Synodale: "Zu einer zukunftsfähigen Kirche beitragen"

Evangelische Stadtkirche in Bayreuth
DALIBRI/CC/Wikimedia Commons
Am 22. März 2026 predigt Landesbischof Christian Kopp beim Einführungsgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche in Bayreuth. Anschließend treffen sich die Synodalen zur Wahl der Vertretungen in den Ausschüssen.
Synodenstart in Bayern
Synodale: "Zu einer zukunftsfähigen Kirche beitragen"
Ab dem 22. März konstituiert sich die neugewählte bayerische Landessynode in Bayreuth: Was bewegt die Synodalen, welche Themen sind ihnen wichtig. Der Evangelische Pressedienst (epd) hat nachgefragt. Eine Übersicht über die wichtigsten Zitate.

Vom 22. bis 26. März trifft sich die neugewählte bayerische evangelische Landessynode zu ihrer konstituierenden Sitzung in Bayreuth. Der Evangelische Pressedienst (epd) hat sich zum Synodenstart mit mehreren Synodalen unterhalten - über ihre Beweggründe, sich in der Synode zu engagieren, darüber, welche Themen ihnen wichtig sind, und was für sie Kirche ausmacht.

Die Auswahl erfolgte lose: nach Regionen, Altersklassen, die Unterteilung in ordiniert und nicht-ordiniert sowie neu oder wiedergewählt. Ein Überblick über die einzelnen Aussagen.

Bedeutung von Regionen und Kirchengemeinden

Nils Underberg (Ingolstadt): "Die Gemeindearbeit vor Ort muss erhalten bleiben, auch wenn die Gemeinden unter einem immensen finanziellen Druck stehen. (...) Es ist mir wichtig, dass es immer noch eine lebendige Kirche in jeder Gemeinde und in jedem Dekanat gibt."

Barbara Becker (Wiesenbronn): "Ich will zu einer zukunftsfähigen Kirche in meiner Region beitragen. Dazu gehört für mich auch, dass wir weniger über Mitgliederzahlen und mehr über die guten Botschaften des Christentums reden sollten. Mir ist es wichtig, die Kirchengemeinden als Orte der Begegnung, Gemeinschaft und Orientierung zu stärken."

Christoph Schieder (Memmingen): "Ich fühle mich nicht nur Schwaben verbunden, sondern allen Teilen Bayerns. Das solidarische Miteinander der Regionen muss gepflegt werden und macht auch die Kirche aus."

Friedrich Sichermann (Meinhardswinden/Ansbach): "Ich habe das Glück, in einer aktiven und lebendigen Kirchengemeinde zu sein und mitarbeiten zu dürfen. Deshalb ist mir wichtig, dass trotz Sparkurs und der Entwicklung von Regionalgemeinden das besondere Profil einzelner Gemeinden bleibt."

Pia Loch (Bamberg): "Mir ist wichtig, dass bei allen Prozessen, die gerade laufen, das kirchliche Leben vor Ort gestärkt wird und nicht die Strukturprozesse zum Selbstzweck werden."

Karin Heimerl (Neumarkt): "Durch den Reformprozess stecken wir momentan in ganz vielen Umstrukturierungen. Was ich dabei bewegen will, ist, dass wir vor Ort weiterhin zuverlässig arbeiten können, und wir unsere Strukturen und Gremien so umstellen, dass es wirklich für alle funktioniert."

Zum Sparkurs der Landeskirche

Nils Underberg (Ingolstadt): "Ich glaube, dass wir die Arbeit nicht kürzen, aber zusammenlegen können, sodass Pfarrer und vor allem geschäftsführende Pfarrer mit deutlich weniger Verwaltungsarbeit belastet werden. Viele Kirchengemeindeämter könnten zusammengelegt werden, es könnte viel digitalisiert werden. Wegsparen brauchen wir gar nicht so viel."

Bernhard Offenberger (Augsburg): "Wir dürfen nicht mit der Rasenmäher-Methode sparen und überall wahllos kürzen, sondern wir müssen schauen, welcher Geldeinsatz an welcher Stelle was genau ermöglicht. Wenn wir hingegen alles ausbluten lassen, funktioniert am Ende gar nichts mehr. (...) Die wirkungsorientierte Finanzplanung in der Landeskirche finde ich daher einen guten Ansatz. Denn da wird eingesetztes Geld auf seine Wirkung überprüft."

Tia Pelz (Nürnberg): "Wir müssen die Menschen ermutigen, Geld und Zeit an Gott und die Gemeinschaft zurückzugeben. Auch die Drittmitteleinwerbung sollte mit professionellen Ansprechpartnern verbessert werden. Außerdem müssen wir über Gebühren für Leistungen für Nichtmitglieder der Kirchen nachdenken, die ihre Kinder taufen lassen, kirchlich heiraten oder bestattet werden möchten."

