Sehnsucht nach Frühling: Im Primel-Paradies

Der Bremer Gärtnermeister Harald Herzog inmitten langstieliger Primeln.
epd-bild/Dieter Sell
In ganz Deutschland steigen die Temperauren. Der Bremer Gärtnermeister Harald Herzog erwartet jetzt einen richtigen Run auf die vielfarbigen Blumen, die als typische Frühlingsboten gelten.
Winterblues ade?
Sehnsucht nach Frühling: Im Primel-Paradies
Der Schnee ist endlich geschmolzen, Gärtner rechnen jetzt angesichts steigender Temperaturen mit einem Run auf pflanzliche Frühlingsboten. Mit jedem Sonnenstrahl wächst die Lust auf Farbe und Duft, die ersten warmen Tage wirken wie ein Frühjahrsputz für die Seele.

Zartes Rosa, strahlendes Gelb, tiefes Blau, dazu der Duft feuchter Erde: Man könnte meinen, bei Harald Herzog ist schon der Frühling ausgebrochen. Unter den Glasdächern seiner Gewächshäuser leuchten auf den Pflanzentischen Tausende Primeln, die der Gärtnermeister mit seinem Team seit September großzieht.

Jetzt erwartet er einen richtigen Run auf die vielfarbigen Blumen, die als typische Frühlingsboten gelten. Denn überall steigen die Temperaturen. Und die Sehnsucht nach Frühling ist groß, der meteorologisch am kommenden Sonntag beginnt. In den zurückliegenden Wochen war die Nachfrage aufgrund eisiger Temperaturen, Glätte und Schnee eher verhalten.

Nun also der Abschied vom Winterblues, die Großwetterlage ändert sich. In nächster Zeit sind bundesweit teils zweistellige Temperaturen angekündigt. Herzog und sein Team im Primel-Paradies werden wohl jedes Grad mehr auf dem Thermometer abends in der Kasse merken. "Bis Ostern haben wir Hauptsaison", freut sich der Gärtner.

Eine der ersten Blühpflanzen

Schon der botanische Name der Primeln - "Primula" vom lateinischen "primus" für "der Erste" - verweist auf ihre Eigenschaft als eine der ersten Blühpflanzen im Jahr. Herzog bekommt sie als kleine Pflanzen geliefert, pflegt und hegt sie bis zum Verkauf. Besonders beliebt sind nach seinen Erfahrungen die Gelbtöne, die für Sonne, Aufbruch, Optimismus, Energie und Freude stehen.

"Noch mehr nachgefragt wird mittlerweile Rosa, aber auch Rot und zweifarbige Blüten laufen gut." Drinnen sollten sie kühl und hell ohne direkte Sonne und Heizungsnähe stehen. Draußen macht den robusten Pflanzen leichter Frost nichts aus. Besonders wohl fühlen sich Primeln im Garten bei 5 bis 15 Grad Celsius. Die Chancen dafür stehen gut. Mit jedem Tag gibt es derzeit etwa vier Minuten mehr auf der Sonnenuhr, mit noch leicht steigender Tendenz bis zur Tag-und-Nacht-Gleiche am 20. März.

Allee der Düfte

Mehr Licht und Wärme - das sind auch die Wurzeln für die Frühlingsgefühle, die bei den Menschen in diesen Tagen wach werden. "Durch mehr Sonnenlicht wird in unserem Körper auch mehr Serotonin produziert", sagt der Berliner Biopsychologe Peter Walschburger. "Das Glückshormon weckt unsere Lebensgeister und wirkt wie ein Frühjahrsputz für die Seele." Deshalb werde der erste richtige Frühlingstag auch so sehr herbeigesehnt.

Der wird im niedersächsischen "Park der Gärten" am Zwischenahner Meer zumindest optisch mit Winterblühern schon mal vorweggenommen. Dort lockt eine der größten Zaubernuss-Sammlungen Deutschlands - botanisch Hamamelis - und bildet eine Allee der Düfte. Mit ihren gelben, orangen bis roten bandförmigen Blüten gehören sie auch zu den ersten Boten des Frühlings, der jetzt mit Macht kommt. "Die Sehnsucht ist groß", bestätigt Björn Ehsen, gärtnerischer Leiter im Park.

Genug vom Winter

Die winterliche Wetterlage der vergangenen Wochen hat ihnen übrigens nichts ausgemacht. Das liegt an einem besonderen "Frostschutz" der Zaubernüsse: Bei Kälte rollen sich die Blütenblätter zu den Knospenschuppen hin zusammen und öffnen sich erst wieder, wenn die Temperaturen über den Gefrierpunkt klettern. "So schaffen sie es, Fröste bis zu minus zehn Grad Celsius zu überstehen", verdeutlicht Ehsen. Und auch Krokusse, Schneeglöckchen, Winterlinge und Lenzrosen hätten keinen Schaden genommen.

"Die Pflanzen sind mit der schützenden Schneeschicht gut zurechtgekommen, das ist optimal." Verzögerungen in der Blüte hat es aber doch gegeben. "Das kommt jetzt demnächst alles zusammen, einfach komprimierter", schätzt der Experte. Und fällt dann möglicherweise mit der Blüte der Winterheide zusammen, zu der im "Park der Gärten" am 15. März noch vor dem eigentlichen Saisonstart eine Sonderöffnung geplant ist.

"Die Pflanzenfreunde", weiß Björn Ehsen, "sind ausgehungert und wollen das mit allen Sinnen erleben". Das spüren auch Betriebe wie der von Harald Herzog. "Die Leute sagen uns im Laden, sie können Schnee und Eis nicht mehr sehen, es reicht ihnen", berichtet der 47-jährige Gärtnermeister, der schon als Kind mit Pflanzen im Gemüsegarten groß geworden ist. Wenn die Sonne mal länger durch das Glas seiner Gewächshäuser scheint, kann er quasi dabei zusehen, wie der Frühling explodiert: "Dann haben wir täglich 1.000 Blüten mehr."