Im Mai startet in Augsburg die Aktion "Zeit zum Zuhören". Die Idee dahinter: Geschulte Ehrenamtliche setzen sich auf eine Bank und laden Passanten ein, sich dazuzusetzen. Ins Leben gerufen hat die Aktion Thomas Hegner.
Der evangelische Pfarrer von St. Anna möchte damit etwas gegen das Auseinanderdriften in der Gesellschaft tun möchte. Ziel ist, dass Menschen mit all ihren Meinungen wieder ins Reden kommen - und dabei auch gehört werden, sagt er im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
epd: Herr Hegner, Sie hatten die Idee zur Aktion "Zeit zum Zuhören". Wie sind Sie darauf gekommen?
Thomas Hegner: Mir geht es vor allem um die gesellschaftspolitische Dimension von Einsamkeit. Viele Menschen fühlen sich einsam und nicht gehört. Studien zeigen, dass einsame Menschen anfälliger für radikales Gedankengut und Rechtspopulisten sind. Wir wollen mit der Aktion Menschen das Gefühl geben, dass sie willkommen sind und dass ihre Meinung zählt.
So wollen wir auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Stadt stärken und etwas gegen das Auseinanderdriften unserer Gesellschaft tun. Beteiligt an der Aktion sind neben der evangelischen Kirche auch die katholischen Dekanate, die Moritzkirche, die Stadt Augsburg und die Telefonseelsorge.
Woanders gibt es Plauderbänke, sind die vergleichbar mit Ihrer Aktion?
Hegner: Wir wollten die Aktion bewusst nicht Plauderbänke nennen, weil es uns in erster Linie ums aufmerksame Zuhören geht und wir eher eine gesellschaftspolitische Ausrichtung haben. Wir wollen die Menschen, die zu uns kommen, weder bewerten noch belehren noch mit ihnen diskutieren. Das ist ein Unterschied. Wenn sich dann ein gutes Gespräch ergibt, ist das natürlich toll. Aber im Fokus steht das Zuhören - und das ist gar nicht so einfach.
Wir sind es heute ja gar nicht mehr gewohnt, anderen und ihren Meinungen Raum zu geben. Die Kunst des Zuhörens droht verloren zu gehen. Konkret sieht es so aus, dass sich die Zuhörerinnen und Zuhörer an bestimmten Orten in Augsburg auf eine Bank setzen und Menschen dazu einladen, Platz zu nehmen. Wie sie dabei auf sich und die Aktion aufmerksam machen, überlegen wir derzeit noch.
Derzeit werden Freiwillige als Zuhörerinnen und Zuhörer geschult. Gibt es viele Interessenten?
Hegner: Wir sind total überrascht über den Zulauf. Wir haben drei Schulungstermine angeboten, die dann aber schnell ausgebucht waren. Wir wollen daher noch einen vierten anbieten. Ich denke, dass wir im Mai mit 60 bis 70 ehrenamtlichen Zuhörerinnen und Zuhörern an den Start gehen. Wir bereiten die Freiwilligen darauf vor, wie Zuhören eigentlich geht und wie sie mit sensiblen Situation umgehen, zum Beispiel mit extremem Gedankengut oder auch mit Menschen in seelischen Notlagen.
Die Freiwilligen bekommen von uns Kontaktadressen für Beratungsangebote, die sie bei Bedarf weitergeben können. Während der Aktion selbst lernen wir natürlich auch noch dazu: Welche Bänke sind gut besucht, welche weniger? Wer kommt zu uns? Welche Themen werden besonders häufig angesprochen? Wir werden die Aktion daher laufend anpassen.





