Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg haben die Leitenden Geistlichen der beiden evangelischen Landeskirchen die hohe Wahlbeteiligung und das Votum für "demokratische Parteien der Mitte" gewürdigt. Der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl sprach von einem "starken Zeichen für unsere Demokratie". Er gratulierte "den Wahlsiegern der demokratischen Parteien der Mitte" und zeigte sich erfreut, dass sie eine regierungsfähige Mehrheit erzielt haben. Zugleich äußerte Gohl Sorge über "den noch immer hohen Zuspruch der radikalen Kräfte" und dankte allen in der Landeskirche, die Menschen zur Wahl ermutigt und "Verständigungsorte bereitgestellt und gestaltet" haben.
Die badische Landesbischöfin Heike Springhart freut sich, "dass so viele Menschen ihr Wahlrecht genutzt haben". Demokratie sei "alles andere als selbstverständlich", wenn man in viele andere Länder schaue. Es sei gut, dass Baden-Württemberg auch in den kommenden Jahren "von einer Regierung der demokratischen Mitte" regiert werde. Bitter sei, "dass Menschen auch auf Demokratie zersetzende Kräfte setzen". Sie gratulierte den Wahlsiegern und verband dies mit der Erwartung, dass sie sich für alle Menschen in Baden-Württemberg einsetzen.
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland, Gökay Sofuoglu, sieht im Wahlsieg Cem Özdemirs in Baden-Württemberg eine "Erfolgsgeschichte der Gastarbeitergeneration". Sofuoglu sagte dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (9.3.), Özdemirs Eltern seien klassische Gastarbeiter gewesen. "Das ist für mich eine Normalisierung der Gesellschaft, denn Cem Özdemir verkörpert die Identifikation mit dem Land, und so wird er unabhängig von seinen politischen Ansichten ein Vorbild für viele junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte", sagte Sofuoglu.
Die Grünen wurden am 8.3. mit ihrem 60 Jahre alten Spitzenkandidaten Özdemir stärkste Kraft bei der Landtagswahl im Südwesten. Er dürfte damit erster Ministerpräsident in Deutschland werden, der aus einer Gastarbeiterfamilie stammt. Seine Eltern waren in den 1960er Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen.


