Rassistische Einstellungen "sehr hartnäckig" verfestigt

"Kein Platz für Rassismus!" steht auf einer Bank mit fehlender Sitzmöglichkeit.
Hannes P Albert/dpa
Klare Haltung Neustadt an der Orla in Thüringen: "Kein Platz für Rassismus!" steht auf einer Bank mit fehlender Sitzmöglichkeit. (Archivfoto)
Umfrage zu Rassismus
Rassistische Einstellungen "sehr hartnäckig" verfestigt
Viele Menschen stimmen rassistischen Behauptungen zu. Angeblich überlegene Kulturen oder vermeintlich fleißigere Menschen: Rassistische Vorstellungen von verschiedenen Gruppen sind einer Studie zufolge in Deutschland weitverbreitet. Angehörige von Minderheiten bekommen dies im Alltag oft zu spüren.

Ein erheblicher Anteil der Menschen in Deutschland glaubt einer Umfrage zufolge an rassistische Behauptungen über verschiedene Gruppen. So stimmten zwei von drei Befragten (66 Prozent) der Aussage zu, dass bestimmte Kulturen "fortschrittlicher und besser" seien als andere, wie aus der am Donnerstag vorgestellten Erhebung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) hervorgeht.

Knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) vertrat die Ansicht, dass gewisse Gruppen "von Natur aus fleißiger" seien als andere. DeZIM-Direktor Frank Kalter beklagte mangelnde politische Aufmerksamkeit für das Thema.

Es ergebe sich durch den Vergleich mit früheren Befragungen das Bild einer "sehr hartnäckigen Verfestigung" rassistischer Einstellungen, sagte Kalter bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Ko-Autor Tae Jun Kim sagte, Rassismus nehme heute oft nur eine "höflichere Form" an als früher. Letztlich seien solche Einstellungen in der "gesamten Bandbreite der Gesellschaft" zu finden.

Muslime verlieren Vertrauen in Regierung

Dies habe für viele Menschen konkrete Folgen im Alltag, unterstrich Kim. Zwar seien in der aktuellen Umfrage etwas weniger Diskriminierungserfahrungen berichtet worden als bei der Erhebung ein Jahr zuvor. Dieser Rückgang betreffe aber vor allem Menschen ohne sogenannte rassistische Markierung. Bei rassistisch markierten Menschen - etwa schwarzen, asiatischen und muslimischen Menschen - sind die Werte laut der Studie weiter hoch. So berichteten 25 Prozent der schwarzen Befragten und 17 Prozent der Muslim:innen, dass sie mindestens einmal im Monat offen diskriminiert werden, etwa mit Beleidigungen, Drohungen oder körperlichen Angriffen. Bei subtiler Diskriminierung, etwa unfreundlicher Behandlung, waren die Werte deutlich höher.

In der Erhebung wurde auch nach dem Vertrauen in verschiedene Institutionen gefragt. Während das Vertrauen von nicht rassistisch markierten Menschen zur Bundesregierung in den vergangenen Jahren recht stabil blieb, ging es insbesondere bei Muslim:innen deutlich zurück. 2022 sagten noch 58 Prozent der muslimischen Befragten, sie vertrauten der Regierung, in der neuen Umfrage waren es nur noch 31 Prozent. Kim warnte, solche Entwicklungen gefährdeten den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Rassismus sei mitnichten ein Randphänomen, sondern ein Problem für die ganze Gesellschaft.

Ataman: Politik muss das Problem anpacken

Allerdings werde das Thema Rassismus und Diskriminierung in der politischen Debatte "vermehrt wegrelativiert", kritisierte DeZIM-Direktor Kalter. Die unabhängige Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman forderte die Regierung zum Handeln auf. Es brauche "eine Bundesregierung, die klare Kante zeigt und das Thema anpackt", sagte sie auf der Pressekonferenz. "Rassismus und Diskriminierung werden nicht verschwinden, indem wir sie verschweigen."

Für die Studie wurden von Oktober 2025 bis Januar 2026 rund 8.200 Menschen mithilfe eines Online-Tools befragt. Sie ist Teil des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa). Dieses langfristig angelegte Forschungsprojekt erhebt und analysiert im Auftrag der Bundesregierung Daten zur Situation von Menschen, die von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind.