Der Vorsitzende des Netzwerks "Christen in der Automobilindustrie", Peer-Detlev Schladebusch, warnt Angestellte und Entscheidungsträger davor, angesichts von drohendem Stellenabbau und möglichen Werksschließungen etwa bei Volkswagen, in Resignation zu verfallen. Volkswagen und die gesamte Automobilindustrie mit all ihren Zulieferern stünden aktuell vor großen Herausforderungen, sagte Schladebusch, der Pastor der evangelischen hannoverschen Landeskirche ist. "Jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren, ist für niemanden leicht."
Insbesondere bei Volkswagen sei die Stimmung unter der Belegschaft zurzeit "grottenschlecht", sagte Schladebusch auch mit Blick auf die Aufsichtsratssitzung des Konzerns am heutigen Donnerstag in Wolfsburg. Unter anderem deshalb habe das Netzwerk noch am Mittwochabend ein halbstündiges Ad-hoc-Gebet für Angestellte, Führungskräfte und auch Menschen aus Zulieferbetrieben angeboten. "In einer Zeit, in der weitreichende Entscheidungen vorbereitet werden, wollten wir innehalten und Gott um Weisheit und Frieden bitten."
Raum für Ängste und Perspektiven
Das online veranstaltete Gebet habe sich nicht auf einzelne wirtschaftliche Interessen oder Personengruppen gerichtet, betonte der Pastor. "Wir wollten vorrangig einen Raum bieten, in dem die Zukunftsängste der Menschen verarbeitet werden konnten." Wichtig sei es, in der nahen Zukunft eine gemeinsame Perspektive und auch eine Strategie zu finden, wie der aktuellen Krise in der Branche begegnet werden könne. Die deutsche Automobilindustrie brauche künftig mehr als nur neue Technologien, um bestehen zu können, unterstrich Schladebusch.
Milliardenschwere Subventionen wie in der chinesischen Autoindustrie könne und wolle sich die Politik in Deutschland und Europa nicht leisten, sagte der Theologe. Daher müssten andere Schätze gehoben werden, um den hiesigen Herstellern Auftrieb zu verschaffen. "Gelebte Werte sind dabei ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor", sagte Schladebusch. "Die Zukunft unserer Industrie entscheidet sich nicht allein in Strategien und Investitionen, sondern auch in der Haltung der Menschen, die Verantwortung tragen. Ohne Werte keine Wertschätzung und ohne Werte keine Wertschöpfung."
Mitarbeitende wünschten sich ehrliche Führung, Orientierung, Vertrauen und eine Unternehmenskultur, die Werte nicht nur kommuniziere, sondern lebe, unterstrich Schladebusch. Das Netzwerk "Christen in der Automobilindustrie" habe dies in einer international angelegten Umfrage ermittelt.




