Künstlerin pendelt nackt in Glocke auf Biennale

Frau schwingt nackt in Glocke
Luca Bruno/AP/dpa
Die Glocken-Aktion der österreichischen Performance-Künstlerin Florentina Holzinger sorgt bei der Biennale in Venedig für Aufsehen.
Performance in Venedig
Künstlerin pendelt nackt in Glocke auf Biennale
Die Performance-Künstlerin Florentina Holzinger sorgt auf der Biennale in Venedig für Aufsehen. Als Teil der Installation im österreichischen Pavillon schwingt eine nackte Frau als Klöppel in einer Glocke.

Mit einer spektakulären Performance sorgt die österreichische Künstlerin Florentina Holzinger bei der Biennale di Venezia für Aufsehen. Im Zentrum der Aktion steht eine Performerin, die kopfüber in einer riesigen Glocke hängt und diese mit ihrem eigenen Körper zum Läuten bringt.

Laut einer Meldung des ORF fungierte Holzinger bei der Eröffnung des Pavillions selbst als menschlicher Glockenklöppel und läutete an den Füßen aufgehängt, nackt und mit herabhängendem Haar in einer riesigen, goldfarbenen Glocke, die an einem Teleskopkran angebracht ist.

Wie der britische Guardian berichtet, gehört die Szene zu Holzingers Beitrag "Seaworld Venice" für den österreichischen Pavillon. Neben dem menschlichen Glockenspiel gibt es ein Jetski-Element, bei dem Performerinnen mit nackten Körpern durch ein inszeniertes Wasserbecken rasen. Außerdem steht eine weitere Szene im Zentrum. Im Innenhof des Pavillons verharrt eine Performerin in einem gläsernen Tauchbecken, ausgerüstet mit Atemgerät, und beobachtet das Publikum. Das Wasser wirkt klar und steril, speist sich jedoch aus einem daneben installierten Kreislaufsystem aus Dixi-Toiletten und angeschlossener Kläranlage.

Die Glocken-Aktion hat laut Holzinger mehrere Bedeutungsebenen. In dem Guardian-Interview verweist die Künstlerin auf die Tradition venezianischer Kirchenglocken, die historisch Gefahr, Überschwemmungen oder politische Ereignisse signalisierten. Zugleich werde der menschliche Körper selbst zum "Instrument" und zur "Maschine". Die kopfüber hängende Performerin verkörpere einen Zustand zwischen Ekstase, Gefahr und Kontrollverlust.

Der ORF bezeichnete Florentina Holzinger zuletzt als international gefeierte und zugleich umstrittene Ausnahmeerscheinung der Performancekunst. Zugleich sorgen ihre oft radikalen, körperlich extremen Inszenierungen regelmäßig für Debatten, wie die von Holzinger inszenierte Oper "Sancta", die wegen Nacktheit und blutiger Szenen Schlagzeilen machte. 

Die Biennale di Venezia gilt als eine der wichtigsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst weltweit. Seit 1895 präsentieren dort Länder in eigenen Pavillons ihre Beiträge zu aktuellen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Debatten. Gerade provokante oder grenzüberschreitende Arbeiten sorgen regelmäßig für Kontroversen, etwa zu Themen wie Körperpolitik, Krieg, Religion oder Klimakrise.

Holzingers "Seaworld Venice" ist noch bis zum 22. November diesen Jahres zu sehen.