Die am 10.11.2025 veröffentlichte EKD-Friedensdenkschrift mit dem Titel "Welt in Unordnung - Gerechter Frieden im Blick" lässt Kirche, Politik und Gesellschaft keine Ruhe. Während die einen die Denkschrift als ein Kompass durch eine Zeit voller Bedrohungen, Kriege und Konflikte - mit der klaren Ausrichtung auf einen gerechten Frieden sehen, sehen andere darin einen Versuch, militärisches Handeln friedensethisch zu rehabilitieren (evangelisch.de berichtete).
Auf der Tagung der Evangelischen Akademie der Pfalz, die bis Freitag in Landau stattgefunden hat, begrüßte die Pfälzer Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst "grundsätzlich" die vergangenen November veröffentlichte EKD-Denkschrift. Diese gebe dem Schutz vor Gewalt und der Verteidigungsfähigkeit einen Vorrang.
Die rund 150-seitige Denkschrift gebe keine Antworten auf die Frage, wie der Frieden erreicht werden könne, machte Wüst deutlich. Vielmehr eröffne sie "Diskussionsräume" für Kirche und Gesellschaft und wolle zum Denken anleiten.
Frage der Atomwaffen bleibt Dilemma
Alle diplomatischen Mittel müssten vor der Anwendung von Gewalt ausgeschöpft werden, betonte die Kirchenpräsidentin. Den Einsatz nuklearer Waffen schloss sie aber kategorisch aus.
Das unauflösbare Spannungsfeld zwischen christlichem Pazifismus und dem möglichen Einsatz von Gewalt bei Konflikten sei für die Kirche "ein unbefriedigender Spagat", sagte Wüst. Dennoch sei das Dokument ein Beitrag zur Friedenskultur. "Wir suchen alle den Frieden und jagen ihm nach, hoffentlich in gegenseitiger Achtung."
Schiefer Blick auf "Welt in Unordnung"
Der Augsburger Friedensforscher Christoph Weller kritisierte hingegen, dass die evangelische Kirche mit ihrer Friedensdenkschrift die pazifistische Idee der Gewaltloskeit aufgegeben habe. Der westliche Blick auf eine "Welt in Unordnung" sei schief und ignorant: "Wenn wir uns um unsere Sicherheit kümmern, bedrohen wir andere", sagte Weller am Freitag.
Bereits Mitte November hatte der Moderator des Reformierten Bundes in Deutschland, Bernd Becker, die aktualisierte Bewertung von Massenvernichtungswaffen in der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kritisiert: "Jedem Versuch, biblische Friedensgebote zu relativieren oder nukleare Abschreckung theologisch oder ethisch zu legitimieren, ist entschieden zu widersprechen", sagt der Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Bielefeld (evangelisch.de berichtete).
Veranstalter der einschließlich zweitägigen Tagung war die Evangelische Akademie der Pfalz in Kooperation mit der Friedensakademie Rheinland-Pfalz und dem Friedensinstitut der Evangelischen Hochschule Freiburg.


