TV-Tipp: "Brandmal"

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14. Juli, 3sat, 22.25 Uhr
TV-Tipp: "Brandmal"
Als Gegenprogramm zum Fußball zeigt 3sat starke Krimi-Wiederholungen. Allen voran überzeugt "Brandmal" mit Peter Lohmeyer als meisterhafter, wenn auch extrem düsterer Hamburg-Krimi. Lohnt sich das Einschalten bei den Nachfolgern?

Während der Fußball-WM bietet 3sat mit den Wiederholungen diverser Krimireihen eine willkommene Alternative. Das Konzept ist zwar nicht immer schlüssig, aber die einzelnen Episoden funktionieren ja unabhängig voneinander. "Brandmal" war 2015 nach "Wolfsfährte" und "Blutadler" die dritte Verfilmung eines Romans von Craig Russell über den von Peter Lohmeyer verkörperten Hamburger Kommissar Jan Fabel. Nicolai Rohde war nach Urs Egger und Nils Willbrandt, der diesmal gemeinsam mit Nils-Morten Osburg das Drehbuch geschrieben hat, bereits der dritte Regisseur der Reihe. Trotzdem knüpft der Thriller atmosphärisch und stilistisch kongenial an die beiden Vorläufer an. Allerdings bleibt sich die Reihe auch in anderer Hinsicht treu: Aus Sicht des Jugendschutzes wirkte die Ausstrahlung der TV-Premiere an einem Samstag um 20.15 Uhr angesichts der intensiven Inszenierung und der Nervenkitzelmusik (Johannes Kobilke) recht fragwürdig. 

Filmisch dagegen ist "Brandmal" meisterlich. Die Geschichte ist ohnehin fesselnd: Nach einer Mordserie, bei der die Opfer skalpiert werden, vermutet Fabel, dass der Täter Rache für ein dreißig Jahre zurückliegendes Unrecht nimmt. Einige Mitglieder der linken Szene hatten eine terroristische Vereinigung gegründet und gemeinsam einen politisch motivierten Anschlag verübt. Der Anführer der Bande, wegen Haarfarbe und Gesinnung als "Roter Franz" bekannt, ist damals verraten und gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin erschossen worden. Die Identität seiner Kumpane ist bis heute ungeklärt. 

Die Handlung ist von eindrucksvoller Komplexität und erfreut ein kundiges Publikum mit diversen Querverweisen auf die bundesdeutsche Geschichte. Das Drehbuch spielt bis hin zum grimmigen Epilog mit vielen Elementen der RAF-Historie; das Spektrum reicht vom Attentat auf Siegfried Buback bis hin zum missglückten GSG-9-Einsatz 1993 in Bad Kleinen. Die Besetzung kleiner, aber wichtiger Nebenrollen trägt ihren Teil dazu bei, die entsprechenden Figuren deutlich aufzuwerten. So werden beispielsweise drei Hamburger Honoratioren, die Fabel verdächtigt, damals Teil der Bande gewesen zu sein, von Peter Kremer, Hannes Hellmann und Thomas Kügel verkörpert. Eines der Mordopfer war ein populärer Sänger von Arbeiterliedern, die in Wirklichkeit Hannes Waader vorträgt. Schlüsselrollen spielen darüber hinaus Charlotte Schwab als esoterisch überspanntes Ex-Mitglied der linken Szene sowie Godehard Giese als ihr etwas durchgeknallter Sohn, der die gleiche rote Mähne wie sein Vater hat und daher als Hauptverdächtiger gilt, zumal der Mörder an jedem Tatort eine rote Strähne zurücklässt; die allerdings gehört, wie ein DNS-Vergleich mit der exhumierten Leiche ergibt, dem toten Franz.

Angesichts der Qualität des Films stört es nicht weiter, dass Fabels Team schon wieder umbesetzt werden musste. Hinnerk Schönemann, damals schon auf dem Weg zum Topstar, ist nicht mehr dabei, dafür nun Hannes Wegener. Immerhin ist Lisa Maria Potthoff als Maria immer noch mit von der Partie. Das muss sie auch, denn das Trauma, dass die Polizistin infolge einer schweren Verletzung gegen Ende von "Blutadler" erlitten hat, macht ihr bei Stress im Einsatz immer noch zu schaffen. Man ahnt zwar recht bald, dass dies nicht ihr einziger Berührungspunkt zum neuen Fall ist, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. 

Dank der Umsetzung durch Rohde und Kameramann Jo Heim ragt "Brandmal" ohnehin weit aus dem Krimialltag heraus. Wie schon in den beiden anderen Filmen ist gerade das Licht faszinierend, zumal ein Großteil der Szenen nachts oder im zwielichtigen Büro des Ermittlerteams spielt. Bei den Rückblenden nutzt Rohde mit dem "Split Screen"-Verfahren die ganze Größe der modernen Bildschirme und vermittelt die Informationen in mehreren Bildern. Kameraflüge über die Stadt lassen den Thriller zudem sehr amerikanisch wirken.

Morgen Abend um 22.25 Uhr folgt "Carneval - Der Clown bringt den Tod" (2018). Der vierte Film wurde allerdings den bisherigen hohen Maßstäben nicht gerecht. Wer den Roman kennt, wird zudem feststellen, dass Osburg bei seiner Adaption die halbe Geschichte weggelassen hat: Ein Teil des Buchs spielt in der Ukraine, wo der Geheimdienst den Verbrecher Wassili Witrenko jagt. Russell-Fans erinnern sich: Das ist der Mann, der Maria ein Messer in den Bauch gerammt hat. Nun ist der Gangster nach Deutschland zurückgekehrt und liefert sich mit der italienischen Mafia einen mörderischen Streit um die Herrschaft über Köln. Die eigentliche Geschichte ist jedoch eine ganz andere: In der Karnevalshochburg treibt ein als Clown verkleideter Mörder sein Unwesen. Anders als die früheren Episoden wirken "Carneval" sowie der fünfte Film, "Todesengel" (Donnerstag um 22.25 Uhr), jedoch über weite Strecken wie ganz normale TV-Krimis.