Regierung plant Erinnerungsort für NSU-Opfer

Schild "Abdurrahim-Özüdogru-Park"
Daniel Karmann/dpa
In Nürnberg erinnert bereits der "Abdurrahim-Özüdogru-Park" an eines der NSU-Opfer.
Rechtsextremismus
Regierung plant Erinnerungsort für NSU-Opfer
Die spät aufgedeckten Morde der rechtsextremen Terrorgruppe NSU schockierten 2011 die Bundesrepublik. In Erinnerung an die Opfer und zur Aufklärung über Rechtsterrorismus soll bis 2030 ein Dokumentationszentrum entstehen.

Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2030 ein Dokumentationszentrum und einen Erinnerungsort für die Opfer der rechtsradikalen Terrorgruppe NSU errichten. Wie die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwoch) berichtet, sollte ein von der Bundeszentrale für politische Bildung erstelltes Konzept am Mittwoch den Angehörigen der zehn NSU-Todesopfer vorgestellt werden. Als Standorte sind demnach vor allem Nürnberg, München, Köln oder Berlin im Gespräch. In Nürnberg gibt es bereits am Rand der Altstadt ein Mahnmal zum Gedenken an die Morde der Terrorgruppe. Am Donnerstag will das Bundesinnenministerium Details zu den Plänen veröffentlichen.

Noch in diesem Jahr solle die Entscheidung für den Standort fallen, ebenso solle ein "Aufbaustab" mit 15 Personalstellen die Arbeit aufnehmen, schrieb die Zeitung. Der Bundestag soll die Mittel für die Umsetzung bewilligen und die Gründung einer öffentlich-rechtlichen Trägerstiftung einleiten. Ein "würdiges Erinnern" werde helfen, der Relativierung von Rechtsextremismus entgegenzuwirken und "neue Wachsamkeit zu entwickeln", sagte die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Juliane Seifert (SPD). Neben dem Dokumentationszentrum soll es auch dezentrale Gedenkorte in anderen Städten geben.

Das Konzept für das Dokumentationszentrum sieht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge drei "primäre Ziele" vor: Zum einen eine kritische Aufarbeitung des NSU-Komplexes, inklusive des "umfassenden Versagens des Staates", sowie einen Gedenkort, der die Betroffenen in den Mittelpunkt stellt. Außerdem soll ein Bildungsangebot entstehen, das die NSU-Verbrechen in die Geschichte des Rechtsterrorismus nach 1945 einordnet. Die Angehörigen der NSU-Opfer seien von Anfang an in die Beratungen eingebunden gewesen. Auch bei der Diskussion über den Standort des Dokumentationszentrums sollen die Betroffenen eine wesentliche Stimme sein, schreibt die Zeitung.

Die rechtsextreme Terrorgruppe NSU tötete zwischen den Jahren 2000 und 2007 zehn Menschen, neun von ihnen mit einem Migrationshintergrund. Die Terrorzelle war im Jahr 2011 aufgeflogen, nachdem zwei Mitglieder in Eisenach tot in einem Wohnmobil gefunden wurden und ein Wohnhaus am selben Tag in Zwickau explodiert war. Beate Zschäpe, Mitglied des Terrortrios, wurde 2018 in München zu lebenslanger Haft verurteilt.