Theologe sieht schrumpfende Kirche als Herausforderung

Wendeltreppe führt abwärts in Kirche
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Sinkende Mitgliederzahlen setzen die Kirche nicht nur finanziell unter Druck.
Weniger Kirchenmitglieder
Theologe sieht schrumpfende Kirche als Herausforderung
Der evangelische Theologe Thomas Bergholz wird am Dienstag in das Amt des Beauftragten der Evangelischen Kirchen für das Saarland eingeführt. Die sinkenden Mitgliederzahlen sieht er als eine Herausforderung.

Der neue Beauftragte der Evangelischen Kirchen für das Saarland, Thomas Bergholz, sieht Kirche aufgrund ihrer sinkenden Mitgliederzahlen unter Druck.

Wenn die Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr Mitglied einer Kirche sei, werde es schwieriger "deutlich Standpunkte zu beziehen und zu sagen, was unserer Meinung nach wichtig ist", sagt der bisherige Pfarrer der Saarbrücker Ludwigskirche dem Evangelischen Pressedienst (epd). 

epd: Wie sehen Sie Ihre Rolle als Beauftragter der Evangelischen Kirche für das Saarland?

Thomas Bergholz: Der Beauftragte ist so eine Art Diplomat, der eher im Hintergrund aktiv ist. Natürlich muss er auch gelegentlich die Kirche nach außen repräsentieren, aber er hat mehr eine Vermittlerrolle. So muss er zwischen der Landesregierung, den Parteien, dem Landtag, den anderen gesellschaftlichen Gruppen und den Landeskirchen vermitteln.

Er muss die Interessen der Landeskirchen dort einbringen, wo sie von diesen Gruppen abgefragt werden oder wo auch die Landeskirchen sehen, dass ihre Interessen in der Öffentlichkeit, der Politik oder der Gesellschaft vertreten werden sollen.

"Bunter Strauß" an Themen im politischen Prozess

Welche Themen werden Sie beschäftigen?

Bergholz: Das ist ein bunter Strauß an Themen. Ein paar sind jetzt schon in der Pipeline und im politischen Prozess angestoßen. Dazu gehören zum Beispiel die Rahmenbedingungen für die Kitas und die Frage, wie es mit dem Religionsunterricht mittel- und langfristig weitergeht. Konkret stehen auch der Sozialgipfel und dann die Nationalen Spiele der Special Olympics vom 15. bis 20. Juni hier im Saarland an.

Wenn die Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr Mitglied einer Kirche sei, werde es schwieriger "deutlich Standpunkte zu beziehen und zu sagen, was unserer Meinung nach wichtig ist", sagt der bisherige Pfarrer der Saarbrücker Ludwigskirche.

Über manche der vielen Themen bin ich schon informiert, in andere bin ich noch gar nicht eingearbeitet, denn ich habe bis Ende April auch noch einen anderen Job. Da bitte ich auch alle um Geduld, dass das etwas Einarbeitungszeit braucht.

Was sind Ihrer Meinung nach zurzeit die größten Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft?

Bergholz: Die grundsätzliche Herausforderung für die Kirche ist, dass wir kleiner werden. Dementsprechend geraten auch unsere Rolle und unser Standpunkt in der Öffentlichkeit unter Druck: Eine Mehrheit der Gesellschaft ist dann nicht mehr kirchlich gebunden, und die beiden großen Kirchen geraten zusammen in die Minderheitenrolle.

In so einer Situation deutlich Standpunkte zu beziehen und zu sagen, was unserer Meinung nach wichtig ist, das wird dann schwieriger. Eine weitere Herausforderung ist ganz klar der Angriff auf die pluralistische Gesellschaft und die Demokratie. Dort hat die Kirche sich bereits eindeutig positioniert. Fragen von Migration und sozialer Gerechtigkeit sind natürlich Themen, die immer mal mehr oder weniger virulent sind.