TV-Tipp: "Merz gegen Merz: Geständnisse"

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21. Mai, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Merz gegen Merz: Geständnisse"
Im Unterschied zur tragischen Ballade von den zwei Königskindern, die nicht beisammen kommen können, weil das Wasser zu tief ist, kommen Anne und Erik Merz nicht voneinander los.

Das Paar ist längst geschieden, aber Annes gemeinsamer Event-Agentur mit Jonas ist kein Glück beschieden; und für die Beziehung zu dem deutlich jüngeren Mann gilt das letztlich auch. Seit 2019, als die erste von drei "Merz gegen Merz"-Staffeln startete, erzählt Ralf Husmann Begebenheiten aus dem Alltag von Anne, Erik (Annette Frier, Christoph Maria Herbst) und all’ den anderen, die den beiden das Leben schwer machen. Manche Vorzeichen sind gleich geblieben; Eriks Eltern Renate und Günter (Carmen-Maja Antoni, Bernd Stegemann) zum Beispiel tummeln sich mit Hingabe in der Kategorie "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich"). Annes neuer "Anfasser" Jonas (Nikolaus Benda) ist ein Kindskopf mit hochfliegenden Plänen, kommt aber nicht aus dem Quark. Gleichermaßen berührend wie witzig sind auch im dritten Film die Auftritte von Michael Wittenborn als Annes dementer Vater, der hin und wieder lichte Momente hat, weshalb diese Szenen im Grunde tieftraurig sind.

Damit sich die Handlung nicht im Kreis dreht, haben Husmann und Koautorin Annekathrin Lang sie in ein Kölner Nobelhotel verlegt: Erik soll mit dem Ehrenpreis des Verbandes der Kunststoffindustrie ausgezeichnet werden. Weil es niemanden gibt, den er zur Preisverleihung mitnehmen könnte, fragt er kurzerhand Anne. Zu seinem mittleren Entsetzen lässt es sich jedoch die gesamte Sippe nicht nehmen, der Gala beizuwohnen, weshalb nach und nach alle eintrudeln, was zu ersten Turbulenzen führt. Erschwerend kommt hinzu, dass es bei allen beteiligten Paaren kriselt. Auf diese Weise erzählt das Drehbuchduo gleich mehrere typische Beziehungsdramen: Leon (Philip Noah Schwarz), der Sohn von Anne und Erik, fühlt sich unter Druck gesetzt, weil sich seine Frau (Süheyla Ünlü) mit einem mobilen Pflegedienst selbstständig machen will und er im Grunde immer noch nicht erwachsen geworden ist. Annes Mutter Maria (Claudia Rieschel) ist längst mit einer Frau (Alexandra von Schwerin) liiert, traut sich aber nicht, ihre Tochter einzuweihen. Renate erinnert sich angesichts des Auftritts von Dragqueen Lou (Catherrine Leclery) daran, dass sie auch mal Träume hatte, was prompt dazu führt, dass der schlicht gestrickte Gatte zutiefst verletzend reagiert.

Im Grunde ist das alles nicht lustig, aber trotzdem witzig; diese Gratwanderung gelingt hierzulande nur Wenigen derart kunstvoll wie dem "Stromberg"-Schöpfer und Grimme-Preisträger Husmann. Gespielt ist das wie gewohnt ausnahmslos vorzüglich; Regie führte wie bei den Staffeln zwei und drei sowie den ersten beiden Filmen Felix Stienz. Diesmal stiehlt allerdings Johanna Gastdorf dem Ensemble beinahe die Schau: Event-Organisatorin Krawcyk hat für jeden, der ihren Weg kreuzt, ein garstiges Wort, motiviert ihre Crew im Stil einer militärischen Ausbilderin und bezeichnet sich selbst völlig zu Recht als "Pissnelke". Da sie größtenteils telefonisch mit ihren Angestellten kommuniziert, wandert Gastdorf wie ein einsamer Asteroid durch den Kosmos dieser Veranstaltung.

Zweiter Running Gag des Films sind die Gespräche der Merz-Mischpoke mit dem jungen Mann an der Rezeption. Das Muster ist identisch: Ein Herr oder eine Frau Merz möchte ein Zimmer beziehen, aber es liegt keine Reservierung vor, und da das Hotel ausgebucht ist, kommt es zu allerlei Asylgesuchen. So landet unter anderem Anne bei Erik, und da sich die Ex-Gattin nicht nur beim Formulieren der Preisrede als unschätzbare Hilfe erweist, kommt sich das geschiedene Paar wieder näher. Tatsächlich stellen beide fest, dass die gemeinsamen guten Zeiten sogar ziemlich gut gewesen seien; dummerweise haben die schlechten irgendwann überwogen.

Natürlich verläuft die Preisverleihung ganz anders als geplant, und das keineswegs nur, weil der Bundespräsident kurzfristig abgesagt hat; die Veranstaltung endet wie eigentlich immer, wenn mehr als zwei Personen mit Namen Merz versammelt sind, im Chaos. Trotzdem lägen diverse Happy Ends mehr als nur im Bereich des Möglichen, aber wo bliebe dann der Spaß; also konfrontieren Lang und Husmann ihre Figuren noch mit einigen unliebsamen Überraschungen. Das verblüffende Vorschlusswort hat allerdings der von Lukas von Horbatschwesky mit sympathisch subtiler Süffisanz verkörperte Rezeptionist. Viele kleine Einfälle am Rande der Handlung sorgen für großes Vergnügen; es gibt jedoch auch bedenkenswerte Erkenntnisse wie jene, das man irgendwann schlicht zu alt ist, um sein Leben weiter vor sich herzuschieben.