"Robotik kann keine Nächstenliebe"

Eine Frau hält die Hand eines Sterbenden
Getty Images/iStockphoto/Marco VDM
KI könne in Chatbots für niedrigschwellige Gesprächsangebote eingesetzt werden, biete aber keine Nächstenliebe.
Palliativmediziner zu KI
"Robotik kann keine Nächstenliebe"
Technik könne und dürfe keine Beziehung ersetzen, sagt der Palliativmediziner Winfried Hardinghaus. Als Mitglied des Deutschen Ethikrats sieht er für KI dort Grenzen, wo die Würde des Menschen verletzt werde.

In der Begleitung sterbender Menschen hat Künstliche Intelligenz (KI) nach Auffassung des Palliativmediziners und Ethikexperten Winfried Hardinghaus dort ihre Grenzen, wo die Würde des Menschen verletzt wird. "Robotik kann keine Nächstenliebe", sagt der Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes in einem Vortrag während der Messe "Leben und Tod", in Bremen. Technik könne und dürfe keine Beziehung ersetzen.

Hardinghaus stellte vor Hunderten Gästen einen "Würdekompass" vor, der seinen Worten zufolge auch bei den zunehmenden Einsätzen von KI in Sterbe- und Trauerprozessen handlungsleitend bleiben muss. "An oberster Stelle steht menschliche Beziehung", betont der Mediziner, der seit 2024 dem Deutschen Ethikrat angehört und am Berliner Franziskus-Krankenhaus arbeitet.

Aber auch Transparenz in der Debatte um den Einsatz digitaler Hilfsmittel, die Wahl- und Barrierefreiheit der sterbenden Menschen und die Verantwortung füreinander seien zentral: "Fortschritt muss mit Würde gestaltet werden."

KI kann keinen Herzschlag fühlen

Digitalisierung und KI im Zusammenhang mit Leben und Tod ist das Schwerpunktthema der Messe. Zum Programm gehören rund 170 Informations-, Beratungs- und Verkaufsstände sowie mehr als 60 Vorträge und Workshops. KI werde zunehmend auch in sensiblen Bereichen wie Beratung, Begleitung und psychosozialer Unterstützung eingesetzt, sagte Messeleiterin Meike Wengler.

In der Palliativmedizin stehe an oberster Stelle die menschliche Beziehung, so Palliativmediziner Winfried Hardinghaus, der seit 2024 dem Deutschen Ethikrat angehört.

So könnten KI-gestützte Chatbots und Avatare niedrigschwellige Gesprächsangebote schaffen, Informationen bereitstellen oder Menschen in belastenden Situationen unterstützen. "Gleichzeitig werfen diese Technologien fachliche, ethische und professionelle Fragen auf." Die KI könne Worte generieren, "aber keinen Herzschlag fühlen. Wir müssen achtsam bleiben in dem, was uns menschlich macht."



Analoge und digitale Elemente verbindet eine bundesweite "Trost-Offensive", die der Trauerbegleiter Hendrik Lind zu Beginn der Messe vorstellte. "Wenn ein Mensch stirbt, haben wir keine Ahnung, wie Trauer geht", sagte er zum Hintergrund der Initiative. Wichtigstes Element sind 250.000 kostenlose Bücher, die unter dem Titel "Trauern für Anfänger - Dein Trostlotse durch den Ozean der Trauer" über Bestatter verteilt werden. 

Aber auch das Portal "www.trosthelden.de" und ein digitaler "Trostlotse" gehören dazu. Er wolle den gesellschaftlichen Umgang mit Trauer menschlicher, verbindender und sichtbarer machen, sagte Lind. " Im vergangenen Jahr besuchten rund 5.300 Besucherinnen und Besucher die Messe "Leben und Tod", unter anderem haupt- und ehrenamtlich Tätige aus den Bereichen Palliative Care, Hospiz, Trauerbegleitung, Seelsorge und Bestattungskultur. In diesem Jahr ist es die 17. Auflage der Messe.