Die Erzdiözese München und ihre Chefin

Frauenbewegung "Maria 2.0" zum Auftakt der ersten Synodalversammlung zum Synodalen Weg (30.01.2020) vor dem Dom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main.
epd-bild/Peter Juelich
Viele katholische Bistümer in Deutschland beschäftigen mehr als ein Drittel Frauen in Führungspositionen. Hier im Bild die Frauenbewegung "Maria 2.0" zum Auftakt der ersten Synodalversammlung zum Synodalen Weg (30.01.2020).
Frauen in Kirchenämtern
Die Erzdiözese München und ihre Chefin
Seit 2020 ist Stephanie Herrmann neben dem Generalvikar gleichberechtigt Amtschefin im Erzbistum München. Das Erzbistum gehört damit zu den Vorreitern in Deutschland. Im Interview berichtet Stephanie Herrmann von ihrer Erfahrung.

Die Erzdiözese München und Freising hat 2019 als erstes Bistum in Deutschland Frauen und Männern aus dem Laienstand ermöglicht, neben dem Generalvikar, einem Kleriker, an die Spitze der Verwaltung zu rücken.

Die Amtschefin Stephanie Herrmann nennt es ein wichtiges Signal, dass die Kirche Frauen unabhängig von Weiheämtern Zugang zu hohen Leitungsposten ermöglicht.

epd: Wie kam es dazu, dass Sie in die Position der Amtschefin im Erzbistum München gekommen sind?

Stephanie Herrmann: Die Position war ausgeschrieben, und es wurde jemand gesucht, der Jura oder Betriebswirtschaft studiert hat und entsprechende Verwaltungserfahrung mitbringt. Hauptamtlich Verantwortung in der Kirche zu übernehmen und etwas Neues zu gestalten, hat mich motiviert, mich zu bewerben.

Im Januar 2020 durfte ich gemeinsam mit dem Generalvikar meine Arbeit als Amtschefin im Erzbischöflichen Ordinariat aufnehmen. Zuvor war ich als Referats- und stellvertretende Abteilungsleiterin im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst für den Bereich Hochschulmedizin tätig.

Wie sehen Sie Ihre Rolle neben dem Bischof und dem Generalvikar, beides geweihte Männer?

Herrmann: Ich habe mich bewusst für eine Führungsposition in der Kirche entschieden und schätze die Zusammenarbeit mit Generalvikar Christoph Klingan sehr. Die Rollen sind klar definiert und die Zuständigkeiten und Kompetenzen in einem Diözesangesetz geregelt. Wir stimmen uns in wichtigen Entscheidungen eng ab und gehen viele Themen gemeinschaftlich an.

Seit 2020 ist Stephanie Herrmann neben dem Generalvikar gleichberechtigt Amtschefin im Erzbistum München.

Beim Generalvikar war von Anfang an eine große Offenheit da, dieses Modell gemeinsam zu gestalten. Unsere unterschiedlichen Perspektiven und beruflichen Hintergründe ergänzen sich. Die Gesamtverantwortung und Letztentscheidung liegen beim Erzbischof Kardinal Reinhard Marx. Er unterstützt das Modell in der Praxis, etwa bei regelmäßigen gemeinsamen Besprechungen mit dem Generalvikar und mir.

Sind Sie in Ihrer Karriere Vorbehalten gegen weibliche Führungskräfte begegnet?

Herrmann: Solche Vorbehalte kennt wohl jede weibliche Führungskraft in Deutschland, wobei ich weder in meiner früheren Funktion im Wissenschaftsministerium noch hier im Erzbistum das Gefühl hatte, für meine Fähigkeiten nicht ausreichend geschätzt zu werden.

Umso wichtiger finde ich das Signal, dass wir - unabhängig von der Frage nach dem Zugang zu Weiheämtern - als Kirche bei der Besetzung von Führungspositionen mit gutem Beispiel vorangehen und Frauen darin unterstützen, Verantwortung zu übernehmen. Und das auch, indem wir Strukturen schaffen, die eine Vereinbarkeit von Karriere und Familie ermöglichen. Ein gutes Beispiel bei uns im Ordinariat ist die Leitung einer beim Generalvikar angesiedelten Stabsstelle durch zwei teilzeitbeschäftigte Frauen im Tandem.