Christoph Schieder (Memmingen): "Natürlich müssen wir den Menschen eine Heimat bieten, dazu braucht es auch ein Dach über dem Kopf. Aber nicht an jedem Haus hängt am Ende die Seligkeit. Bevor man sich wegen des Erhalts einer Immobilie verkämpft, lohnt es sich vielleicht auch, neue Wege zu gehen und innovative Lösungen zu suchen."

Karin Heimerl (Neumarkt): "Womit wir weiterhin viele Menschen erreichen, das ist der Bereich der Kasualien, mit Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen und Beerdigungen. Dafür muss Zeit bleiben, das darf auf keinen Fall gekürzt werden."

Bedeutung von Synode

Tanja Keller (München): "Ich wünsche mir mehr Augenhöhe mit den anderen Leitungsorganen wie dem Landeskirchenrat. Natürlich hat der, weil seine Mitglieder hauptberuflich sind, immer mehr Informationen als die Synode oder auch der Landessynodalausschuss, und es gilt auch, die verschiedenen Aufgaben und Rollen zu akzeptieren. Aber damit wir gute Entscheidungen treffen können, müssen wir Bescheid wissen und auch zwischen den Sitzungen gut informiert werden. Die Synode ist nach meiner Wahrnehmung zuletzt ein bisschen abgehängt worden. Meine Motivation ist, dass wir das wieder besser hinkriegen."

Tia Pelz (Nürnberg): "Wir brauchen auch mehr Inklusion in der Synode - etwa Delegierte aus der Gehörlosenseelsorge. Ich bin aus diesen Gründen auch gegen eine Verkleinerung der Synode. Sie ist ein basisdemokratisches Gremium, das nicht von weniger Menschen getragen werden sollte."

Christoph Schieder (Memmingen): "Bei den Entscheidungen der Synode geht es in meinen Augen immer auch um einen Ausgleich zwischen strukturschwachen und strukturstarken Regionen. Man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Die Herausforderung für die Synode ist daher: Wie allgemein kann eine Regelung sein und wie sehr muss sie regional zugeschnitten sein."

Bernhard Offenberger (Augsburg): "Finanzfragen und inhaltliche Fragen müssten meiner Meinung nach in der Synode noch mehr verschränkt werden, damit wir unser Recht als Haushaltssouverän gut wahrnehmen können."
Herzensangelegenheiten:

Pia Loch (Bamberg): "Das Ehrenamt und seine Stärkung liegen mir sehr am Herzen, weil viele Ehrenamtliche das kirchliche Leben jetzt schon tragen."

Tia Pelz (Nürnberg): "Mir ist es sehr wichtig, dass wir stärker für eine gerechte, diverse und antirassistische Kirche eintreten. (...) Mindestens 20 Prozent der Menschen in der evangelischen Kirche haben eine Einwanderungsgeschichte, in Bayern sind es 30 Prozent. Tendenz steigend. Wenn wir diese Menschen nicht erreichen, verlieren wir an Relevanz."

Tanja Keller (München): "Meine Herzensthemen sind weiterhin die Gleichberechtigung von Frauen - damit beschäftige ich mich seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn im bayerischen Sozialministerium und finde, dass wir da in der letzten Synodalperiode schon ein Stück weiter gekommen sind. Und natürlich die Spiritualität. Menschen suchen Orte, wo sie sich verbinden können - aber oft nicht mehr in der Kirche. Daran müssen wir arbeiten."

Kirche und Rechtsruck in der Gesellschaft

Bernhard Offenberger (Augsburg): "Ich finde es wichtig, dass die Kirche bei politisch-gesellschaftlichen Themen ihre Stimme erhebt. Der Rechtsruck in Deutschland besorgt mich sehr. Auch dass die AfD versucht, konservative Christen für sich zu gewinnen. Da müssen wir als Landeskirche eine klare Stimme haben und eine Grenze ziehen. Unser kirchlicher Auftrag hatte schon immer eine politische Dimension, auch wenn es nicht darum geht, parteipolitisch zu werden."

Tia Pelz (Nürnberg): "Wir müssen gegen christlich-nationale und rechtsradikale Häresien eine klare Haltung zeigen. Wir sollten auch klar überlegen, welche Bereiche und Strukturen die Kirche braucht, sollte die AfD an die Macht kommen. Daher bin ich dafür, kirchliche Ausbildungsstätten und kirchliche Presse zu halten und nicht alle Ausbildung an die staatlichen Universitäten zu verlegen."