soll nach Angaben der Familie am 23. August in Rippicha bei Zeitz (Sachsen-Anhalt) ein neuer Dokumentarfilm gezeigt werden. Die jüngste Tochter von Brüsewitz, Dorothea Eichmann, kündigte zudem in einem Freitag in Hannover von der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) verbreiteten Interview an, sie werde am Dienstag an einer Gedenkveranstaltung für ihren Vater in Zeitz teilnehmen.
Brüsewitz hatte sich am 18. August 1976 aus Protest gegen die SED-Diktatur vor der Michaeliskirche in Zeitz mit dem Talar bekleidet auf offener Straße selbst angezündet. Vier Tage später erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen.
"Ich bin sehr stolz auf ihn und habe ihm nie Vorwürfe gemacht", sagte Eichmann. Im Krankenhaus habe ihnen ein Arzt erzählt, "dass mein Vater, wenn er bei Bewusstsein war, Loblieder gesungen hat. Das ist für uns als Familie sehr tröstlich gewesen. Er ist in Frieden mit Gott gestorben".
Die Familie hätte zudem "viel Trost und Liebe erfahren in dieser Zeit. Eine Pastorin und einige Pastoren haben sich rührend um uns gekümmert". Auch hätten sie hunderte Briefe mit Trostworten und Ermutigungen aus aller Welt erhalten.
Nach ihrer Erinnerung war der Entschluss ihres Vaters wohl über viele Monate gereift, jedenfalls sei es keine spontane Aktion gewesen. "Das Transparent, das er mit nach Zeitz nahm, hatte er schon im Januar geschrieben", sagte die Tochter.



