epd: Herr Wilde, das Regensburger Dekanat war mit mehr als 60.000 Evangelischen jahrzehntelang das flächenmäßig größte Dekanat in Bayern. Es ist fast dreimal so groß wie das Passauer. Wird hier das Kleinere vom Größeren geschluckt?
Jochen Wilde: Wir haben in der Plattlinger Erklärung ausdrücklich festgehalten, dass das nicht der Fall ist. Es soll nicht der Eindruck entstehen, es würde hier eine freundliche oder feindliche Übernahme stattfinden. Sondern zwei Partner begegnen sich auf Augenhöhe, sodass etwas Drittes, etwas Neues entsteht.
Aber fest steht auch: Es sind zwei Partner, die unterschiedlich groß sind. Bei der Umsetzung wird darauf zu achten sein, dass hier wirklich ein echtes Miteinander und ein wechselseitiger Ausgleich stattfinden. Ich bin zuversichtlich, dass wir das gut hinbekommen werden.
Es ist kein Geheimnis: Sie gehen im Frühsommer 2027 in den Ruhestand. Im fusionierten Dekanat soll dann künftig ein Dekane-Tandem an der Spitze stehen. Dekanin Karoline Gerleigner und Dekan Jörg Breu leiten das Dekanat Regensburg gemeinsam. Stehen damit auch bereits die beiden neuen Führungspersonen fest?
Wilde: Wichtig ist uns als Dekanat Passau, dass der Standort Passau aus verschiedenen Gründen erhalten bleibt. Ich nenne in diesem Zusammenhang die Stichpunkte Historie, Tradition, Universitätsstandort, katholischer Bischofssitz und andere. Das sieht im Übrigen auch die Landeskirche so. Das war auch Common Sense im Dekanatsausschuss, sodass dieser sein Votum für die Fusion einstimmig erteilt hat.
Was die Dekane Breu und Gerleigner angeht: Eine Vorab-Personalentscheidung durch die Hintertür soll es nicht sein. Da gibt es keinen Automatismus bei der Besetzung der künftigen Dekansstelle in Passau. Die Nachfolgeregelung muss in jedem Fall gesetzeskonform und transparent sein.
Das Donaudekanat Regensburg war jahrzehntelang das flächenmäßig größte Dekanat Bayerns und soll nun abermals größer werden. Wenn auch noch das Dekanat Passau hinzukommt: Für wie viele Pfarrpersonen würde das künftige Dekane-Tandem dann die Verantwortung tragen?
Wilde: Momentan haben wir im Dekanat Passau 30,5 Stellen, im Dekanat Regensburg sind es meines Wissens derzeit rund 60 Vollzeitäquivalente. Unabhängig, wer die neuen Dekanspersonen sein werden, wird die Personalverantwortung gegebenenfalls neu aufgeteilt, zum Beispiel könnte man die Donau als Grenze nehmen.
Im Augenblick teilen sich Dekanin Gerleigner, die eine halbe Leitungsstelle hat, und Dekan Breu die Personalverantwortung im Dekanat Regensburg nach regionalen Gesichtspunkten und nach Rechtsträgern. Das könnte ein Muster für die künftige Aufteilung der Personalverantwortung sein.
"Es gilt Qualität vor Geschwindigkeit: Die Umsetzungsthemen müssen bis dahin gut bearbeitet werden"
Für die Fusion haben Sie sich als Termin den Frühsommer 2027 gesetzt - ein sportliches Ziel. Dekanate sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, bei einer Neuausrichtung müsste auch die bayerische Staatsregierung ihr Plazet geben - ein oft langwieriger Prozess. Wird der Termin zu halten sein?
Wilde: Es ist natürlich ein sehr ambitioniertes Ziel, aber wir werden es versuchen. Im Oktober werden die Beschlüsse in den beiden Dekanatssynoden gefasst, anschließend muss die Landeskirche die Neugründung des Dekanats genehmigen. Und ja, auch die Zustimmung des bayerischen Staates ist erforderlich. Wie rasch uns dies gelingt, wird sich zeigen. Es gilt Qualität vor Geschwindigkeit: Die Umsetzungsthemen müssen bis dahin gut bearbeitet werden. Meinen Ruhestandseintritt wollen wir als Anlass nehmen und sehen, ob wir es bis dahin hinbekommen.
Ein Pfarrer sagte einmal scherzhaft, dass er künftig einen Helikopter bräuchte, um von A nach B zu kommen. Haben Sie manchmal Bauchschmerzen, wenn Sie daran denken, dass diese Fusion die politischen Regierungsbezirke Oberpfalz und Niederbayern umfasst?
Wilde: Die politischen Grenzen bereiten mir weniger Bauchschmerzen. Herausfordernder ist für mich das Thema Fläche und Entfernungen: Dass künftig eine riesengroße Fläche bespielt werden muss. Vor dem gleichen Problem stand und steht auch das andere große Konstrukt, das Dekanat Cham/Sulzbach-Rosenberg/Weiden.
Das eigentliche Thema ist, wie wir das Entfernungs- und Flächenproblem in den Griff bekommen. Dass wir gute Substrukturen finden, mit Subregionen arbeiten, damit nicht jedes Mal jemand von Simbach am Inn nach Neutraubling fahren muss wegen einer Tagung oder Konferenz. Da muss es künftig gute Lösungen geben.



